Baselbieter CVP-Präsidentin tritt zurück

Brigitte Müller-Kaderli zieht nach Kanada – ihre naheliegenden Nachfolger stehen nicht zur Verfügung.

Lässt die CVP sitzen. Weil ihr Mann sich beruflich weiterbildet, verlässt Brigitte Müller-Kaderli die Partei – mitten im nationalen Wahlkampf.

Lässt die CVP sitzen. Weil ihr Mann sich beruflich weiterbildet, verlässt Brigitte Müller-Kaderli die Partei – mitten im nationalen Wahlkampf. Bild: Kostas Maros

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Nun also doch. Brigitte Müller-Kaderli, die Präsidentin der Baselbieter CVP, legt ihr Amt im kommenden Sommer nieder, weil sie mit ihrer Familie für zwei Jahre ins kanadische Toronto zieht. Ausschlaggebend dafür ist «eine neue berufliche Herausforderung ihres Mannes», wie die Partei gestern in einer Mitteilung schreibt. Der Polit-Blogger Manfred Messmer hatte auf seinem Kanal bereits Mitte September die Vermutung aufgestellt, dass Müller-Kaderli nicht mehr lange als Präsidentin zur Verfügung stehe, weil er von den Gerüchten um den Stellenwechsel ihres Mannes Wind bekommen hatte. Gegenüber Telebasel sagte die Allschwilerin daraufhin jedoch, dass es lediglich um einen internen Stellenwechsel gehe.

«Eigentlich will ich um alles in der Welt weitermachen, aber über den Stellenantritt meines Mannes in Toronto konnten wir nicht weiter diskutieren.», erklärt Müller-Kaderli gegenüber der BaZ. Sie habe gehofft und alles daran gesetzt, die Partei immerhin bis nach den Nationalratswahlen im kommenden Oktober führen zu können. Doch sei dies nicht möglich gewesen.

Laut Müller-Kaderli habe ihre Partei bereits im März 2017, als die damals 40-Jährige zur Präsidentin gewählt wurde, von dem bevorstehenden Auslandaufenthalt gewusst. «Der Zeitpunkt des Stellenantritts war damals jedoch noch nicht klar», erklärt die zweifache Mutter. Die Findungskommission hoffte, dass die CVP mit ihrer neuen Präsidentin zumindest über die Wahlen komme.

«Alles gut aufgegleist»

Bei den kantonalen Wahlen im März wird Müller-Kaderli zwar noch im Amt sein, für die nationalen Wahlen reicht es aber nicht. Damit fällt der Präsidiumswechsel exakt in den Wahlkampf von Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. «Wir werden dennoch einen ordentlichen Wahlkampf führen können», zeigt sich Schneider-Schneiter überzeugt. Der Parteivorstand, der sehr gut aufgestellt sei, werde diese Aufgabe meistern. «Wir sind auf Kurs. Brigitte Müller-Kaderli hat alles bestens aufgegleist.» Die Bundesparlamentarierin betont, dass sie den Rücktritt ihrer Präsidentin sehr bedaure, für deren Entscheid aber vollstes Verständnis aufbringe. Namen potenzieller Nachfolger habe Schneider-Schneiter zwar bereits im Kopf, öffentlich dazu äussern will sie sich indes genauso wenig wie Müller-Kaderli selbst.

Eine naheliegende Kandidatin wäre Béatrix von Sury d'Aspremont, die aktuelle Vize-Präsidentin der Kantonalpartei. Doch diese lehnt ab: «Im Moment habe ich keine Ambitionen auf das Präsidium. Ich bin mit meinen Mandaten als Land- und Gemeinderätin sowie sonstigen Verpflichtungen bereits ausgelastet», sagt von Sury zur BaZ. Die Reinacherin sei gerne bereit, weiterhin im Parteivorstand tätig zu sein. Um das Amt der Präsidentin anzutreten, sei es für sie derzeit aber noch zu früh.

Auch der Oberwiler CVP-Landrat Pascal Ryf, der bereits im Frühjahr 2017 als Kandidat gehandelt worden war, stellt klar: «Ich stehe als Präsident nicht zur Verfügung.» Ryf sieht sich primär als Sachpolitiker und nicht als Parteistratege. Ausserdem habe er sich gerade selbstständig gemacht, weshalb ihm auch die Zeit fehle.

«Dürfte nicht einfach werden»

Ähnlich geht es Ryfs Landratskollege Franz Meyer. «Ein solches Amt liegt bei mir beruflich überhaupt nicht drin», sagt Meyer. Der Grellinger geht davon aus, dass man zunächst mit den Mitgliedern des Vorstands das Gespräch suchen wird. «Die letzten drei Präsidenten und Präsidentinnen waren sehr dynamische, junge Persönlichkeiten. Es wäre sehr schön, wenn wir wieder so jemanden finden würden. Dies dürfte aber nicht ganz einfach werden.»

Mit ihrem Rücktritt entfällt auch Müller-Kaderlis geplante Landratskandidatur. Hier hat der Vorstand der CVP Allschwil-Schönenbuch bereits eine Kandidatin gefunden, die er der Partei vorschlagen wird: die 38-jährige Muriel Dietiker, ebenfalls Mitglied des Kantonalvorstandes.

Umfrage

Brigitte Müller-Kaderli folgt ihrem Mann nach Kanada und gibt deshalb das Parteipräsidium ab. Ein verantwortungsloser Entscheid so kurz vor den Wahlen 2019?

Ja

 
30.7%

Nein

 
69.3%

632 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 12.10.2018, 07:21 Uhr

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