Trotz Harmos kaum Gemeinsamkeiten

Der Bildungsraum Nordwestschweiz hat sich nur beim Schulsystem 6/3 gefunden. Bei den Frühsprachen und beim Lehrplan 21 bricht der Bildungsraum auseinander.

Wenig erfolgreich. Drei von vier Nordwestschweizer Kantone haben Frühfranzösisch eingeführt.

Wenig erfolgreich. Drei von vier Nordwestschweizer Kantone haben Frühfranzösisch eingeführt. Bild: Dominik Plüss

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Am 26. September 2010 haben die Baselbieter Stimmberechtigten dem Bildungsraum Nordwestschweiz zugestimmt, gleichzeitig mit den Beitritten zum Harmos- und zum Sonderpädagogik-Konkordat. Inzwischen haben die Kantone Baselland, Aargau, Solothurn und Basel-Stadt die Struktur der Volksschule mit dem System 6/3 vereinheitlicht. Doch harmonisiert sind die kantonalen Volksschulen deshalb nicht. Im Gegenteil: Bei den Frühsprachen, bei der Sonderpädagogik und beim Lehrplan 21 bricht der Bildungsraum auseinander.

«Die Zusammenarbeit im Bildungsraum Nordwestschweiz zielt darauf ab, die Qualität, Effizienz und Effektivität der kantonalen Bildungssysteme zu steigern und sie gemeinsam zu harmonisieren»: So steht es in Paragraf 1 der Regierungsvereinbarung zwischen den vier am Bildungsraum beteiligten Kantone.

Finanzielle Auswirkungen wurden verharmlost

Doch von der einst verbreiteten Dynamik ist inzwischen nicht mehr viel zu spüren. Am 1. Januar dieses Jahres hat der Kanton Aargau den Vorsitz übernommen. Im Februar wurde vermeldet, dass die Leistungschecks in den dritten Klassen gemäss den Rückmeldungen der Kantone «erfreulich» waren. Doch flächendeckend durchgeführt hat die Checks einzig der Kanton Basel-Stadt. Seither blieb die Verbreitung von tatsächlichen oder vermeint­lichen Erfolgsmeldungen gänzlich aus.

Der letzte publizierte Tätigkeitsbericht des Bildungsraums Nordwestschweiz ist derjenige von 2012. Ob es für 2013 einen solchen Bericht gibt, ist nicht bekannt. Publiziert wurde keiner. Auch die auf der eigens eingerichteten Internetseite publizierte Projektliste ist nicht nachgeführt. Die dort verbreiteten Termine entsprechen nicht dem neusten Stand. In der Volksschule ist die Harmonisierung dort ins Stocken geraten, wo schon immer die grössten Differenzen bestanden: beim einheitlichen Lehrplan, bei den Frühsprachen und bei der Integrierten Schulung. Es rächt sich, dass alle drei Bereiche vornehmlich den Fachexperten anvertraut wurden, das Volk und die Politik übergangen und die finanziellen Auswirkungen verharmlost wurden.

Nur Basel-Stadt hält den Kurs

Voll im einst vereinbarten Harmonisierungsfahrplan befindet sich nur der Kanton Basel-Stadt – jener Kanton, der seine Volksschule anders als die drei anderen Kantone vollständig neu strukturieren musste. Ob Basels Schüler dank seiner neuen Struktur künftig erfolgreicher sind, ist deswegen aber nicht garantiert.

Bei den Frühsprachen haben sich die vier Kantone von allem Anfang an nicht auf eine gemeinsame Reihenfolge einigen können. Inzwischen zeichnet sich auch landesweit ab, dass sich die Kantone bei den Frühsprachen überhaupt nicht einigen werden. Im Bildungsraum Nordwestschweiz lassen Rückmeldungen aus der Lehrerschaft vermuten, dass sich beim Frühfranzösisch und beim Frühenglisch nicht die Erfolge einstellen, die sich die Fachleute erhofft haben – auch nicht im Aargau, wo Frühenglisch schon seit 2008 unterrichtet wird. Frühfranzösisch hat der Aargau wegen der anhaltenden Kritik bis heute nicht eingeführt.

Nicht ausgeschlossen ist, dass jetzt der Bund nachträglich Korrekturen am Sprachenprogramm vornehmen wird, sodass die Kantone ihre Sprachkonzepte nachkorrigieren müssen. Der Bund wird diese Möglichkeit gemäss Verfassung wahrnehmen können, weil das Harmos-­Konkordat an der nötigen Mindestzahl von beigetretenen Kantonen scheitern wird und nicht allgemeinverbindlich erklärt werden kann. Heute ist die wahrscheinlichste Prognose, dass der Bund einzig eine zweite Landessprache ab der 5. Klasse für verbindlich erklären wird.

Ebenso uneinheitlich gehen die vier Kantone mit der Integrierten Schulung um. Im Aargau betreiben die Gemeinden die Sonderpädagogik mit minimalen kantonalen Vorgaben. Solothurn hat die Kleinklassen aufgehoben und führt jetzt einen Versuch in integrativer Förderung durch. Zuständig sind die Gemeinden. Basel-Stadt setzt ein Konzept um, bei dem die integrative Schulung wenn immer möglich Vorrang hat. In Baselland ist alles offen; der Landrat hat die Vorlage zurückgewiesen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.10.2014, 17:02 Uhr

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