Learning by doing: Erpressung lohnt sich

Die Baselbieter haben eine Erkenntnis der letzten Jahrzehnte verinnerlicht: Kürzen oder streichen sie einen Beitrag, etwa im Kulturbereich, stopft der städtische Steuerzahler umgehend das Loch.

Ungleiche Partnerschaft in der Bildungspolitik: Monica Gschwind und Conradin Cramer.

Ungleiche Partnerschaft in der Bildungspolitik: Monica Gschwind und Conradin Cramer. Bild: Nicole Pont

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Allen amtlichen Schönfärbern zum Trotz: Die Beziehungen zwischen Basel-Stadt und Basel-Land sind massiv gestört. Auf die Dauer wird deshalb die Taktik, den tiefen Graben mit städtischen Almosen und dickflüssiger Buchstabensuppe zuzuschütten, nicht zu tragfähigen Lösungen führen.

Die schlichte Wahrheit, dass man die Universität Basel (gegründet 503 Jahre vor Monica Gschwind) nicht einfach schreddern kann wie das Läufelfingerli, ist leider noch nicht in die Hirne aller National-, Land- und Regierungsräte von FDP und SVP eingesickert.

Seit ich mit heilpädagogisch geschulten Augen eine Staatskarosse mit dem Kennzeichen BL 1833 am Rathaus vorfahren sah, fehlt mir allerdings der Glaube, die Minderwertigkeitskomplexe liessen sich ausschliesslich mit politischen und finanziellen Massnahmen lindern.

Besonders ärgerlich ist denn auch der Versuch, lästigen Politikerinnen und Politikern die Meinungsfreiheit zu beschneiden, in der irrigen Hoffnung, damit das Klima der Gespräche verbessern zu können. Auch in unserer Regierung orientiert man sich offenbar am Bonmot von George Bernard Shaw, dass es um die Welt vielleicht besser stehen würde, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen.

Zuletzt traf der Zorn wieder einmal den alt Erziehungsdirektor und Nationalrat Christoph Eymann. Weil er sich mit undiplomatisch deutlichen Worten gegen die Demontage und politische Bevormundung der Universität gewandt hatte, wurde er im Landrat und in den Medien als «Uni-Tempelwächter» und Störenfried beschimpft. Selbst der Basler Regierung war es nicht zu peinlich, ihren ehemaligen Kollegen aufzufordern, nach Bekanntgabe der Resultate der Univerhandlungen doch bitte den Mund zu halten.

Die Regierung fand sich nach der Debatte fast vollzählig zur Danksagung ein.

Diese devote Haltung kenne ich aus eigenen leidvollen Erfahrungen. Um das Jahr 2000 herum wurde im Grossen Rat wieder einmal die Idee aufgewärmt, die beiden Halbkantone zu Vollkantonen aufzuwerten. Der Vorschlag hatte zwar auf eidgenössischer Ebene nie den Hauch einer Chance, eignete sich aber bestens als mentales Aufputschmittel zur kurzfristigen Stärkung des angeschlagenen Selbstwertgefühls. Mein Votum stiess auch bei den Regierungsräten auf grosse Zustimmung. Ihre Mitglieder fanden sich nach der Debatte fast vollzählig zur Danksagung ein.

Zufälligerweise trafen sich am gleichen Abend die Regierungen der beiden Basel zu einer gemeinsamen Sitzung. Bei der Hülftenschanze hatten meine Ausführungen, vom «Regionaljournal» wortgetreu übermittelt, erwartungsgemäss eine Welle der Empörung ausgelöst. Die gleichen Regierungsräte, die noch kurz zuvor in der Gratulationsschlange standen, entschuldigten sich nun unterwürfig für die Ausfälle des städtischen Bösewichts.

Die Baselbieter haben eine Erkenntnis der vergangenen Jahrzehnte verinnerlicht: Drohen und erpressen lohnt sich immer. Kürzen oder streichen sie einen Beitrag, etwa im Kulturbereich, stopft der städtische Steuerzahler umgehend das Loch. Jammern sie über drückende Lasten, werden ohne zu zögern Dutzende Millionen Franken überwiesen. Auf Fusstritte folgen stets Bücklinge.

«Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt», heisst es bei Matthäus 5,39, «dann halt ihm auch die andere hin.» Jede Lebenserfahrung spricht dagegen, dass man mit dieser Appeasement-Politik glaubwürdig und erfolgreich Verhandlungen führen kann. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 12:11 Uhr

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