Als die «Corona» zum Stadtbild gehörte

Der Unfall der «Corona» blockierte die Mittlere Brücke im Herbst 1984 während fast drei Wochen. Die Havarie blieb einer ganzen Generation im Gedächtnis.

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Langsam setzte sich das Gespann am Mittwochmittag in Bewegung: In Fliessrichtung des Rheins auf der rechten Seite die havarierte «Roma» und nebenan der Schlepper «Vogel Gryff» (siehe Video). Der Schlepper geleitete das manövrierunfähige Tankschiff in Richtung Weil am Rhein, wo die «Roma» untersucht und repariert wird. Nötig wurde die Abschleppaktion, nachdem der Tanker nach einem Motorausfall nur noch mit grosser Mühe die Mittlere Brücke passieren konnte.

Was passieren kann, wenn ein manövrierunfähiges Schiff den Rhein hinunter treibt zeigte vor knapp 27 Jahren die Havarie der «Corona» eindrücklich. Der Schubleichter wurde am 28. September 1984, ebenfalls durch einen Schlepper namens «Vogel Gryff» rheinaufwärts geschoben, als der Schlepper unter der mittleren Brücke einen Pfeiler touchierte. Das mit Stahltrossen verbundene Gespann geriet darauf in Schräglage und innert Sekunden ausser Kontrolle.

17 Tage lang Stadtgespräch

Der Schubleichter, ein schwimmendes Gefährt ohne eigenen Antrieb, wurde von den Wassermassen der Länge nach an die Brücke gespült. Das Schiff blockierte danach 17 Tage lang die Schifffahrt auf dem Rhein. Der Schaden ging in die Millionenhöhe. Während der knapp drei Wochen, die es dauerte, um den gesunkenen Schubleichter zu bergen, war die Corona das Stadtgespräch. Von überall her reisten Neugierige an, um dem Schauspiel beizuwohnen. Teilweise zu Tausenden säumten die Menschen die Mittlere Brücke und wollten einen Blick auf den gesunkenen Schubleichter werfen. Einige von ihnen wurden Zeuge einer Bergungsaktion, die alles andere als nach Plan verlief.

«Kopfschüttelnd steigen die Männer in die Boote, die den Fährdienst versehen, und fahren zum Ufer. Sie lassen die Corona so zurück, wie sie nun seit bald zwei Wochen zum Basler Stadtbild gehört», schrieb die Basler Zeitung am 11. Oktober 1984. Der Versuch, die «Corona» mit einem 150-Tonnen-Hebekran zu bergen, war gescheitert. Zwei Wochen lang hatte man die Aktion vorbereitet und darauf gewartet, dass der Wasserstand weit genug sinkt, um den Kran überhaupt unter der mittleren Brücke durchziehen zu können. Nun musste man erkennen, dass die Corona in den Steinsetzungen der Brückenpfeiler zu sehr verkeilt hatte, um einfach gehoben zu werden.

Die «Roma» war leer

Drei Tage später gelange es dann doch, als man noch etwas schwereres Geschütz auffahren liess: Ein zusätzlicher Schubleichter mit viel Tiefgang dank schwerer Kiesladung wurde herangebracht und vor Ort entladen. Dank der zusätzlichen Hubkraft und viel Improvisieren, gelang es dem Bergungsteam am 14. Oktober, die Corona zu heben.

Die Corona hatte damals nur 971 Tonnen Tonerde geladen. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn der 1800 PS starke Antrieb der Roma einen Tag früher bei der Bergfahrt ausgefallen wäre, als das Tankschiff mit rund 2500 Tonnen flüssigem Gasöl beladen war und es dem Lotsen nicht gelungen wäre, das 105 Meter lange Schiff unter der Mittleren Brücke durchzuzirkeln. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2011, 16:48 Uhr

So wurde die «Roma» abgeschleppt.

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