Das Volk soll über Spital abstimmen

Der Verein «Ja zum Bruderholzspital» und die Ärztegesellschaft Baselland wollen das Spital mit einer Volksinitiative retten.

Alle für ein Spital: Mediziner Heinrich Schaefer, Vereinspräsident Steffen Herbert und Jungpolitiker Pascal Lüscher (v.l.) wollen die Degradierung des Bruderholzspitals nicht hinnehmen und sammeln Unterschriften.

Alle für ein Spital: Mediziner Heinrich Schaefer, Vereinspräsident Steffen Herbert und Jungpolitiker Pascal Lüscher (v.l.) wollen die Degradierung des Bruderholzspitals nicht hinnehmen und sammeln Unterschriften.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Geht es nach den Regierungen beider Basel, nach dem Uni-Spital und nach dem Kantonsspital Baselland (KSBL), dann wird das Bruderholz­spital im Rahmen der gemeinsamen Spitalgruppe zu einer Tagesklinik umgebaut. Die Zeiten, als auf dem Bruderholz die erweiterte medizinische Grundversorgung angeboten wurde, sollen also bald vorbei sein. Nun stellt sich ein neu gegründeter Verein gegen die Pläne der Regierungsräte und Spitalchefs. Mit einer Volksinitiative wollen sie das Bruderholzspital als erweiterten Grundversorger erhalten. Hinter dem Anliegen steht nicht zuletzt auch die Ärztegesellschaft Baselland.

«Wir stimmen über jedes Trottoir ab, aber eine solch gewichtige Veränderung, wie sie beim Bruderholzspital geplant ist, wird im Geheimen am Volk vorbeigedrückt», sagt Heinrich Schaefer. Das sei undemokratisch. Der Mediziner arbeitete einst auf dem Bruderholz und ist Gründungsmitglied der Schweizer Spitex. Er ist Mitglied des neu gegründeten Vereins «Ja zum Bruderholzspital». Aus dem Verein soll ein überparteiliches Initiativkomitee entstehen, das mit seinem Volksbegehren das heutige umfassende Angebot im Unterbaselbiet erhalten will.

Ehemaliger Chefarzt für Initiative

Schaefer vertritt im neuen Verein zudem die Ärztegesellschaft Baselland, deren Vorstand sich ebenfalls gegen die Abbaupläne des Baselbieter Gesundheitsdirektors Thomas Weber (SVP) ausgesprochen hat. Bekanntes Mitglied des Vereins ist Hans Kummer, der ehemalige Chefarzt im Bruderholz und SVP-Mitglied. Ebenfalls im Vorstand ist Pascal Lüscher, der in der SVP Ettingen politisiert. Präsidiert wird der Verein von Steffen Herbert, dem Unternehmer, der für die SVP im Frühling in den Rei­nacher Gemeinderat gewählt werden will. Als einzige Mitarbeiterin des Bruderholzspitals gehört Herberts Frau, die Kinderkrankenschwester Evelyn Herbert, dem Vorstand an.

«Das Spital liegt mir am Herzen. Es ist ja unser Spital hier im Unterbaselbiet», sagt Herbert. Die Parteizugehörigkeit der meisten Vorstandsmitglieder legt die Vermutung nahe, dass es ihnen primär um lokalpatriotische Anliegen geht. Das stimmt insofern, als dass sie kritisieren, dass ein Einzugsgebiet, das etwa gleich viele Einwohner hat wie die Stadt, auf sein Spital verzichten müsste, statt dass das Uni-Spital beispielsweise aufs Bruderholz zieht.

Unterversorgung befürchtet

Der parteilose Arzt Schaefer kritisiert grundsätzlich das Konzept eines Ambulatoriums. «Eine Tagesklinik ohne Hintergrund ist unnötig», sagt er. Damit meint Schaefer, dass ein solches Angebot, das auf dem Bruderholz geschaffen werden soll, bereits vorhanden ist. «Wir haben genug Arztpraxen und Spezialisten, die solche ambulanten Eingriffe durchführen können.» Wie bereits Mitarbeitende des Spitals und Haus­ärzte fürchten auch die drei Vereinsgründer eine medizinische Unterversorgung und Mehrkosten statt weniger Aus­gaben, weil das Uni-Spital teurer sei als das KSBL. Sparen solle man hingegen bei Doppelspurigkeiten und beim Grundversorgungskatalog. «Wieso gehört beispielsweise eine Abtreibung zur Grundversorgung, die von der Krankenkasse bezahlt wird? Es gibt ja Kondome», sagt Herbert.

Die Initianten glauben, dass sie innert kürzester Zeit die erforderlichen 1500 Unterschriften zusammen haben werden. «Wir legen so bald wie möglich los», sagt Jungpolitiker Lüscher. Noch wollen sie ihre Sympathisanten im Landrat nicht nennen. Es scheint so, als ob das Volk über sein Spital abstimmen wird. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.09.2015, 10:00 Uhr

Artikel zum Thema

Heisse Luft für kalte Betten

Das Kantonsspital Baselland ist während 15 Jahren vertraglich verpflichtet, von einer neuen Fernwärmeleitung die Energiemenge des heutigen Spitals zu beziehen. Dabei wird das Spital jedoch in wenigen Jahren abgerissen. Mehr...

Solidarität mit dem Bruderholz

Der Ärzteverband und die Gewerkschaft VPOD warnen vor einer allfälligen Unterversorgung, sollte das Spital tatsächlich vorzeitig geschlossen werden. Sie kritisieren scharf die Haltung von Gesundheitsdirektor Thomas Weber. Mehr...

Kooperation der Spitäler

Das Bruderholz- und das Bethesdaspital wollen in Zukunft zusammenarbeiten, die beiden Standorte sollen sich spezialisieren und nicht mehr jeweils alle Arten von Behandlung anbieten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Kommentare

Blogs

Private View Kunst ist der neue Schweinebauch
Geldblog Lieber Finanzberater, drängeln gilt nicht
Sweet Home So geht Eleganz

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Die Welt in Bildern

Wagemutig: Der 95-jährige Kriegsveteran Thomas Norwood landet nach einem Tandemsprung in Suffolk, Virginia, USA (15. Oktober 2017).
(Bild: Vicki Cronis-Nohe) Mehr...