Berufstätige Eltern im Dilemma

Basler Schüler haben neu mehr Ferien. Ein Betreuungsangebot gibt es dafür aber nicht.

Berufstätige Eltern stehen vor der Tatsache, dass ihre Kinder mehr Ferien haben, der Kanton für diese zusätzlichen Tage jedoch kein Betreuungsangebot zur Verfügung stellt

Berufstätige Eltern stehen vor der Tatsache, dass ihre Kinder mehr Ferien haben, der Kanton für diese zusätzlichen Tage jedoch kein Betreuungsangebot zur Verfügung stellt Bild: Keystone

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Der Kanton legt den berufstätigen Eltern ein Ei. Obwohl er sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gross auf die Fahne schreibt. Vorbildlich sorgt Basel-Stadt mit Tagesstrukturen und subventionierten Krippenplätzen dafür, dass Eltern einer Arbeit nachgehen können. Zudem hat Basel-Stadt die «Familienfreundliche Wirtschaftsregion Basel» lanciert, welche Unternehmen auch dabei unterstützt, ihr Arbeitsumfeld elternkompatibler zu gestalten.

Umso mehr erstaunt deshalb der Umgang des Erziehungsdepartementes (ED) mit den eigenen Schulferien. Vor knapp einem Jahr entschied die Regierung, dass die Weihnachtsferien der Schüler auf zwei Wochen ausgedehnt werden. Dies, damit die Lehrer ihr gesamtes Ferienguthaben einziehen und Überstunden kompensieren können. Berufstätige Eltern stehen nun vor der Tatsache, dass ihre Kinder mehr Ferien haben, der Kanton für diese zusätzlichen Tage jedoch kein Betreuungsangebot zur Verfügung stellt. Die subventionierten Tagesferien werden nicht an die neuen Umstände angepasst.

Für Arbeitgeber problematisch

«Gehen alle davon aus, dass man Kinder ins Geschäft mitnehmen kann, Grosseltern und untätige Freunde hat, oder eben doch noch die Frau am Herd ist?», sagt eine genervte Mutter gegenüber der BaZ. Eines ihrer Kinder ist in der Tagesstruktur, das andere altersbedingt noch in der Krippe. Die drei Wochen Betriebsferien der Krippe stimmen jedoch nicht mit jenen drei Wochen überein, an denen auf Tagesferien verzichtet wird. Die Ferien der Mutter reichen deshalb nicht aus, um die betreuungsfreie Zeit der Kinder abzudecken: «Hinzu kommt, dass ich im Geschäft auch nicht immer meine Wunschferien erhalte, da es dort noch andere gibt, die auch Kinder haben», so die Mutter. Diese ständige «Wegorganisiererei» der Kinder und auch die Ungewissheit, ob man überhaupt eine Lösung findet, sei so nervenaufreibend, dass einige ihrer Freundinnen nah dran gewesen seien, den Job hinzuwerfen und wieder Hausfrau zu werden.

Unterstützung erhalten berufstätige Eltern von SP-Grossrat Kaspar Sutter. Für ihn ist klar: Wenn das ED die schulfreie Zeit auf 14 Wochen verlängert, muss es für die zusätzlichen Ferien auch Betreuung anbieten. Und das bereits für die kommenden Weihnachtsferien. «Der Staat muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Es gibt auch Eltern, die in der ersten Januar-Woche keine Ferien nehmen können», so Sutter. Es sei problematisch, wenn das ED den Arbeitgebern praktisch vorschreibt, welche Wochen sie ihren Angestellten mit Kindern freigeben müssen.

Beim ED ist man sich bewusst, dass die zusätzlichen Ferientage ein Problem darstellen. Dies betreffe jedoch nur einen geringen Teil der Eltern: «Wir bieten an 11 der 14 Schulferienwochen Tagesferien an. Die meisten Eltern haben vier bis fünf Wochen Ferien. Deshalb können wir davon ausgehen, dass sie in diesen drei Wochen die Betreuung ihrer Kinder übernehmen können. Wir können nicht alles abdecken», sagt Dieter Baur, Leiter Volksschulen. In der Regel würden sich die Mutter und der Vater um die Kinder kümmern. Somit sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass Vater oder Mutter ihre Ferien in dieser Zeit beziehen können.

Letztendlich sei es eine finanzielle und gesellschaftspolitische Frage, ob ein Staat sich eine durchgehende Ferienbetreuung für Kinder leisten will. Laut Baur kostet jeder subventionierte Tagesferienplatz den Kanton rund 200 Franken pro Woche – Verwaltungsaufwand und Elternbeitragsreduktionen nicht mit eingerechnet. Eine zusätzliche Woche könne somit gut rund 42'000 Franken kosten.

Fehlendes Geld ist für Sutter kein Argument: «Das ED hatte genügend Zeit, diesen Posten in den Budgetprozess einzubringen. Zudem sind das Beträge, die man auch intern kompensieren könnte. Die Infrastruktur ist ja bereits vorhanden», so Sutter.

Allerdings sind auch Tagesferien für ihn nur eine ungenügende Lösung: «Dort müssen die Kinder jede Woche ein neues Angebot an einem neuen Ort mit neuen Betreuungspersonen besuchen. Zudem kann man die Kinder nur mindestens vier Tage am Stück anmelden.» Eltern, die nur Teilzeit arbeiten, müssen ihren Nachwuchs auch an Tagen abgeben, an denen diese gar keine Betreuung bräuchten.

Neues Angebot angedacht

Im Mai hat Sutter im Grossen Rat deshalb eine Motion eingereicht. Darin fordert er, dass die Tagesstrukturen ihre Tore in den Schulferien nicht wie bisher schliessen, sondern das Angebot in einer zahlenmässig reduzierten Form aufrechterhalten. Der Vorteil gegenüber Tagesferien: Die Kinder werden in ihrer gewohnten Umgebung betreut und die Eltern könnten sie auch nur halbtageweise bringen.

«Viele lassen ihre Kinder im Tagi, weil dort die Ferien besser abgedeckt sind als bei der Tagesstruktur. Bei einem besseren Angebot würden mehr Leute zur Tagesstruktur wechseln. Das wäre sowohl für die Eltern als auch für den Staat günstiger», so Sutter. Das dies geht, zeigt die Gemeinde Riehen, die halbtageweise Betreuungsplätze anbietet.

Die von Sutter in Basel geforderten Ferien-Tagesstrukturen sind auch in Basel angedacht. Allerdings sollen wiederum nicht alle 14 Wochen abgedeckt werden, wie Baur sagt: «Ausser der Grossrat will es so. Dann brauchen wir aber auch die nötigen Mittel.»

Umfrage

Die Weihnachtsferien sind in Basel-Stadt auf zwei Wochen ausgedehnt worden. Es fehlen Betreuungsplätze. Muss der Kanton sein Betreuungsangebot den neuen Ferien anpassen?

Ja

 
42.9%

Nein

 
57.1%

1121 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 18.08.2017, 07:06 Uhr

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