Zwei Unfälle der CABB verschwiegen

Ein früherer Sprecher übt Kritik an der Kommunikationspolitik der Baselbieter Polizei.

Das Jahr 2016 war für die CABB ein eigentlicher Horror, mit Fortsetzung im Jahr 2017, sodass die Geschäftsführung die Reissleine ziehen musste.

Das Jahr 2016 war für die CABB ein eigentlicher Horror, mit Fortsetzung im Jahr 2017, sodass die Geschäftsführung die Reissleine ziehen musste. Bild: Christian Jaeggi

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Stürzt ein Bauer bei der Kirschenernte von der Leiter und landet im Spital, folgt eine Polizeimeldung. Manchmal auch, wenn Polizisten eine Entenfamilie in einer Siedlung bergen können. Seit der Sandoz-Katastrophe, nach jenem Versagen der behördlichen Kommunikation 1986 beim Schweizerhalle-Brand, galt bei Unfällen in der Chemie eine besonders niederschwellige Informationspolitik: Transparenz für die Bevölkerung sollte oberste Maxime sein.

Deshalb erstaunte es selbst Angehörige der Baselbieter Polizei, dass ihre Kommunikationsverantwortlichen über zwei Unfälle auf dem Gelände der Säurefabrik CABB in Pratteln einfach nicht informierten. Diese ereigneten sich innerhalb von 24 Stunden am 17. und 18. Juni dieses Jahres. Im ersten Fall trat Oleum aus – eine ölige, rauchende Schwefelsäure, die sich unter anderem zum Ätzen eignet. Die Betriebsfeuerwehr musste den Stoff mit Wasser «niederschlagen».

Vor einem Jahr noch gemeldet

Im zweiten Fall platzte ein unter Druck stehendes Glasrohr deutlich unter der Abscherungsschwelle. Die Ursache ist noch nicht geklärt. Aber ein Mitarbeiter wurde an der Hand verletzt und musste ambulant behandelt und zur Kontrolle ins Spital gebracht werden. Standortfeuerwehr und Polizei seien «routinemässig» hinzugerufen worden. Für die Umwelt habe keine Gefahr bestanden. Noch im August vor einem Jahr vermeldete die Polizei solche Unfälle selbst wenn «für Mensch und Umwelt keine Gefahr» bestanden habe. Man durfte annehmen, dass dies konsequent so gehandhabt wurde.

Der Grund: Auf die Pannenfirma gilt es ein besonderes Augenmerk zu richten. Das Jahr 2016 war für die CABB ein eigentlicher Horror, mit Fortsetzung im Jahr 2017, sodass die Geschäftsführung die Reissleine ziehen und sich vom Standortleiter und vom Betriebsleiter trennen musste. Statt die Einweihung ihrer 55-Millionen-Investition in eine neue Elektrolyse-Anlage zu feiern, gelobte das Kader an einer Pressekonferenz Besserung und versprach Transparenz.

Diese deutet der heutige Polizeisprecher Adrian Gaugler so: «Die Polizei Basel-Landschaft führt bei jedem polizeilichen Ereignis eine Abwägung zwischen öffentlichem Interesse an Information und dem Schutz der involvierten Personen respektive Unternehmen durch die Wahrung des Amtsgeheimnisses durch. In den beiden erwähnten Fällen kam es zu keinerlei Auswirkungen ausserhalb des Werkareals und die Folgen waren geringfügig. Das Interesse an der Wahrung des Amtsgeheimnisses überwog deshalb in diesen beiden Fällen.»

Gegen Verdacht der Mauschelei

Druckversuche, Informationen nach Ereignissen zurückzubehalten, mussten offenbar schon auf den früheren Polizeisprecher Meinrad Stöcklin ausgeübt worden sein, sodass er die Ellbogen ausfahren musste. Stöcklin bestätigt: «Zu meiner Zeit hatte ich mich beim Einsatzleiter stets dafür stark gemacht, solche Ereignisse konsequent proaktiv zu kommunizieren – auch wenn die betroffene Firma unüberhörbar knurrte. Aber nur so geht es. Genau mit solchem Verhalten entsteht der Verdacht, dass gemauschelt wird.»

Diesen Eindruck will die CABB grundsätzlich vermeiden: «Wir kommunizieren jegliche Ereignisse, die eine Aussenwirkung auf Umwelt oder Nachbarschaft ausserhalb des Werkgeländes betreffen.» Man investiere im laufenden Geschäftsjahr rund 40 Millionen Franken in den Standort Pratteln. Die Hälfte fliesse in die weitere Umsetzung des Sicherheitsprogramms «Fit for Future». Die Unfallquote am Standort Pratteln sei inzwischen überdurchschnittlich gut.

Für Stöcklin genügt das nicht: «Die Behörden haben die Bevölkerung vor solchen Firmen zu schützen – und das geht nur mit bedingungsloser Transparenz, nicht mit Verschweigen. Aber da fehlt es im Baselbiet an Format.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.07.2018, 14:32 Uhr

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