Bildungsoffensive geplant

Christoph Buser kündet am Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer eine überraschende Initiative an.

Vor Problemen nicht gefeit. Am Anlass war auch das duale Bildungssystem der Schweiz ein Thema.

Vor Problemen nicht gefeit. Am Anlass war auch das duale Bildungssystem der Schweiz ein Thema. Bild: Nicole Pont

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Mehr als nur einer wünschte den Kapitänen der Wirtschaftskammer, Christoph Buser und Andreas Schneider, die sich am Eingang zum Neujahrs­apéro vor einer Stellwand mit Kaminfegern installierten, mehr Glück als sich selber. Was Wirtschaftskammerdirektor Buser dann mit etwas gequälter Miene quittierte. Aber in seiner Rede gestand er ein, die Wirtschaftskammer habe kein einfaches Jahr hinter sich, nach all den Vorwürfen, die auf das Haus in Liestal niedergeprasselt sind.

«Manche Organisation wäre daran zerbrochen, uns hat es aber stärker gemacht», sagte er vor knapp 450 Gästen in Pratteln. Die Mitgliederzahl sei sogar gewachsen. Offensichtlich sind den 1000 Einladungen, die das Haus der Wirtschaft – in diesem Jahr ohne Baselbieter Kantonalbank als Co-Gastgeberin – aussprach, mehr Leute gefolgt als beim Neujahrsempfang ein Jahr zuvor.

Die Kantonalbank sah von einem gleichzeitigen Auftritt ab, weil die Tiraden gegen Missstände im Kanton von Buser und Wirtschaftskammerpräsident Schneider im vergangenen Jahr zu heftig ausgefallen waren. Immerhin blieb die Hausbank aber Sponsor, während die Wirtschaftskammer den Anlass aus dem grosszügigen Ambiente des Pantheons in Muttenz herausgenommen und zu ihrem treuen Mitglied, der Kestenholz-Familie, ins Classic Center in Pratteln verlagert hat. In eine schicke, industriell-rustikale Umgebung, wo früher Schindlerzüge hergestellt wurden und heute Oldtimer-Rennboliden stehen.

Systemrelevantes Zusammenspiel

Dezent fiel in diesem Jahr die Werbung für politische Vorlagen wie die Mehrwertabgabe (für die Wirtschaft eine erträgliche Vorlage), die Steuervorlage 17 (gegen höhere Kinderzulagen) und zu «ihrem» Regierungsratskandidaten Thomas de Courten aus; man verzichtete auf das Schlechtreden der Konkurrenz.

Vielmehr zählte Andreas Schneider die Früchte der Wirtschaftskammer auf: «Wir haben nun ein gutes Wirtschaftsförderungsgesetz», sagte er. Und es zahle sich aus, dass die Wirtschaftskammer mit einem Fünfpunkteplan ein Programm gegen den Verkehrsstau ins Spiel bringen konnte: «Jetzt schwenken Bund und Kanton langsam darauf ein.» «Westring», musste er nur noch anfügen.

Anstatt fehlbaren Politikern die Kappe zu waschen, überraschte Christoph Buser mit der Ankündigung einer Bildungsoffensive. Sie soll in erster Linie die klassische Lehre stärken. Gerade das duale Bildungssystem sei der grosse Standortvorteil, um den uns alle Welt beneide. Während Länder wie China grosse Investitionen tätigen, um das Schweizer Modell zu kopieren, «bemerken wir nicht, wie die Wolken bei uns aufziehen», sagte Buser.

Er sprach die vielen Schwierigkeiten an, die den Boden für die klassische Lehre hart machen: Querelen über Entschädigungen für Experten, Knausern bei Spesenbeiträgen für Lehrlinge, wenn diese in Nachbarkantonen ausgebildet werden müssen, administrative Hürden für Ausbildungsbetriebe.

Und dann die zunehmenden Probleme mit den Lehrlingen selber, denen nach der Volksschule noch Alphabet und Ausdauer beigebracht werden müssten. Das Fazit: Gegenüber dem akademischen Lehrgang verliert die klassische Lehre. Daher sei das Zusammenspiel zwischen Schule, Amt, Berufsverband und Lehrbetrieb für die Schweiz in Anbetracht des Fachkräftemangels systemrelevant.

Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern sei schwieriger geworden. «Wir werden deswegen eine Initiative für ein eigenständiges Berufsbildungsgesetz anstossen», kündigte Buser an. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.01.2019, 22:14 Uhr

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