106 Jahre alt und damit der älteste Basler

Er war Finanzverwalter des Schahs. Während der Revolution flüchtete Djafar Behbahanian 1978 nach Basel. Er war damals 76 Jahre alt.

Bild: Henry Muchenberger

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Kein Gehstock, kein Hörgerät, keine Verwirrung. Djafar Behbahanian wird am Sonntag 106 Jahre alt. Kein Mann in Basel ist so alt. Er fühlt sich gut, ist gesund. Seine Frau Doris wundert das nicht. «Ich habe seinen Kindern immer gesagt: Euer Vater wird über hundert.» Und wenn er über Knieschmerzen klage, packe sie ihn und gehe mit ihm spazieren. Sie ist 36 Jahre jünger. «Ich habe mich in den Menschen verliebt, nicht in sein Alter», sagt sie. Das war vor fünfzig Jahren. Djafar Behbahanian lebte noch in seiner Heimat, in Iran. Er lebte gut, hatte einen guten Job. Schah Reza Pahlavi war sein Chef.

Djafar Behbahanian und seine Frau sind in keinem Telefonbuch aufgeführt, ihre Nummer ist unterdrückt. An der Klingel ihres Hauses im Bachlettenquartier steht kein Name. Damals, als Djafar Behbahanian flüchtete, reiste das Paar ständig herum. Aus Angst vor dem neuen Regime. Die Vorsichtsmassnahmen rühren noch von damals. Wie auch die Bilder mit persischen Schriften und die zahlreichen Fotos an den Wänden des Hauses. Die junge englische Königin ist zu sehen, die frühere Premierministerin Margaret Thatcher und Soraya, die zweite Ehefrau des Schahs von Persien.

Die Frauen sind nicht allein auf den Fotos: Djafar Behbahanian steht neben ihnen. Er war damals schon kein junger Mann mehr. Als Finanzverwalter des Schahs kam Djafar Behbahanian um die Welt. In Basel traf er Anfang der Sechzigerjahre die junge Dolmetscherin Doris Benecke. Erst Jahrzehnte später heirateten sie nach westlicher Tradition. Auf dem Hochzeitsfoto sieht Djafar Behbahanian wie ein Frührentner aus. Er war 93 Jahre alt.

«Ich habe nie geraucht und nie getrunken – und ich war sportlich», sagt Djafar Behbahanian. Über mögliche Gründe für sein hohes Alter hat er sonst nicht viel zu sagen. Vielmehr beschäftigt ihn die Finanzkrise: «Das Kapital des Staates ist nicht das Geld, sondern die Jugend.» An der jetzigen Krise sehe man, wie vergänglich Reichtum sei. Mithilfe einer Vergrösserungsmaschine liest er in der Zeitung täglich über die Krise. Seine Augen waren auch schon besser.

Nichts besessen

Als er nach Basel gekommen sei, habe er nichts besessen. Reich wurde er trotzdem. Er handelte mit Immobilien in den USA. «Ein befreundeter Banker gab mir einen ziemlich hohen Kredit – und ich liess mit dem Geld Häuser bauen. Mit den Einnahmen zahlte ich den Kredit zurück.» Wenn er solche Dinge, für ihn wichtige Dinge, von früher erzählt, sagt er am Ende einer Geschichte: «She knows», und zeigt auf seine Frau. Djafar Behbahanian spricht nur wenig Deutsch.

Er liebt Basel und die Menschen hier, es scheint aber, als würde er seine Heimat vermissen: Wenn er eine Kassette mit persischer Musik laufen lässt, wird sein Blick melancholisch. Seit der Revolution war er nicht mehr in Iran. Einige seiner Kinder leben dort. «Ich schreibe ihnen regelmässig Briefe und wir telefonieren oft.» Die anderen Kinder besucht er. Erst sind seine Frau und er aus den USA heimgekehrt.

Vor dem Haus steht ein älterer Mercedes. Djafar Behbahanian fährt nicht damit. «Aber nicht, weil ich alt bin, sondern weil ich keinen Führerschein habe.» Seine Frau sei die Fahrerin. Lieber reise er aber im Zug. Am liebsten nach Bad Ragaz. Das Walking in den Thermalbädern täte seinen Knien gut. Egal, wo er ist – er betet überall. Mehrmals täglich tut er es. Seine Frau ist keine Muslimin. «Ich bin eine alte Lutheranerin geblieben», sagt sie.

Ab Sonntag wird ein weiteres Foto das alte Haus des Ehepaars schmücken: Die Regierung wird dem Geburtstagskind persönlich gratulieren, wie sie es seit seinem 100. Geburtstag immer tut. Djafar Behbahanian wäre es lieber, er hätte seine Erinnerungsfotos und Bilder aus alten Zeiten in einem neuen Haus aufhängen können. Einem mit viel Glas und moderner Architektur. Doch seine Frau war vom Altbau überzeugt. Über ihren Mann sagt sie: «Er ist zwar äusserlich antik, aber innerlich sehr modern.» Und: «She knows». (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.12.2008, 18:19 Uhr

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