Teilprofessionalisierung der Feuerwehr wird geprüft

Das Milizsystem kommt bei den Baselbieter Feuerwehren an die Grenzen. Profi-Feuerwehrleute könnten zu tieferen Kosten und schnellerem Eintreffen am Brandort führen, glaubt die Baselbieter Regierung.

Baselbieter Milizfeuerwehrleute (hier bei einem Einsatz in Pratteln) sind tagsüber meist am Arbeiten.

Baselbieter Milizfeuerwehrleute (hier bei einem Einsatz in Pratteln) sind tagsüber meist am Arbeiten. Bild: Keystone

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Die Baselbieter Regierung lässt eine Teilprofessionalisierung der Feuerwehr prüfen. Damit will der Kanton auf demografische, gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen reagieren. Geprüft werden soll bis 2020 unter der Leitung der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV), ob eine Teilprofessionalisierung fachlich und politisch umsetzbar ist, wie die Regierung am Dienstag mitteilte. Dabei müsse diskutiert werden, ob regionale Ausnahmen notwendig sind. Geklärt werden müsse zudem die künftige Trägerschaft der Feuerwehr.

Ein von der Regierung eingesetzter runder Tisch unter der Leitung der BGV hatte der Regierung zuvor einen Bericht zur Zukunft des Feuerwehrwesens im Baselbiet vorgelegt. Diskutiert wurden dabei auch über eine Berufsfeuerwehr, wie BGV-CEO Sven Cattelan auf Anfrage sagte. Eine solche wäre jedoch zu teuer.

Heute sind die Feuerwehren im Kanton Basel-Landschaft im Milizprinzip organisiert. Es bestehen Gemeinde-, Verbunds- und Stützpunktfeuerwehren. Träger sind teilweise der Kanton und die Gemeinden. Daneben gibt es einzelne Betriebsfeuerwehren.

Pendler-Problem

Die Feuerwehr funktioniere derzeit gut, sagt Cattelan. Probleme bereiten den Feuerwehren zunehmend jedoch die verminderte Verfügbarkeit der Feuerwehrleute durch den Tag - weil sie etwa auswärts arbeiten - und die fehlende Einsatzerfahrung. Zudem steigen die Kosten.

Mit dem heutigen System habe es im Kanton ausserdem zu viel Einsatzmaterial, insbesondere viele Fahrzeuge. Vor Jahresferist war von insgesamt 280 Feuerwehrfahrzeugen die Rede gewesen, im Baselbiet stünden, darunter gut 60 Löschfahrzeuge - ein solches kann eine halbe Million kosten, plus Unterhalt.

Bei einer Teilprofessionalisierung ist gemäss Cattelan angedacht, dass eine gewisse Anzahl von Feuerwehrleuten fest angestellt sind. Diese sollen durch den Tag insbesondere den Bundesauftrag sicherstellen, wonach innerhalb zehn Minuten acht Feuerwehrleute am Einsatzort eintreffen müssen.

Mehr Festangestellte

Für die weitere Ereignisbewältigung soll jedoch auch künftig auf Milizfeuerwehrleute abgestellt werden. Die festangestellten Feuerwehrleute sollen etwa für Materialwartungen und andere Aufgaben zuständig sein. Als Träger einer teilprofessionalisierten Feuerwehr sind gemäss Cattelan der Kanton, die Gemeinden oder der Kanton zusammen mit Gemeinden denkbar.

Die favorisierte Variante «Teilprofessionalisierung» soll nun mit dem bestehenden runden Tisch bis im März 2020 konkretisiert werden. Daran sitzen neben der BGV die Polizei, die Rettungsdienste, das Amt für Militär- und Bevölkerungsschutz, der Verband Basellandschaftlicher Gemeinden sowie der Feuerwehrverband beider Basel, das Sicherheitsinspektorat und Fachpersonen.

Im April 2017 hatten zehn Gemeinden im Raum Liestal ein Projekt für einen Feuerwehrverbund mit mehr Festangestellten vorgestellt, das aber keine Berufsfeuerwehr bringen sollte. Der Kooperationswille über die Gemeindegrenzen ist indes nicht überall gleich gross. Laut den Protagonisten könnten fünf solche Verbünde den ganzen Kanton abdecken. Die BGV hat hoheitliche Aufgaben bezüglich Führung und Koordination des Feuerwehrwesens. Sie ist zudem verantwortlich für die Feuerwehrausbildung. (amu/sda)

Erstellt: 12.06.2018, 17:37 Uhr

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