Schweizer Panzer rollen in die Region

Die Armee plant 2020 eine gross angelegte Truppenübung – diese stösst schon jetzt auf Kritik.

Einsatz «Pilum 2020»: In zwei Jahren wird die Armee zeigen, was sie zu bieten hat. Ob die Panzer auch in die Städte Liestal und Basel fahren, ist noch unklar.

Einsatz «Pilum 2020»: In zwei Jahren wird die Armee zeigen, was sie zu bieten hat. Ob die Panzer auch in die Städte Liestal und Basel fahren, ist noch unklar. Bild: Keystone

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Neu wird an der Oristalstrasse 100 im Stedtli ein ausrangierter Panzer 57 Centurion stehen. Die 52-Tonnen-Kampfmaschine kündigt den Einzug der Mechanisierten Brigade 4 der Armee in Liestal an. Der Kampfverband verlegt seinen Sitz von Aarau ins Baselland und wird offiziell im Juni dort einziehen. Die Brigade ist ein neuer Verband, der mit der momentanen Weiterentwicklung der Armee (WEA 18) entstanden ist. Sie umfasst 5 000 Soldatinnen und Soldaten. Der ausrangierte Centurion – der von seinem momentanen Sockelplatz auf dem Waffenplatz Moudon (VD) ins Stedtli gekarrt wird, ist jedoch nur ein Vorgeschmack für das, was auf die Region zukommen wird.

Nach «Conex 2015» wird die Region Basel in zwei Jahren wieder Schauplatz für eine gross angelegte Volltruppenübung. Über 2 500 Angehörige der Armee sollen an der Übung «Pilum 2020» teilnehmen. Im Gegensatz zu früheren Einsätzen wie die «Conex» oder «Protector» im Jahre 2009 geht es bei «Pilum 2020» weniger darum, den unterstützenden Einsatz mit zivilen Einsatzkräften zu erproben, sondern den Verteidigungseinsatz in einem Ernstfall zu üben. Geübt werden soll gemäss Chef Kommunikation der Brigade Georg Häsler der «hybride Krieg» gegen verschiede mögliche Gegner. Dazu zählen konventionelle Armeen, Terrororganisationen oder Paramilitärs, die die Schweiz bedrohen könnten.

Wo die Armee in den beiden Basel genau präsent sein wird und welche Folgen ihr Einsatz für den zivilen Verkehr haben könnte, ist noch unklar. «Unsere Vorgesetzten sind noch in der Konzeptionierungsphase. Deshalb können wir nicht sagen, welche Truppen wo genau eingesetzt werden», sagt Oberstleutnant Häsler. Klar ist: Sie zeigen, was die Armee zu bieten hat. «Es werden alle dabei sein. Panzer, Infanterie und Artillerie.» Zuerst gehe es darum, die zivilen Behörden zu unterstützen, der Fokus liege aber klar auf dem Operationstyp «Verteidigung», um am Ende der Übung den Angriff in einem Kriegsfall zu erproben. Diese Art der Kriegsführung ist die Ultima Ratio der Armee. Häsler ist sich bewusst, dass der Einsatz in einem sensiblen Umfeld stattfindet. Das haben die Ausschreitungen während der «Conex» gezeigt. «Wir demonstrieren mit dieser Übung den Wehrwillen der Schweiz in einer sehr vielfältigen Gesellschaft. Dieser Einsatz ist eine Stärkung der Milizarmee, die nahe an der zivilen Bevölkerung sein muss, und wir wollen zeigen, dass wir für alle in der Bevölkerung da sind», so Georg Häsler.

Vorfreude und Abneigung

Häsler konstatiert, dass «Pilum 2020» keine Waffenshow sein soll, sondern eine Übung, die zeigen soll, dass man im absoluten Notfall bereit ist, die Bevölkerung zu schützen. Dass die Übung «Pilum 2020» bei den einen oder anderen politischen Parteien anecken wird, weiss Häsler. «Robuste Mittel in diesem feinen Umfeld vertragen sich fast nicht und unsere Kunst wird sein, damit umzugehen und Sorge zur Gesellschaft zu tragen.»

Ob auch in Basel oder Liestal selbst die Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 oder die schwedischen Schützenpanzer 2000 aufrollen werden, ist noch ungewiss. Es werde jedoch Übungen geben, die «im städtischen Umfeld» stattfinden werden. «Während ‹Protector› standen auch schon Schützenpanzer in Muttenz. Dieses Mal gibt es aber mehr Heavy Metal also noch bei ‹Protector›», sagt Georg Häsler. Wann genau die Übung stattfinden wird, ist noch unklar. Fest steht bislang nur das Jahr 2020.

Doch bereits jetzt herrscht beim Stadtkommandanten Bruno Trost Vorfreude auf die grosse Volltruppenübung. «Ich freue mich auf diese Übung in unserer Region. Ich bin absolut der Meinung dass die Schweizer Armee einen substanziellen Beitrag für dieses Land leistet und sich nicht nur bei Überschwemmungen und beim WEF zeigen muss», sagt er. Bereits im Juli forderte Trost im Interview mit der BaZ, dass die Armee in der Region wieder mehr präsent sein solle. Es freue ihn deshalb umso mehr, dass die Mech Brigade 4 ihren Kommandoposten von Aarau ins Baselbiet verlegt hat.

BastA!-Co-Präsidentin Heidi Mück hält gar nichts von der bevorstehenden Übung: «Ich finde es unmöglich, dass die Armee mit absolut sinnlosen Truppenübungen hierher kommt und die Zivilbevölkerung belästigt.» Solche Einsätze würden nur unnötig Geld kosten. «Die Armee inszeniert solche Übungen nur, um sich dabei im eigenen Saft zu suhlen.» Ob sinnvoll oder nicht: Fest steht, dass der Einsatz in der Region noch zu reden geben wird. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.03.2018, 01:19 Uhr

Umfrage

Die Armee plant im Jahr 2020 eine gross angelegte Übung namens «Pilum 2020» mit 2500 Armeeangehörigen.Ist es sinnvoll, dass in der Region eine Truppenübung durchgeführt wird?

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