Der Wunschkandidat

Daniel Egloff soll Direktor von Schweiz Tourismus werden – zumindest finden das die Basler.

Tourismusdirektor der Rekorde. Viele wähnen Daniel Egloff vor dem nächsten Karriereschritt.

Tourismusdirektor der Rekorde. Viele wähnen Daniel Egloff vor dem nächsten Karriereschritt. Bild: Dominik Plüss

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Der oberste Hemdknopf steht offen bei Daniel Egloff. Fast immer. Mit Krawatte sieht man den Basler Tourismusdirektor nur an offiziellen Anlässen. Der gebürtige Thalwiler ist ein lockerer Typ, grinst viel und lacht noch mehr. Auch über sich, etwa wenn er an einer Medienkonferenz mit dem Powerpointsystem kämpft. Doch bei aller Entspanntheit: Egloff, so hat man den Eindruck, arbeitet ständig und sehr professionell. Er schüttelt Hände, an Anlässen in Basel, der Schweiz, der Welt. Wechselt hier ein paar nette Worte, winkt dort jemandem jovial zu. Networking ist eine von Egloffs Stärken – und in seinem Job Grundvoraussetzung.

Seit 2001 arbeitet der Mittvierziger als Direktor von Basel Tourismus und vermarktet zusammen mit seinem Team die Stadt als lohnendes Reiseziel. Culture unlimited, lautet der Slogan, der offenbar zieht. Jedes Jahr konnte Egloff seit seinem Start in Basel vor den Medien breit grinsend einen neuen Rekord verkünden. Seien es die Tages­touristen, Logiernächte oder Kongressgäste – die Zahlen steigen Jahr für Jahr.

Auch dann, wenn Egloff wegen Frankenstärke und Terrorangst selber nicht mehr daran geglaubt hatte. Zu seinen Erfolgen gehören auch das «Pokémon schlagen zurück»-Video, das vergangenes Jahr weltweit für Aufsehen sorgte sowie die Aktion «Flying Concierges», für die bei Grossanlässen Freiwillige den Touristen bei Fragen weiterhelfen.

Innovativer Netzwerker

Jetzt könnte der nächste Schritt auf den umtriebigen Touristiker warten. Der Sprung nach Zürich zu Schweiz Tourismus. Der dortige Direktor Jürg Schmid hat diese Woche bekannt gegeben, per Ende Jahr zurückzutreten. Und nicht für wenige wäre Egloff der richtige Mann für diese Vakanz. Der ehemalige Präsident von Basel Tourismus, Hans­peter Weisshaupt, hat noch am Abend nach Bekanntwerden von Schmids Abgang eine Mail an Egloff verfasst. Inhalt: «dass ich ihn, sollte er sich bewerben, voll unterstützen werde», sagt Weisshaupt. «Daniel Egloff put Basel on the map», sagt er.

Und meint damit, dass Egloff die Stadt Basel in der Welt bekannt gemacht habe. Egloff habe langjährige Erfahrung, ein gutes Netzwerk und sei loyal und innovativ, sagt Weisshaupt, der jahrelang mit Egloff zusammengearbeitet hat. «Er ist definitiv gut ausgerüstet, um diesen nächsten Schritt zu gehen.» Dass Egloff sich rasch in die neue Aufgabe einarbeiten könnte, davon ist Weisshaupt überzeugt. «Als Fremder in Basel hatte er hier einen schwierigen Start, konnte aber in kurzer Zeit ein super Netzwerk aufbauen.»

Auch von Kollegen wird Egloff gelobt. «Es ist ihm gelungen, eine konstante positive Entwicklung zu schaffen, und er hat immer etwas Neues in der Pipeline», sagt Tobias Eggimann, Geschäftsführer von Baselland Tourismus. Für ihn ist Egloff «jemand, der für diesen Job sicher infrage käme». Auch Marcel Perren, Präsident der regionalen Tourismusdirektoren Schweiz, klingt nicht abgeneigt. Im Detail äussern darf er sich als Vorstandsmitglied von Schweiz Tourismus zwar nicht, sagt aber: «Ich kenne Daniel Egloff seit vielen Jahren. Er hat die Region Basel immer sehr aktiv und gut vertreten.»

«Mache meinen Job sehr gern»

Gar nicht begeistert von der Idee, Egloff an Schweiz Tourismus abzutreten, ist Carlo Conti. Der Ex-Regierungsrat und Präsident von Basel Tourismus will seinen Mitarbeiter offensichtlich behalten. «Daniel Egloff hat keine Veranlassung, sich nach einer neuen Stelle umzusehen», sagte er zur BaZ. Auch Daniel Egloff bekundet auf die Anfrage der BaZ hin kein Interesse, seinen Arbeitsplatz nach Zürich zu verlegen. «Ich mache meinen Job in Basel sehr gerne. Gemeinsam mit meinem kompetenten Team unsere wunderbare Stadt weltweit zu positionieren, ist eine faszinierende Aufgabe», sagt er. Entsprechend habe er keine Veranlassung, eine andere Aufgabe anzustreben.

Ob Schweiz Tourismus in Sachen Nachfolge Jürg Schmid trotzdem Egloff kontaktieren wird, ist offen. Am kommenden Montag will sich der Vorstand treffen. Dann soll eine Findungskommission eingesetzt werden. Die frei werdende Stelle wird ausserdem öffentlich ausgeschrieben. «Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Abgang von Herrn Schmid Ende Jahr eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger finden werden», sagt Mediensprecher Markus Berger.

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 18.05.2017, 06:55 Uhr

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