Vater Fritz’ Augen leuchten stolz

Alt SVP-Landrat Fritz Graf erlebt heute die Wahl seiner Tochter Maya Graf (Grüne) zur Nationalratspräsidentin.

Harter Kopf. «Maya hatte schon als Kind ein hartes Köpfchen», erinnert sich Fritz Graf an die Kindheit seiner Tochter.

Harter Kopf. «Maya hatte schon als Kind ein hartes Köpfchen», erinnert sich Fritz Graf an die Kindheit seiner Tochter. Bild: Alexander Preobrajenski

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Er ist heute der stolzeste Vater der Schweiz. Fritz Graf (83) wird zusammen mit seiner grossen Familie und Ehrengästen aus dem Baselbiet mit dem Zug nach Bern reisen. Dort wird Fritz Graf auf einem reservierten Platz auf der Nationalratsbühne Platz nehmen dürfen und die Wahl seiner Tochter Maya Graf zur Nationalratspräsidentin verfolgen. Und danach gibt es einen von der Baselbieter Regierung offerierten Apéro.

Es wird heute für Fritz Graf einen unvergesslichen Tag geben. Aber es ist nicht der erste, den ihm seine Tochter beschert. Wir sind am vergangenen Freitag zu Besuch in der gemütlichen Bauernstube. Fritz Graf berichtet. Es war der 28. Februar 1962. «Da hinten stand das Wochenbett», sagt er und macht eine Handbewegung zur Wand. «Maya kam morgens um halb sechs zur Welt. Ich musste rasch die Hebamme organisieren und dann den Stall machen. Um 8 Uhr traf ich mich mit dem Kantonsoberförster zu einem Wald­rundgang.» Eine wichtige Inspektion, die Fritz Graf trotz dem freudigen Ereignis nicht mehr absagen konnte. Erst um 12 Uhr oben auf der Sissacherflue beim Mittagessen habe er den Waldfachleuten erklärt, dass er am frühen Morgen zum ersten Mal Vater geworden war: «Ich konnte rasch daheim anrufen, um zu erfahren, dass alles in Ordnung ist.»

Die Brüder beschützt

Maya Graf wuchs mit ihrem um ein Jahr jüngeren Bruder Bernhard und dem Nachzügler Roger behütet im ­Bauernhof auf halber Strecke zwischen Sissach und der Sissacherflue auf. Es ist auch heute noch eine Bilderbuchwelt wie aus Gotthelfs Zeiten. Doch: «Sie hatte schon als Kind ein hartes Köpfchen», erinnert sich Graf über die ersten Lebensjahre der Grünen-Nationalrätin, welche ihre politischen Ziele auch heute noch hartnäckig verfolgt. Mutter Graf, die stille Kraft in der Familie, die auch bei unserem Gespräch im Hintergrund bleiben will, relativiert. «Es gab nie Streit zwischen den Kindern», ruft sie aus der Küche. «Ja», stimmt ihr Gatte zu. Maya habe zwar dominiert, sie habe aber ihre Brüder beschützt und verteidigt – da sei ihre soziale Ader schon früh zum Vorschein gekommen. Hat auch das familiäre Umfeld dazu beigetragen. «Wir waren nie Sozialdemokraten», sagt Fritz Graf, der zwischen 1983 und 1997 ein profiliertes Mitglied der SVP-­Fraktion im Baselbieter Landrat war. Aber, betont er, «wir hatten eine soziale Einstellung – von unserem Hof ging niemand hungrig weg.» Früher sei es vorgekommen, dass Tagelöhner und Arbeitslose von Hof zu Hof zogen.

Zur Schule gegangen sei seine Tochter gern und sie habe gut gelernt. Viermal pro Tag nahm sie den halbstün­digen Weg ins Dorf unter die Füsse. Später war sie in der Jugendbewegung und Gründungsmitglied der Sissacher «Stächpalme». Und so kam sie zu den Grünen. Hatte Vater Graf sie nie zur SVP bringen wollen? – «Wir waren damals eine reine Mannenpartei», erinnert sich Graf. «Sie hätte bei uns höchstens Sekretariatsarbeiten übernehmen, aber nie Karriere machen können.»

Faire Diskussionen

Dass am Familientisch der Grafs harte politische Diskussionen geführt wurden und werden, erstaunt nicht. Fritz Graf war ein Befürworter der Umfahrung Sissach, Maya Graf eine glühende Gegnerin. Aber Vater Graf kämpfte auch für die Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Dorfkern – und da waren Vater und Tochter wieder ein Herz und eine Seele. Es werde am Familientisch fair diskutiert, berichtet Graf. Er habe seine Tochter schon früh aufmerksam gemacht, dass man auch die Argumente der Gegenseite anhören müsse: «Nur so kann man zum Wohle der Allgemeinheit politisieren.» Er sei überzeugt, dass sie diese Grundhaltung auch in ihrem Amt als Nationalrats­präsidentin umsetzen werde.

Graf selber hat immer nach dieser Maxime politisiert. Er war noch einer jener guten, alten liberalen SVPler, dem Parteikollegen hinter vorgehaltener Hand vorhielten, zu oft nach links zu schauen. Als Präsident der landrätlichne Erziehungskommission war er treibende Kraft beim ersten Vertrag des Kantons Baselland mit der Universität. Und während zweier Jahre sassen Fritz und Maya Graf gemeinsam im Landrat. Auch damals leuchteten Vater Grafs ­Augen stolz, wenn Töchterchen Maya das Wort ergriff – unabhängig davon, ob das, was sie sagte, ihm politisch in den Kram passte oder nicht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.11.2012, 11:07 Uhr

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