Stoll wäre die Antwort auf de Courten

Wenn die Baselbieter SP zurück in Regierung will, muss sie jetzt Nägel mit Köpfen machen.

Kandidatur noch offen. SP-Landrat Diego Stoll räumt Gespräche mit seiner Partei ein.

Kandidatur noch offen. SP-Landrat Diego Stoll räumt Gespräche mit seiner Partei ein. Bild: Kostas Maros

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Die Nachricht Ende letzter Woche, wonach Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) nicht mehr zu den Wahlen in einem Jahr antritt, war kaum noch mehr als eine Vollzugsmeldung. Schon überraschender war, dass SVP-Präsident Oskar Kämpfer gleich das Terrain zu besetzen versuchte und Nationalrat Thomas de Courten als quasi zwingenden SVP-Regierungsratskandidaten lancierte. Kämpfer hat damit nicht nur gegenüber der FDP den Lead im bürgerlichen Lager für sich beansprucht, sondern auch die SP in Zugzwang gebracht. Die Linke muss nun Farbe bekennen und endlich Regierungsratskandidaten bringen, wenn sie 2019 in die Kantonsregierung zurückkehren will. Pegoraro hat den Sozialdemokraten durch ihren Verzicht auf einen vorzeitigen Rücktritt ohnehin schon viel Zeit gelassen, Kandidaturen aufzubauen.

Tatsächlich könnten die Sozialdemokraten inzwischen wieder Kandidaten und Kandidatinnen präsentieren, die Chancen haben, in die Regierung gewählt zu werden und einen zweiten SVP-Sitz zu verhindern. Drei Namen stehen dabei im Vordergrund: Urs Kaufmann, Kathrin Schweizer und Diego Stoll. Letzterer müsste aus verschiedenen Gründen als Favorit gelten. Dem 31-jährigen Anwalt aus Liestal wird ein Regierungsamt ohne Weiteres zugetraut. Er könnte sozusagen aus dem Stand die Sicherheitsdirektion übernehmen und damit dem Geografen und Raumplaner Isaac Reber (Grüne) ermöglichen, in die Baudirektion zu wechseln – endlich.

Gespräche sind im Gang

Als einziges Handicap kann Stolls jugendliches Alter ins Feld geführt werden. Das lässt sich allerdings mit dem Hinweis entkräften, dass junge Amtsträger im Baselbiet nichts Ungewöhnliches sind. Peter Schmid (SP) wurde 1989 mit 38 Jahren Regierungsrat, Paul Nyffeler (FDP) 1975 mit 36, und Eduard Belser wurde 1979 im Alter von 37 Jahren Baselbieter Ständerat. Das Alter dürfte hierzulande also kein Hinderungsgrund sein, zumal Diego Stoll bereits über eine erhebliche politische Erfahrung verfügt. 2015 wurde er mit einem hervorragenden Resultat in den Landrat gewählt, wo er schnell als pragmatischer und lösungsorientierter Politiker auffiel. Zuvor hatte er sich im Liestaler Einwohnerrat schon als Präsident der Bau- und Planungskommission einen Namen gemacht.

Diego Stoll hätte jedenfalls gute bis sehr gute Wahlchancen. Er könnte mit Stimmen aus der Mitte, von den Grünen und sogar aus dem bürgerlichen Lager rechnen. Selbst hat er sich allerdings noch nicht entschieden. Gegenüber der BaZ erklärt er derzeit lediglich, «dass Gespräche geführt werden». Er hat aber, was nicht ganz unwesentlich ist, auch nicht Nein gesagt.

Umfrage

Würde Diego Stoll (SP) 2019 in die Baselbieter Regierung gewählt, wäre er bei Amtsantritt erst 32 Jahre alt. Ist er damit alt genug für dieses Amt?

Ja

 
54.2%

Nein

 
45.8%

710 Stimmen


Mit guten Wahlchancen könnte auch der Frenkendörfer Gemeinderat und SP-Landrat Urs Kaufmann rechnen. Auch er sitzt erst seit 2015 im Landrat, hat dort aber ebenfalls sofort zu den führenden Stimmen in der SP-Fraktion gehört. Als mögliches Handicap wird auch bei Kaufmann das Alter ausgemacht – allerdings anders als bei Stoll. Der Frenkendörfer wäre nämlich bei Amtsantritt 2019 bereits 58 Jahre alt – was jedoch auch kein Hinderungsgrund für die Übernahme eines Regierungsamts wäre. Politische Beobachter gehen indessen davon aus, dass Urs Kaufmann nicht oder nicht mehr unbedingt Regierungsrat werden möchte.

Regierungs- oder Nationalrätin?

Immer noch oder erneut als Regierungsratskandidatin im Gespräch ist die frühere Chefin der SP-Landratsfraktion, Katrin Schweizer. Bei der 48-jährigen Landrätin und Muttenzer Gemeinderätin wurde stets vermutet, dass sie – ausser in der Gemeinde – ein Legislativamt, insbesondere einen Nationalratssitz, dem Exekutivamt vorzieht, zumal sie in Bern erste Nachrückende hinter Susanne Leutenegger Oberholzer ist. Und man war stets davon ausgegangen, dass Letztere im Laufe der Legislaturperiode 2015–2019 diesbezüglich auch klare Verhältnisse schaffen würde. Das hat die angesehene Nationalrätin bisher aber nicht getan, wobei die Möglichkeit dazu nach wie vor besteht.

Ein vorzeitiger Rücktritt von Leutenegger Oberholzer könnte jedenfalls von der SP im Hinblick auf eine chancenreiche Regierungsratskandidatur massiv Druck wegnehmen. Und gleichzeitig den SP-Frauen Perspektiven in Bern eröffnen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.03.2018, 07:24 Uhr

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