Nach der Eschenwelke jetzt das Buchensterben

Der am weitesten verbreitete Baum in unserem Wald leidet derzeit enorm unter der Trockenheit.

Dürre Buchen. Der Wassermangel setzt dem häufigsten Waldbaum zurzeit ganz erheblich zu.

Dürre Buchen. Der Wassermangel setzt dem häufigsten Waldbaum zurzeit ganz erheblich zu. Bild: Amt für Wald beider Basel

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An die Eschenwelke haben sich viele Waldgänger mittlerweile gewöhnt. Doch was wir in diesen Tagen erleben, ist ein neues Phänomen. Obschon wir erst Ende Juli haben, machen sich schon dunkle Flecken im Wald bemerkbar. Es sind einzelne Bäume oder Baumgruppen, deren Laub bereits rot oder sogar schon braun ist. Diesmal betrifft es die Buche, denjenigen Waldbaum also, der in unserer Region der am weitesten verbreitete ist. Die Blätter werden dürr, Äste – teilweise auch noch grüne – und Kronenteile brechen ab. Neben den Buchen zeigen in vermindertem Masse auch der Bergahorn, die Eiche und die Weisstanne ähnliche Symptome.

Während die Eschenwelke durch einen Pilz, das Falsche Weisse Stängelbecherchen, verursacht wird, sind die Schäden an den Buchen gemäss der gestern veröffentlichten Medienmitteilung des Amts für Wald beider Basel «die Folge der Trockenheit dieses Sommers».

Anders als bisher

Zwar hat es auch in der Vergangenheit immer wieder trockene und sehr trockene Sommer geben. Doch damals haben die Bäume anders darauf reagiert. Normalerweise reduzieren sie nämlich dann ihren Wasserbedarf, indem sie vorzeitig das Laub abwerfen. Das war etwa im Jahr 2011 so, als die Blätter zahlreicher Buchen, Hagebuchen und Ahornbäume bereits im August ihr sattes Grün verloren hatten. Ohne nennenswerte Folgen allerdings, denn im Folgejahr haben diese Bäume wieder ganz normal ausgetrieben. Hinzu kam, dass 2011 ohnehin die ganze Vegetation etwas früh dran war.

Derzeit stossen die Bäume aber nicht nur zum Selbstschutz das Laub ab. Sehr viele sterben, was man vor allem an den dürren Ästen und abplatzenden Rindenteilen erkennen kann. Und das könnte auf ein strukturelles Problem hindeuten. Zwar sieht der Leiter des Amts für Wald beider Basel, Kantonsforstingenieur Ueli Meier, eine Kombination von Ursachen; so etwa eine Spätfolge des Sturms Burglind, bei dem viel Wurzelwerk zerstört wurde, oder das Problem der Stickstoffeinträge. An der Feststellung, dass die gegenwärtige Trockenheit aber auch ein Hinweis auf die Auswirkungen sein kann, die der Klimawandel für unsere Region mit sich bringt, kommt er aber gleichwohl nicht vorbei. «Mehr Sommerwärme und geringere Sommerniederschläge machen primär den Buchen und den Fichten zu schaffen», erklärt der Kantonsforstingenieur.

Anpassung des Baumbestands

Er wolle überhaupt nicht in Panik verfallen, sagt Ueli Meier, aber diese Baumarten seien auf genügend Wasserzufuhr angewiesen und würden daher wahrscheinlich längerfristig nur noch auf gut mit Wasser versorgten Standorten anzutreffen sein. Mit anderen Worten: Die Buche wird wahrscheinlich aus den stark beschienenen Südhängen verschwinden. Derzeit hält sie im Kanton Basel-Stadt einen Anteil von 37, in Baselland einen solchen von 47 Prozent – wobei es laut Ueli Meier in gewissen Gemeinden durchaus auch 70 Prozent sein können.

Der Baumbestand wird sich den neuen Umständen entsprechend anpassen. Als Alternativen zu Buche und Fichte kommen laut Meier trockenheitstolerantere Baumsorten infrage wie die verschiedenen Eichenarten, die Elsbeere, der Speierling, der Nussbaum oder der Schneeballblättrige Ahorn sowie als Ergänzung noch nicht heimische Pflanzen wie Baumhasel und Blumenesche. Wann immer möglich sollen diese Anpassungen oder Baumartenwechsel durch natürliche Verjüngung erfolgen. Angepflanzt werden sollen die neuen Baumarten vor allem dann, wenn durch die Zwangsnutzung kranker Bäume, die wegen der Gefährdung von Waldbesuchern allein schon aus Sicherheitsgründen notwendig wird, Lücken entstehen.

Zusätzliches Risiko

Das Amt für Wald mahnt schliesslich die Bevölkerung von Basel-Stadt und Baselland zu erhöhter Vorsicht bei Waldbesuchen. Für die kommenden Tage sei weiterhin mit trockenem und heissem Wetter zu rechnen. Dadurch würde die Zahl der absterbenden Bäume weiter zunehmen, dementsprechend auch die Gefahr, und dies gleich in zweifacher Hinsicht: Zum einen geht von den dürren und grünen abbrechenden Ästen «ein nicht zu unterschätzendes Risiko» aus. Zudem erhöhten die Bäume und das dürre Astmaterial die Waldbrandgefahr. Schliesslich bittet das Amt darum, «dass Sperrungen von Anlagen und Einrichtungen, wie sie zum Beispiel aktuell in Riehen aus Sicherheitsgründen bereits getätigt wurden, strikte befolgt werden».

Über weitere Massnahmen im Zusammenhang mit der Trockenheit und der Waldbrandgefahr – insbesondere wohl auch im Hinblick auf die Bundesfeiern vom Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche – entscheidet laut dem Amt für Wald der Krisenstab Mitte dieser Woche.

Umfrage

Nach der Eschenwelke das Buchensterben: Der wichtigste Laubbaum verschwinde, sagen Experten. Liegen sie richtig?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 24.07.2018, 07:11 Uhr

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