59 Promis aus der Sicht von 59 Fotografen

Der Basler Fotograf Lucian Hunziker präsentiert sein erstes grosses Buch. Für dieses hat sich der 32-Jährige ein einzigartiges Konzept einfallen lassen. Die Resultate sind faszinierend.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er mag die Welt der VIPs. Selber aber möchte er im Hintergrund bleiben. «Ich bin nicht der Typ, der sich im Scheinwerferlicht wohlfühlt. Mein Ziel aber ist es, dass sich die andern in meinem Scheinwerferlicht wohlfühlen.» Das hat hingehauen. Lucian Hunziker, im Juni 33 Jahre jung, hat während vier Jahren an einem Buch gearbeitet, das ein Renner wird: «Basel in Portraits» – prominente Basler, fotografiert in Stilen von berühmten Fotografen wie Nadar und Annie Leibovitz.

Er ist eben nicht nur Fotograf. Er ist auch Historiker. Hat in Basel ein Geschichtsstudium abgeschlossen. Und dann die Fotografie entdeckt: «Es war in Paris. Die Uni war wegen der Studenten­streiks meistens geschlossen. Also besuchte ich Modeschauen. Und war fasziniert von dieser schillernden Welt des Parfums, der schönen Menschen, des verrückten Glamours.»

Der rasche Kontakt mit Starfotografen

Er fotografierte. Hobbymässig. Aber er wollte – Forschertyp, der er nun mal ist – mehr von Fotografie wissen. Wollte lernen. Und fragte in einem Fotoatelier um einen Schnupper-Job. Sie nahmen den jungen, stillen Basler an. Und er hatte das Glück, «dass fast täglich ein neuer Fotograf im Studio auftauchte». Die meisten waren arrivierte Stars. «So wurde ich schon früh mit den verschiedensten Stilarten und Techniken des Fotografierens konfrontiert. Ich lernte viel. Da wuchs wohl erstmals in meinem Innersten das Projekt zum heutigen Fotobuch.»

Rückblende: Lucian Hunziker ist im Gellert-Quartier aufgewachsen. Guter Stall. Musische Familie. Die Grossmutter ist Pianistin, die Mutter spielt Flöte und Laute – die ganze Familie ein Orchester: Musik wird grossgeschrieben.

Kollegen rümpfen die Nase

«Es gab für uns gar nichts anderes als die Musik – wir sind einfach so aufgewachsen. Alle meine Brüder spielten ein Instrument, einer ist Dirigent geworden – ich erhielt bei meiner Grossmutter Klavierunterricht und nahm an der Musikakademie Oboenstunden. Daneben sang ich in der Knabenkantorei – nach der Matur dann das Geschichtsstudium. Und eben: die Fotografie!»

Er spezialisierte sich bald einmal auf Porträts von berühmten Leuten: «Sogenannte VIPs haben mich stets fasziniert. Um sie herum schwebt eine spezielle Aura. Das wollte ich zusammen mit der Person einfangen!» Sein Brot verdiente er mit Zeitungsaufträgen – an der Seite von Tamara Wernli knipst er die Promis für den Klatsch. «Natürlich rümpfen da einige Kollegen die Nase: Wie kannst du so etwas machen?»

Klatsch ist grossartige Schule

Er lächelt: «Klatsch zu fotografieren, ist eine grossartige Schule. Ich sehe da so viele Menschen, versuche sie in wenigen Sekunden zu spüren, auf einem Bild einzufangen, sie richtig wiederzugeben – das ist wie die täglichen Fingerübungen beim Klavier. Diese Praxis schafft eine gute Basis. Und diese Basis hat mir bei den Shootings mit den grossen VIPs sehr geholfen.»

Für sein Buch hat Hunziker die 59 Promis nicht einfach fotografiert. Er hat sich parallel dazu mit 59 weltberühmten Fotografinnen und Fotografen beschäftigt. Und jeden der VIPs im Stil einer dieser Legenden eingefangen: «Das war spannend. Ich habe über die Fotografen-Stars wie Newton oder Nadar monatelang Recherchen gemacht – da war ich dann eben wieder klar der Historiker. Ich habe mich ins Leben von Warhol und Annie Leibovitz vertieft. Ich versuchte, ihre Art Fotografie zu verstehen, einzusaugen, ihren Stil zu verinnerlichen – für einen kurzen Moment bin ich dann sie geworden. Und habe die Basler mit ihren Augen gesehen.»

Deshalb ist dieses Buch auch spannend geworden. Faszinierend. Denn Dany Levy erleben wir im Stil Guy Bourdins. Und Karin Schaub fast schon als Warhol-Projekt. Besteht da nicht die Gefahr der plumpen Kopie? «Ja klar. Aber das Ganze ist ein Projekt. Und als solches auch von A bis Z durchgeführt. Diese vierjährige Arbeit hat mich auch weitergebracht. Langsam finde ich meinen eigenen Weg, meine eigene Handschrift; das braucht Zeit. Und viel Erfahrung, viel Praxis.» Das Buch, in dem Roger Federer wie auch Daniel Vasella oder Marthe Keller («für sie bin ich eigens nach Paris gereist») porträtiert sind, hat am kommenden Dienstag Vernissage. Gleichzeitig werden Lucian Huzikers Porträts ausgestellt. Und dann – das nächste Projekt?

Er winkt ab: «Nein. Das Ganze war sehr arbeitsintensiv und hat enorm viele Kräfte gekostet – jetzt muss ich erst mal auftanken. Vielleicht irgendwo an der Sonne. Oder in Italien. Und natürlich mit der Kamera.»

Buchvernissage: 8. April, Querfeldhalle im Gundeldingerfeld, Dornacherstrasse 192, ab 17 Uhr. Ausstellung 9.–20. April, 10–17 Uhr. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.04.2014, 18:14 Uhr

Buchvernissage: Basel in Portraits: Dienstag 8. April, Querfeldhalle im Gundeldingerfeld, Dornacherstrasse 192, ab 17 Uhr. Ausstellung 9.–20. April, 10–17 Uhr.
www.lucianhunziker.com

Artikel zum Thema

«Da war ich wieder Bub»

Der Fotograf Georgios Kefalas hat in einem neuen Buch Basler Persönlichkeiten und deren Lieblingsorte abgelichtet. Mit uns hat er über seine Treffer und den Wandel der Fotografie geredet. Mehr...

Basler Kulturförderpreis geht an Gregor Brändli

Basel Der Fotograf und Filmer Gregor Brändli erhält den Basler Kulturförderpreis 2013. Mehr...

Rockstars vor der Basler Linse

Die Augenblicke direkt nach dem Auftritt sind für jeden Musiker etwas Besonderes. Der Basler Matthias Willi (34) lichtet die Rockstars in eben diesem Moment ab – das klappt aber nicht immer. Mehr...

Paid Post

Casualdating ist besser als Tinder

Noëlle war acht Monate auf Tinder. Hier verrät sie, weshalb sie die Suche nach Sex-Dates jetzt lieber über The Casual Lounge angeht.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Sie bringen Licht ins Dunkel: Die Angestellten einer Werkstatt in Tuntou, China, fertigen Laternen in Handarbeit. Diese werden als Dekoration für das chinesische Neujahrsfest dienen, das Anfang Februar stattfindet. (Januar 2019)
(Bild: Roman Pilipey/EPA) Mehr...