Für Lehrplan 21 ohne Sammelfächer

Die Baselbieter Stimmberechtigen wollen bei den traditionellen Schulfächern bleiben. Der Entscheid dürfte in der gesamten Deutschschweiz für Aufregung sorgen.

Auf Kurs. Monica Gschwind will mit dem Bildungsrat zusammen einen moderaten Lehrplan erarbeiten.

Auf Kurs. Monica Gschwind will mit dem Bildungsrat zusammen einen moderaten Lehrplan erarbeiten. Bild: Lucian Hunziker

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Der Bildungsrat kann den Lehrplan 21 in eigener Kompetenz entscheiden, jedoch ohne die im Lehrplan 21 vorgesehenen Sammelfächer. Die Baselbieter Stimmberechtigten lehnten die Kompetenzverschiebung zum Landrat mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 53 Prozent ab. Mit deutlichen 61 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde jedoch die Parlamentarische Initiative zum «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer». Damit müssen die Fächer Geografie, Geschichte, Physik, Chemie, Biologie und Hauswirtschaft an den Baselbieter Sekundarschulen einzeln unterrichtet und benotet werden. Mit hohen 85 Prozent Ja-Stimmen schliesslich wurde die Initiative der Starken Schule Baselland zum Erhalt der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) angenommen. Diese Initiative hatte der Landrat zu einer Vorlage zum generellen Erhalt der Brückenangebote für Schulabgänger ausgeweitet.

Der Entscheid, die traditionellen Schulfächer erhalten zu wollen, dürfte in der gesamten Deutschschweiz für Aufregung sorgen. Die neuen, im Lehrplan 21 enthaltenen kombinierten Fächer «Räume, Zeiten, Gesellschaften», «Natur und Technik» sowie «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» werden damit definitiv nicht in der ganzen Schweiz eingeführt und mit kombinierten Noten in die Zeugnisse aufgenommen. Das Baselbieter Votum könnte dazu führen, dass auch andere Kantone bei den traditionellen Schulfächern von der einheitlichen Neuerung, wie sie die Deutschschweizer Kantone im Lehrplan 21 verankert haben, abrücken.

Lehrplan wird überarbeitet

Auffallend ist, dass das urbane Baselbiet am deutlichsten gegen die neuen Sammelfächer gestimmt hat: 63,13 Prozent stimmten im Bezirk Arlesheim Ja zum Verzicht auf die Neuerung. Noch deutlicher fiel der Entscheid in der grössten Baselbieter Gemeinde aus: 64,83 Prozent wollten in Allschwil die Sammelfächer aus dem Lehrplan entfernen. Ausser in Langenbruck (42,80 Prozent) fanden die neuen Sammelfächer nirgends sonst Anklang. Die von Jürg Wiedemann lancierte Parlamentarische Initiative «zum Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer» erhielt Ja-Stimmen-Anteile von bis zu 71,83 Prozent (Hemmiken).

Nicht viel hätte gefehlt und Wiedemann hätte auch mit der Verlagerung der Entscheidungskompetenz zum Lehrplan 21 Erfolg gehabt. Schliesslich aber waren nur 47 Prozent dafür, die Entscheidungskompetenz vom Bildungsrat zum Landrat zu transferieren. Grosse Gemeinden in der Agglomeration wie Allschwil (51,15 Prozent) und Reinach (50,12 Prozent) wollten, dass die Volksvertreter im Parlament das letzte Wort haben. Am deutlichsten geschützt wurde der Bildungsrat hingegen in Langenbruck (31,65 Prozent Ja).

Sie werde sich bemühen, den Volksschul-Lehrplan zusammen mit dem Bildungsrat so zu überarbeiten, dass auch die Vorbehalte der 47 Prozent starken Minderheit berücksichtigt würden, erklärte Bildungsdirektorin Monica Gschwind gestern. Sie sei froh, dass jetzt klar sei, dass sich der Lehrplan auf Einzelfächer abstütze. Saskia Olsson, Geschäftsleiterin der Starken Schule, zeigte sich erfreut, dass zwei von drei Bildungsvorlagen durchkamen. Im Regierungsgebäude nicht anwesend war gestern Jürg Wiedemann.

Umfrage

Das Baselbieter Stimmvolk will keine Sammelfächer. Wird der Kanton Baselland deshalb zur Bildungsinsel?

Ja

 
29.6%

Nein

 
70.4%

587 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 06.06.2016, 06:55 Uhr

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