Zustimmung, Skepsis und eine grosse Frage

Die Baselbieter Idee für einen neuen Transitkorridor rückt die A98 ins Scheinwerferlicht. Würde man den Transitverkehr über diese Achse leiten, wäre dies die einfachste und günstigste Variante.

Baselbieter Vision: Der neue Tunnel zwischen Weil und Giebenach wäre fast so lang wie der Gotthardtunnel.<br>Grafik BaZ/mm

Baselbieter Vision: Der neue Tunnel zwischen Weil und Giebenach wäre fast so lang wie der Gotthardtunnel.
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Basels Verkehrsminister Hans-Peter Wessels will sich nicht zu der Idee aus Baselland äussern, einen neuen Strassentunnel zu bauen zwischen Weil am Rhein und Giebenach. Es sei eine Vision, die er zur Kenntnis genommen habe, lässt er durch Mediensprecher André Frauchiger ausrichten. Frauchiger fügt allerdings noch an, dass in der Stadt sehr begrüsst werde, dass Baselland mithelfe bei der Suche nach Lösungen für die Verkehrsprobleme auf der Osttangente. Die Probleme würden ja an der Kantonsgrenze nicht haltmachen. «Wir fühlen uns unterstützt.»

Die Idee des Baselbieter Kantonsingenieurs Oliver Jacobi hat eingeschlagen. Er und seine Planer auf dem Tiefbauamt haben den Kartenausschnitt vergrössert und sich gedacht, warum nicht gleich eine grossräumige Umfahrung mit einem Tunnel für den gesamten Transitverkehr – ein Tunnel, der mit seinen 16 Kilometern in etwa so lang wäre wie der Gotthard Strassentunnel. Nehme man alle Teilprojekte zur Entschärfung der Verkehrsprobleme zwischen der Verzweigung Augst und dem Schwarzwaldtunnel zusammen, komme man locker auf über zwei Milliarden Franken. Der lange Tunnel käme nicht viel teurer, vor allem auch dann nicht, wenn man noch den volkswirtschaftlichen Schaden dazu rechnen würde, den die Staus während der Bauzeit auf der Osttangente mit sich bringen.

Dieser 16 Kilometer lange Tunnel sei sicher nicht die allein selig machende Lösung, sagt Oliver Jacobi – aber mal ein Denkanstoss. Ein Denkanstoss, das begrüsst auch Sandra Sollberger, SVP-Landrätin und Mitglied der Bau- und Planungskommission. So ein kühner Strich über die Landkarte könne zum Anstoss für eine ganz neue Idee werden. «So entstehen Projekte.» Sie schätze den Mut solcher Leute.

Grosse Städte werden umfahren

TCS-Präsident Christophe Haller spricht ebenfalls von einer guten Idee, gar von einer Superlösung. «Warum sind wir vom TCS nicht darauf gestossen?» Zwischen Hamburg und Palermo werde jede grosse Stadt umfahren, ausser Basel und Luzern. Der Tunnel würde auch den Deutschen Vorteile bringen, denn die Pendler aus Südbaden müssten nicht mehr so lange im Stau stehen. Natürlich müssten einige Probleme gelöst werden, sagt Haller weiter. Wo kämen die Zollanlagen hin? Staus in einem Tunnel seien gefährlich und müssten auf alle Fälle vermieden werden.

Eigentlich komme die Idee aus dem Baselbieter Tiefbauamt nahe an eine alte Idee des TCS: Die A98 zwischen Weil am Rhein und Rheinfelden als Umfahrung zu nutzen, sagt Haller. Dagegen aber wehre sich die deutsche Seite. Die A98 tauche weder auf den Navigationsgeräten auf, noch sei sie signalisiert für den Transitverkehr.

80 Prozent des Verkehrs hausgemacht

Etwas skeptischer ist man auf der linken Seite. Michael Wüthrich, Grossrat vom Grünen Bündnis und Präsident der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission, weist darauf hin, dass nur 20 Prozent des Verkehrs auf den Transitverkehr entfallen, der Rest sei hausgemacht. Grundsätzlich sei er nicht gegen einen solchen Tunnel. Die Frage sei bloss, ob sich ein solches Milliardenprojekt rechne nur für den Transitverkehr. Wie Haller kommt auch Wüthrich auf die A98. Das sei eigentlich die Um­fahrung, die von Baselland angeregt worden sei.

Sei es FDP-Landrat Christof Hiltmann (FDP), CVP-Grossrat Remo Gallacchi oder SP-Grossrat Jörg Vitelli, alle kommen sie immer wieder auf diese A98 zu sprechen. Würde man den Transitverkehr über diese Achse leiten, wäre dies die einfachste Variante und würde ein Bruchteil dessen kosten, was eine neuer Tunnel kosten würde, sagt Vitelli. Hiltmann findet die Tunnelidee grundsätzlich gut, wenn auch noch mit vielen Fragen, finanziell wie politisch, be­haftet. Vielleicht müsste man etwas Druck auf Deutschland ausüben, sagt Christophe Haller. (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.07.2013, 13:04 Uhr

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