Schon droht den nächsten Poststellen die Schliessung

Der Landrat und SP-Präsident Adil Koller sehen den Kanton in der Pflicht. Dass sich ein Einsatz gegen die Abbaupläne der Post lohnen kann, zeigt sich in anderen Kantonen.

Storen unten. Noch ist unklar, wie lange die Postfiliale in Läufelfingen erhalten bleibt.

Storen unten. Noch ist unklar, wie lange die Postfiliale in Läufelfingen erhalten bleibt. Bild: Otto Graf

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Machen bald zwei weitere Poststellen im Kanton Baselland dicht? Heute Abend informiert der gelbe Riese die Hölsteiner Bevölkerung über die angedachten Lösungen für die örtliche Poststelle. Übermorgen findet in Zwingen der gleiche Anlass statt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Post an diesen Abenden stets einen Abbau der Dienstleistungen bekannt gibt.

Die Poststellenin Zwingen und Hölstein sind nicht die einzigen, die von einer Schliessung bedroht sind. Seit die Post im April mitgeteilt hat, dass sie auch im Baselbiet diverse Filialen überprüfen will, werden Schalter laufend durch sogenannte Postagenturen ersetzt, die in bestehende Geschäfte wie Dorfläden integriert werden. Nur 21 Poststellengarantiert die Post bis 2020 im Kanton. Neben Hölstein und Zwingen stehen nun noch die Filialen in Bottmingen, Grellingen, Läufelfingen und Thürnen auf dem Prüfstand.

In Thürnen soll noch dieses Jahr eine Agentur in der örtlichen Bäckerei eingerichtet werden. Dies hatte die Post bereits im Frühjahr angekündigt. Ähnlich sieht es in Grellingen aus: Hier wird die Post voraussichtlich Mitte 2018 in die Coop-Filiale zügeln.

Widerstand aus den Gemeinden

Die Bottminger SP hat im Sommer rund 3500 Unterschriften gegen eine allfällige Schliessung der lokalen Poststellegesammelt. Daraufhin hat der Gemeinderat nach Lösungen gesucht. Er setzt sich nun dafür ein, dass die Post die wichtigsten Dienstleistungen weiterhin am bestehenden und gut erschlossenen Standort anbietet.

In Läufelfingen möchte Gemeindepräsident Dieter Forter die Post in das Gesamtkonzept der neuen Kohler-Areal-Überbauung integrieren. Man habe mit der Post vereinbart, im Frühjahr wieder zusammenzukommen. Bis dahin sollten die Baubewilligungen für das Areal unter Dach und Fach sein, erklärt Forter.

Doch nicht nur in den Gemeinden regt sich Widerstand. Auch auf kantonaler und nationaler Ebene setzen sich Baselbieter Politiker für die Poststellenein. So fordert SP-Landrat Adil Koller, dass sich der Kanton Baselland auf nationaler Ebene mit einer Standesinitiative für den Erhalt des Service public starkmacht. Ende August hat er einen entsprechenden Vorstoss eingereicht, über den voraussichtlich am 2. November im Kantonsparlament abgestimmt wird.

Der Regierungsrat empfiehlt, Kollers Vorstoss abzulehnen. In ihrer Stellungnahme betont die Regierung zwar, dass sie «grundsätzlich mit einem Grossteil der Anliegen der Motion einverstanden» sei. Doch Kollers Forderung, in den Postagenturen umfangreichere Dienstleistungen anzubieten und dem dortigen Personal bessere Ausbildungs- sowie Arbeitsbedingungen zu gewähren, erachtet die Baselbieter Regierung als «nicht zweckmässig».

«Ein solches Verhalten ist inkonsequent», sagt Koller. Er hatte sich erhofft, dass sich die Regierung klar zum Thema positioniert. Der Münchensteiner ist enttäuscht über die Reaktion des Kantons. Dies umso mehr, als er aus der Bevölkerung viele Rückmeldungen zu seinem Vorstoss erhalten habe und er spüre, wie stark der Abbau die Leute beschäftige.

Vorerst Abbau-Stopp in Uri

«Die Standesinitiative wäre eine Möglichkeit gewesen, um vom Baselbiet aus ein klares Zeichen nach Bundesbern zu senden», fährt der Präsident der kantonalen SP fort. Viel Hoffnung, dass seine Motion im Landrat eine Mehrheit finde, hege er nicht: «Es sieht so aus, als wäre die SP die einzige Partei, die sich gegen einen Abbau von Poststellenausspricht.» Und dies, obwohl Politiker aus sechs verschiedenen Parteien Kollers Vorstoss mitunterzeichnet haben.

Dass sich ein Einsatz gegen die Abbaupläne der Post lohnen kann, zeigt sich etwa im Kanton Uri. Hier setzen sich Gemeindevertreter für ein Moratorium ein. Die Post möchte nun mit den Urnern über die Zukunft der Poststellendiskutieren. Bis die Resultate der Gespräche im kommenden Sommer vorliegen, will die Post keine Filialen mehr schliessen, wie die Urner Zeitung diesen Monat mitteilte.

Koller glaubt nicht, dass ein Dialog mit der Post im Baselbiet viel bewirken würde. Das Problem sei, dass die Post zu viel Macht habe: «Die gesetzlichen Grundlagen müssen sich ändern, damit sich die Leute gegen die Abbaupolitik der Post wehren können.»

Umfrage

Adil Koller (SP) fordert stärkeren Einsatz für die Poststellen. Doch die Regierung will nicht. Zu Recht?

Ja

 
37.5%

Nein

 
62.5%

739 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 23.10.2017, 07:18 Uhr

Paid Post

Ein Ex-Einbrecher packt aus

Der ehemalige Einbrecher Hammed Khamis hat die Seiten gewechselt. Er zeigt exklusiv auf, wie Einbrecher vorgehen.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...