Schlag gegen Drogenbande im Umfeld des Partylokals Fame

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft setzt fünf mutmassliche Heroin- und Marihuana-Dealer in Untersuchungshaft.

Die verhafteten Männer sind zwischen 29 und 32 Jahre alt, türkischer, italienischer und schweizerischer Nationalität (Symbolbild).

Die verhafteten Männer sind zwischen 29 und 32 Jahre alt, türkischer, italienischer und schweizerischer Nationalität (Symbolbild). Bild: Keystone

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Der Baselbieter Staatsanwaltschaft ist zusammen mit der Drogenfahndung ein entscheidender Schlag gegen mutmassliche Heroin- und Marihuana-Händler gelungen. Sie sind teilweise im Umfeld der Basler Disco Fame anzusiedeln. In den vergangenen Tagen konnten die Ermittler jedenfalls zwei Männer im Basel-Stadt und zwei im Baselbiet festnehmen. Eine weitere Person ist an einem Flughafen in Spanien gestellt worden und befindet sich in Auslieferungshaft. Die Männer sind zwischen 29 und 32 Jahre alt, türkischer, italienischer und schweizerischer Nationalität.

Kann dank der Festnahmen und der angeordneten Untersuchungshaft vielleicht doch noch Licht in die zahlreichen ungeklärten Vorfälle rund um das Basler Partylokal Fame gebracht werden? In diesem Personenkreis kam es zu einem Buttersäure-Überfall von vier als Affen verkleideten Männern auf den «Rhypark» an Silvester 2015/16, der einem ehemaligen «Fame»-Geschäftsführer galt; es gab jenen Tränengas-Anschlag im Partyclub «Vice» an der Heuwaage oder auch die Schiesserei in Muttenz im September 2014, bei der der Fame-Teilhaber Cemil Sakar verletzt worden ist. In solche Vorfälle mutmasslich involvierte Personen sitzen nun hinter Gitter – beispielsweise R. M., der von Sakar beschuldigt worden ist, auf ihn geschossen zu haben. Und auch der Türke Ilhan Eyikat, der im vergangenen Oktober bei einem dreisten Übernahmeversuch mit einem gefälschten Protokoll ins Fame eindrang, die Disco plünderte und verwüstete (BaZ vom 1. November 2017), sodass das Lokal geschlossen werden musste.

«Endlich sitzen sie in Haft», hört man dazu die Anwälte sagen, die sich im vergangenen November noch fragten, weshalb gerade Eyikat nach seiner Aktion auf freiem Fuss bleiben konnte. Jetzt zeigt sich, weshalb: Die Staatsanwaltschaft observierte den Personenkreis über viele Monate hinweg und wollte den richtigen Zeitpunkt abwarten.

Drucker-Tonerfirma im Fokus

Eine Spur dürfte sie zur Allschwiler Firma Swiss Office Solutions AG geführt haben, mit denen die mutmasslichen Drogenhändler in Verbindung stehen und deren Geschäftsführer ebenso inhaftiert worden ist. Die Firma sorgte bereits in der Sendung «Kassensturz» für Schlagzeilen, weil sie Rechnungen für nie gelieferte Tonerpatronen von minderwertiger Qualität zu überhöhten Preisen geliefert hatte.

Über die «fiese Masche mit Billig-Tonern» hinaus, wie «Kassensturz» titelte, könnte «die dreiste Firma, die Gewerbler abzockt», noch ganz anderen Zwecken gedient haben: unter anderem der Geldwäscherei. Und in Fahndungskreisen ist eine weitere Masche bekannt. Toner-Kartuschen werden auch als unauffällige Transportgebinde für Drogen verwendet. Man spricht in diesem Zusammenhang von «schwarzem Heroin». Fakt bleibt letztlich, dass die Staatsanwaltschaft auch ein Verfahren gegen die Verhafteten wegen Verdachts auf Geldwäscherei eröffnet hat, wie sie gestern mitteilte.

In Insiderkreisen heisst es, dass die Bande mit Verbindungen zu türkischen Clans in Berlin im vergangenen Jahrzehnt eine dominante Rolle im Basler Heroin-Handel eingenommen habe. Das wird auf Anfrage der BaZ von der Staatsanwaltschaft zwar nicht bestätigt. Vorsichtig heisst es: «Im Rahmen der Aktion konnten Bargeld in Höhe von mehreren Tausend Franken sowie Drogen sichergestellt werden.» Die Insider gehen davon, dass man den mutmasslichen Tätern den Handel von mindestens 50 Kilogramm Marihuana und zehn Kilo Heroin nachweisen kann. Diese in Anbetracht der langen Ermittlungen wiederum geringen Menge deutet daraufhin, dass die Männer in den vergangenen Monaten nervös und vorsichtig geworden sind.

Geprotzt in Sozialen Medien

Das war früher noch anders. Bilder und Auszüge aus Instagram und Facebook-Accounts, die der BaZ vorliegen, zeigen, wie die Männer unverhohlen mit ihrem Reichtum bluffen: mit Bargeldbildern, Mercedes- und Bentley-Luxusschlitten. Sie zeigten auch ihre Unterarme, die dreifach mit Rolex-Uhren bestückt waren.

Ob das Geld für diesen Protz vorhanden war, ist wiederum eine andere Frage. Gegenüber Ilhan Eyikat hatte alleine der Kanton Basel-Stadt offene Forderungen von rund 234'000 Franken und Verlustscheine in Höhe von 154'000 Franken aufgeführt, wie aus dem Betreibungsregister vom Herbst 2016 hervorgeht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.03.2018, 12:22 Uhr

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