Die Volksnähe ist Daniela Schneebergers Trumpf

Die freisinnige Nationalrätin will auch gegen mächtige parteiinterne Konkurrenten bestehen. Sie sieht sich aber trotzdem noch als Teamplayerin. Sie plädiert für mehr Eigenverantwortung.

Volksnah, sportlich, kämpferisch: Daniela Schneeberger, die «Bisherige» auf der Nationalratsliste der FDP, will in Bern bleiben.

Volksnah, sportlich, kämpferisch: Daniela Schneeberger, die «Bisherige» auf der Nationalratsliste der FDP, will in Bern bleiben. Bild: Dominik Plüss

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor vier Jahren war sie es, die den bedrängten Baselbieter Freisinnigen den Nationalratssitz gerettet hat: Daniela Schneeberger, inzwischen 48 und noch genauso voller Tatendrang wie vor vier Jahren. Als vierjähriges Intermezzo in Bern hat die Oberbaselbieterin die Beförderung von der Kantonal- zur Bundespolitikerin nie verstanden: Sie kämpft um ihre Wiederwahl.

Ein einfaches Unterfangen ist dies nicht, denn bei den Baselbieter Freisinnigen drängt dieses Mal auch der Direktor der mächtigen Wirtschaftskammer nach Bundesbern – und dies mit einer Doppelkandidatur für den National- und den Ständerat. Die Doppelkandidatur Busers war am Parteitag nach einer längeren Debatte beschlossen worden.

Schneeberger aber ist als «Bisherige» fest entschlossen, am kommenden 18. Oktober wieder auf Platz eins der Nationalratsliste der Baselbieter Freisinnigen abzuschliessen. Oder – noch besser – einen zweiten Sitz für die Baselbieter Freisinnigen zu erkämpfen.

«Unter den Leuten»

Vor vier Jahren kam für viele überraschend, dass Schneeberger bei den Freisinnigen auf dem Spitzenplatz landete – als Nichtakademikerin unter lauter Studierten auf der Liste. Sie selbst ist der Ansicht, dass ihr Leistungsausweis während zwölf Jahren im Landrat – ein Jahr als Präsidentin – den Ausschlag gab. Was sie im Wahlkampf auszeichnete, war ihre Volksnähe. Das ist auch heute so: Daniela Schneeberger ist im Baselbiet immer unterwegs, «unter den Leuten». Sie packt auch im Turnverein oder in der Skiriege mit an. Nicht nur im heimischen Thürnen. Auch in den grossen Gemeinden des Unterbaselbiets. Eine Volksvertreterin eben.

Sie kann auch auf Wahlhelfer zählen, zu denen die Mitkandidierenden auf ihrer Wahlliste gar keinen Zugang haben. So tritt sie etwa am letzten August-Wochenende zusammen mit dem dreifachen Kugelstoss-Weltmeister und Olympia-Medaillengewinner Werner Günthör auf. Immerhin war Schneeberger einst Vize-Schweizer-Meisterin im Steinstossen und hat im Kanton gar den Titel mit dem Sechs-Kilogramm-Stein gewonnen. Sport ist für Schneeberger wichtig, auch wenn sie unterdessen im Damenturnverein Thürnen nicht mehr aktiv ist. In den Sommerferien war sie zu Fuss und per Velo unterwegs, von Delémont bis nach Zermatt.

Finanz- und Wirtschaftspolitik

In Bundesbern fokussiert Daniela Schneeberger auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik. Sie ist Mitglied der Finanzkommission und möchte liebend gerne auch einen Sitz in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK). Ein gewisses Renommee hat sich Schneeberger in der FDP-Fraktion mit ihrem erfolgreichen Engagement für patronale Wohlfahrtsfonds erarbeitet. Ihr Credo ist die Eigenverantwortung. «Die Vollkasko-Mentalität ist schädlich», sagt sie, «Erfolg muss erarbeitet werden, wer investiert, die Risiken tragen». Es brauche mehr gesunden Menschenverstand.

Selbstverständlich hat Schneeberger als Präsidentin des Gewerbevereins Sissach und Umgebung auch einen guten Draht zur Wirtschaftskammer ihres parteiinternen Konkurrenten Christoph Buser. Sie selber würde auch nie von einem Konkurrenten sprechen. Im Gegenteil: «Ich bin ein Teamplayer und kämpfe für ein gutes freisinniges Resultat.» Die Beinahe-Niederlage vor vier Jahren war auch die Quittung für die vielen Alleingänge der Kandidaten.

Schneeberger ist mit Überzeugung eine Liberale. Sie könnte nirgends sonst als in der FDP politisieren. In ihrer 1.-August-Ansprache in Pratteln hat sie den verstorbenen freisinnigen Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz zitiert: «Wir haben starke Trümpfe in der Hand, aber wir müssen sie auch ausspielen wollen.» Unser Land würden wir unterschätzen, meint die Baselbieterin, dabei sei die Vielfalt der Landschaften und Sprachkulturen einzigartig. Zwar vertrete sie in Bern auch lokale Anliegen. Doch als Nationalrätin sei sie in erster Linie dem Land verpflichtet. «Wir müssen zu unserem Land stehen», sagt sie. Wenn die Solidarität im Land verloren gehe, werde es schwierig.

Für die Personenfreizügigkeit

Auch um die Flüchtlingsfrage drückt sich Schneeberger nicht. «Die gesetzlichen Grundlagen für eine gute Flüchtlingspolitik sind vorhanden, aber meines Erachtens wendet sie Bundesrätin Simonetta Sommaruga nicht konsequent an», kritisiert sie. Es wäre ausreichend, die Eritreer nur vorläufig als Schutzbedürftige aufzunehmen statt ihnen generell den Flüchtlingsstatus zuzubilligen. So könnte auch der Familiennachzug vermieden werden. Die Schweiz müsse sich zudem stärker bei der Hilfe vor Ort engagieren.

Klar anderer Ansicht als die SVP ist Schneeberger hingegen bei der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative. «Die Bilateralen mit der EU sind für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz überlebenswichtig.» Ohne die Personenfreizügigkeit sei dem Fachkräfte­mangel nicht beizukommen.

Nicht gern hört Daniela Schneeberger, wenn man ihr nachsagt, nie aus Thürnen herausgekommen zu sein. Zusammen mit zwei Geschwistern ist sie in Thürnen aufgewachsen. Heute leitet sie dort ein Treuhandbüro. Seit vier Jahren führt sie in Bern als Präsidentin Treuhand Suisse, den Dachverband der Schweizer Treuhänder.

Ein Vorwurf, der keiner ist

Den Vorwurf, sie sei trotz der Wahl in den Nationalrat Lokalpolitikerin geblieben, empfindet sie nicht als Vorwurf. Gerade als Nationalratsmitglied sei es wichtig, den Draht zur eigenen Wählerschaft zu behalten und den Bodenkontakt nicht zu verlieren. «Ich will authentisch bleiben», sagt sie.

Das ist es, was sie auszeichnet: Daniela Schneeberger ist eine Volksvertreterin im engsten Sinn des Wortes – die Milizpolitikerin, die sie sein will. Die Unterstützung im Volk gibt Schneeberger auch die Zuversicht, auf der freisinnigen Nationalratsliste im kommenden Herbst neben dem Direktor der mächtigen Wirtschaftskammer bestehen zu können. Der Wahlkampf hat eben erst begonnen. Die freisinnige Thürnerin wird im Kampf um ihren Sitz in Bern omnipräsent sein. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.08.2015, 08:47 Uhr

Artikel zum Thema

Abschalten in der Stadtmusik

CVP-Grossrat Remo Gallacchi schreibt nur selten einen Vorstoss, denn das Thema muss ihm am Herzen liegen. Er würde auch eher die Politik aufgeben als das Hornspielen. Trotzdem kandidiert er für den Nationalrat. Mehr...

«Schnee von gestern»

SVP-Präsident und Nationalrat Sebastian Frehner nimmt Stellung zum Spendenskandal und zu den Vorwürfen gegen seine Person. Er fürchtet sich nicht vor den Konsequenzen seiner Taten. Mehr...

Jung, ambitioniert, ohne Geld

Der 17-jährige Nicolas Bretscher will für die Junge SVP in den Nationalrat. In der Schule wurde er dafür mehrmals als Nazi betitelt. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Blogs

Outdoor Dieser Schleim hat es in sich
Geldblog 3.-Säule-Fonds: Achten Sie genau aufs Preisschild
Tingler Zeichen der Zukunft

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...