Diese Poststellen sind gefährdet

Die Gewerkschaft Syndicom legt eine Liste von Filialen vor, die bis 2020 schliessen könnten – sie basiert auf Kriterien der Post.

Bleibt sie? Die Post in Gelterkinden ist Treffpunkt im Oberbaselbiet.

Bleibt sie? Die Post in Gelterkinden ist Treffpunkt im Oberbaselbiet. Bild: Google

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Der gelbe Riese will bis 2020 die Anzahl Poststellen von schweizweit 1400 auf 900 bis 800 reduzieren. Davon ist auch die Region Basel betroffen. Letzten Herbst sorgte die Ankündigung, die Hauptpost in Basel zu schliessen, sogar für eine Demonstration. Die Post hat zwar in dieser Sache noch nicht definitiv entschieden, aber auch nicht mitgeteilt, welche weiteren Poststellen der Region in den nächsten drei Jahren verschwinden könnten. Deshalb hat die Gewerkschaft Syndicom, basierend auf Kriterien der Post, eine Liste erstellt über gefährdete und sichere Filialen in Basel und im Baselbiet.

Im Landkanton sticht als erstes Gelterkinden hervor. Die Gemeinde mit 6000 Einwohnern ist ein Zentrum für mehr als zehn Oberbaselbieter Gemeinden und für insgesamt zirka 14'000 Einwohner. Ebenfalls eine wichtige Zentrumsfunktion im Frenkental übernimmt die Gemeinde Bubendorf. Auch ihre Poststelle steht auf der Negativ-­Liste. «Eine Poststelle in einer grösseren Gemeinde wie Gelterkinden ist alternativlos. Würde sie geschlossen, dann wäre dies nebst der Schliessung des Polizeipostens ein weiterer Abbau öffentlicher Leistungen in Gelterkinden», sagt Gemeindeverwalter Christian Ott.

«Angstmacherei»

Bei der Post ist man über die Liste erbost. Ohne konkret auf die Methodik der Gewerkschaft einzugehen, wird ihr pauschal «Angstmacherei» vorgeworfen, etwa von Post-Verwaltungsrats­präsident Urs Schwaller kürzlich im Tages-Anzeiger. Doch auch er hielt fest, dass der «Umwandlungsprozess» nicht angehalten wird. Damit meint er die Schliessung von Filialen und Agentur­lösungen in Dorfläden.

«Wir gehen aufgrund der Ankündigung der Post, 500 bis 600 Poststellen zu schliessen, davon aus, dass 40 Prozent der gefährdeten Poststellen in der Region Basel in den nächsten drei Jahren geschlossen werden», entgegnet Syndicom-Sprecher Christian Capacoel. Das sei keine Angstmacherei, sondern Realität. «Wollen die Gemeinden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, dann müssen sie jetzt auf politischer Ebene eine Debatte über den künftigen Service public bewirken.»

Gefährdet ist auch die Filiale in Birsfelden. Gemeindepräsident Christof Hiltmann sagt auf Anfrage: «Die Post ist eine zentrale Anlaufstelle für grosse Teile der Bevölkerung und führt sicherlich auch zu positiven Übertragungs­effekten für andere Ladengeschäfte in der näheren Umgebung der Filiale.» Damit sei die bestehende Poststelle ein wichtiger Standortfaktor für Birsfelden. Eine alternativlose Aufhebung wäre «ein grosser Verlust».

Die Post entscheidet alleine

Hanspeter Ryser, Gemeindepräsident im ebenfalls betroffenen Oberwil, teilt mit: «Ich nehme diese Gefährdungsliste der Gewerkschaft gelassen zur Kenntnis. Eine Schliessung unserer Poststelle würde mich sehr überraschen. Die Post hat eine hohe Kundenfrequenz, wir haben ja auch etwas mehr als 11000 Einwohner und aus Biel-Benken kommen weitere Kunden dazu. Würde man unsere Poststelle schlies­sen, dann könnte man nicht mehr von Service public sprechen. Ein Schliessungsentscheid wäre für mich also schlicht nicht nachvollziehbar.»

Beim Basler Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt heisst es zum Abbau der Post: «Das kann – muss aber nicht – auch in Basel weitere Poststellen betreffen.» In Basel wartet man nun also ab, obwohl neben der Hauptpost fünf weitere Filialen gefährdet sind. «Generell muss man die Situation bei jeder Poststelle einzeln anschauen», teilt das Departement mit.

Entscheidend für die Schliessung oder den Erhalt einer Filiale sind die Kriterien der Post. Auf diese beruft sich die Syndicom: die von der Post unter Verschluss gehaltenen wirtschaftlichen Faktoren; garantiert ist eine Poststelle im Kantons- und Bezirkshauptort oder in Gemeinden wie Allschwil oder Reinach mit mehr als 20 000 Einwohnern, sowie wenn eine Poststelle für 90 Prozent der Bevölkerung binnen 20 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar ist.

Bubendorfs Gemeindepräsident Erwin Müller ist besorgt wegen der Liste: Sollte Bubendorf betroffen sein, «stellt sich die Frage, wie die, aus unserer Sicht, doch recht hohen Frequenzen und die sehr gute Erreichbarkeit, auch für auswärtige Kunden, ersetzt werden könnte. Die Poststelle Liestal mit ihrem ständig überlasteten Parkangebot könnte dies sicher nicht übernehmen.»

Aktiv geworden ist bis jetzt Gelterkinden. Die Gemeinde hat im Herbst das Gespräch mit der Post gesucht. Diese habe der Gemeinde mitgeteilt, dass die Poststelle in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht geschlossen werde. Die Post verspricht auf Anfrage, mit den Kantonen, Gemeinden und der Bevölkerung zu sprechen – doch über eine Schliessung entscheidet die Post alleine.

Umfrage

Basierend auf Kriterien der Post listet die Gewerkschaft Syndicom gefährdete Poststellen in der Region auf. Haben Sie Angst um Ihre Poststelle?

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941 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 28.01.2017, 07:54 Uhr

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