Todesdrohungen aus Rumänien

Hunde haben in Bukarest einen 4-Jährigen totgebissen. Ein Bottminger Tierschützer will die Strassenhunde von der wütenden Bevölkerung retten und gerät nun selbst in deren Visier.

Täter und Opfer zugleich. Nach Beissattacke werden in Rumänien massenhaft streunende Hunde erschlagen, überfahren und vergiftet.

Täter und Opfer zugleich. Nach Beissattacke werden in Rumänien massenhaft streunende Hunde erschlagen, überfahren und vergiftet. Bild: SHKR

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Der Bottminger Olivier Bieli erhält aus Rumänien Mails mit Todesdrohungen. Grund dafür ist sein ehrenamtliches Engagement: Der Basler Polizist ist Präsident der Schweizerischen Hunde- und Katzenrettung (SHKR). Und diese ist wegen ihres Einsatzes für Strassenhunde ins Fadenkreuz der aufgebrachten rumänischen Bevölkerung geraten. Am Montag vor einer Woche kam es in Bukarest zu einem Drama. Streunende Hunde hatten einen vierjährigen Jungen totgebissen, der sich beim Spielen im Park der Aufsicht seiner Grossmutter entzogen hatte. Sein Sohn sei nicht an Hundebissen gestorben, sondern regelrecht gefressen worden, sagte der entsetzte Vater gegenüber Journalisten.

Dieser tragische Vorfall verschärfte eine Diskussion, die seit Jahren sehr hitzig geführt wird. Denn allein in Bukarest sollen schätzungsweise über 60 000 Strassenhunde leben. 2012 wurden dort über 16 000 Hundebisse registriert. Hunderte Demonstranten forderten den Tod aller streunenden Hunde. Viele warten nicht darauf, bis ein entsprechendes Gesetz in Kraft treten könnte, und nehmen die Sache selber in die Hand. Verschiedene Tierschutzorganisationen berichten, dass massenhaft Hunde angefahren, vergiftet oder zu Tode geschlagen werden. «Die Tötungen sind an Brutalität teilweise kaum zu überbieten. Die Situation ist dramatisch. Es ist ein Gemetzel», sagt Bieli.

Auch dein Kind soll sterben

Der SHKR engagiert sich seit zwei Jahren in Rumänien. Ziel ist vor allem, so viele Tiere wie möglich zu kastrieren: «Es ist belegt, dass dies die Anzahl der Strassenhunde am nachhaltigsten reduziert. Denn auch kastrierte Hunde verteidigen ihr Revier. Tötet man sie, rücken einfach die Nächsten nach. Es werden ja ständig Hunde ausgesetzt», sagt Bieli.Diese Meinung, die er mit anderen internationalen Tierschutzorganisationen teilt und die er auf der Homepage der SHRK veröffentlicht hat, bringt offenbar einen Teil der Bevölkerung weiter auf.

«Wir sind in das Visier von Tierhassern geraten und werden seit Freitag mit unzähligen Drohmails beleidigt und bedroht», sagt Bieli. Bisher hat er rund 50 solcher Mails erhalten. In einem der Schreiben, das mit übelsten Beschimpfungen gespickt ist, betet der Verfasser gar zu Gott, dass etwaige Kinder von ­Bieli und den anderen Vorstandsmitgliedern ebenfalls durch Hunde getötet werden.

Töten von Hunden nicht erlaubt

Bieli macht sich nun Sorgen um den SHKR-Mann vor Ort, einen pensionierter Schweizer, den er über einen BaZ-­Artikel kennengelernt hat. Dieser werde nicht nur via Mail, sondern auch mündlich angegriffen. Auch die Hunde in seinem Tierheim seien in Gefahr. Verstehen kann er diesen Hass, der den Tierschützern entgegenschlägt, nicht: «Die Gefahr, die von streunenden Hunden ausgeht, ist real. Wir wollen das Problem ja auch lösen. Die Rumänen sehen nicht, dass wir massiv zur Sicherheit der Bevölkerung beitragen, indem wir die Tiere mit Geld aus der Schweiz kastrieren und impfen», sagt Bieli.

Vor zwei Jahren hatte das rumänische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das die Tötung von streunenden Hunden erlaubt. Das Verfassungsgericht hat das Gesetz jedoch gekippt. Momentan dürften eigentlich nur Tiere getötet werden, die nachweislich aggressiv oder unheilbar krank sind. Nun will sich das Parlament erneut mit dem Gesetz befassen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.09.2013, 11:54 Uhr

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