Aquarien fressen viel Strom

Das Ozeaneum in Stralsund braucht die Energie einer Kleinstadt – in Basel soll das Projekt «nachhaltiger» ausfallen.

Im Sommer sollen die Wände des Basler Ozeaniums die Innenräume kühlen, im Winter umgekehrt erwärmen. Die meisten der dreissig Becken sollen 22 Grad warm sein, weil das wenig Heizleistung braucht.

Im Sommer sollen die Wände des Basler Ozeaniums die Innenräume kühlen, im Winter umgekehrt erwärmen. Die meisten der dreissig Becken sollen 22 Grad warm sein, weil das wenig Heizleistung braucht. Bild: Philipp Schaerer / nightnurse images, Zürich

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Das Ozeaneum in Stralsund nahe Rostock konsumiert gleich viel Strom wie die nahe Stadt Sassnitz mit 10'000 Einwohnern. Kaltwasserkorallen bewachsen Aquarien, Katzenhaie und Makrelenschwärme schwimmen im Wasser und auf der Dachterrasse tummeln sich bedrohte Humboldtpinguine.

Das Aquarium zeigt einen Querschnitt von der Nord- über die Ostsee bis zum Nordpolarmeer. Laut Jens Oulwiger, Mediensprecher des Ozeaneums, belaufen sich die Stromkosten pro Jahr auf rund 1,2 Million Franken – zertifizierter Ökostrom von der Strombörse versteht sich. «Die Beckentemperaturen reichen von 6 bis 23 Grad. Am meisten Strom brauchen die Kühler für die Kaltwasseraquarien», sagt Oulwiger.

Das Ozeaneum in Stralsund ist grösser als der durch den Zolli geplante Bau des Ozeaniums an der Heuwaage. Einem Fassungsvermögen von sechs Millionen Liter Wasser stehen vier Millionen gegenüber. Dennoch könnten die technischen Anlagen wie Filter oder Kühler auch in Basel stehen, sagt Oulwiger. Dies, obwohl Stralsund am Meer liegt und Basel im Binnenland ist.

«Es ist unbestritten, dass ein Ozeanium viel Energie braucht», sagt der Basler Projektleiter Thomas Jermann. Die werde es natürlich auch nicht zum Nulltarif geben. Es sei aber das erklärte Ziel des Zolli, 50 Prozent weniger Energie als vergleichbare Anlagen zu verbrauchen, und auch beim Basler Projekt soll Ökostrom zum Einsatz kommen.

Vor Kurzem fiel an einer Medienkonferenz zum geplanten Basler Ozeanium mit rund 30 Aquarien und verschiedenen Themenwelten dann auch immer wieder das Wort «nachhaltig». Nachhaltigkeit sei wichtig im Umgang mit den Ozeanen. Oder: Der Bau des Basler Ozeaniums soll ein nachhaltiges Zeichen für den Naturschutz und die Umweltbildung setzen.

Rund 400 Vierpersonenhaushalte

Jermann beziffert den voraussichtlichen Stromverbrauch des Ozeaniums auf 1750 Megawattstunden pro Jahr. Diese Zahl entspricht etwa dem Verbrauch von knapp 400 Vierpersonenhaushalten. Stimmt diese Vorhersage, dann wird die Anlage viel weniger Strom verbrauchen als das grössere Ozeaneum in Stralsund. «Wir planen, die Energie optimal auszunutzen», sagt Jermann. Auch in Basel werde am meisten Energie für die Kühlung der Kaltwasseraquarien benötigt. Die Abwärme, die beim Kühlprozess physikalisch immer entsteht, werde aber gleichzeitig die Besucherräume heizen.

Auch Pumpen, die das Wasser in den Aquarien durch reinigende Filteranlagen schwemmen, sind stromintensiv. Um hier den Verbrauch so gering wie möglich zu halten, sei der Bau so geplant, dass sich sämtliche Pumpen im ersten Untergeschoss befänden. Lägen sie weiter unten, bräuchte es eine höhere Pumpleistung.

Laut Jermann werde auch die Häuserhülle zur Energieproduktion beitragen. Ein Viertel der Wärmeenergie soll diese sogenannte Free-Cooling-Fassade liefern. «Wärmetauscher und eine Art Zuckerwasser in der Hülle sorgen dafür, dass die Fassade im Winter Wärme und im Sommer Kühlung in den Innenräumen bringt.»

Auch Solarzellen auf dem Dach des Gebäudes sollen Strom produzieren und positiv zur Energiebilanz beitragen – ob die Stadtbildkommission das aus visuellen Gründen erlaubt, ist allerdings noch offen. Angedacht sei auf jeden Fall eine Fläche von rund 500 Quadratmetern.

Wassertemperatur spart Energie

Am meisten Energie möchte man bei der Wassertemperatur sparen. «Wir wollen die Aquarien so auslegen, dass die Temperaturen der meisten Becken um die 22 Grad herum liegen, weil das wenig Heizleistung braucht», sagt Jermann. Eine Ausnahme bilden die Pinguine, wo zwölf bis 14 Grad notwendig seien. Auch der Wasserverbrauch soll sich in Grenzen halten. Jermann rechnet vor, dass etwa gleich viel Wasser ausgetauscht werden müsste, wie zehn Personen pro Jahr verbrauchen. Also rund 600'000 Liter. «Je grösser die Aquarien sind, desto weniger Wasseraustausch ist nötig, weil die Fischdichte geringer ist», sagt Jermann. Die Ausscheidungen der Fische und tote Pflanzenteile würden durch die Filteranlagen gesäubert und das Wasser damit rezykliert.

Apropos Wasser: In den meisten Aquarien des geplanten Ozeaniums in Basel soll Salzwasser zum Einsatz kommen. Süsswasser wird dazu mit pharmazeutischen Salzmischungen vermengt. Es würden keine Zisternen Meerwasser von der Ostsee nach Basel fahren.

Im Ozeanium von Basel dürften dereinst rund 2000 bis 3000 Fische schwimmen, darunter auch Rochen oder Haie. Es besteht die Idee verschiedener Themenwelten. Unter anderem denkt man auch an ein Becken, das die Gezeiten simulieren soll. Ein solches kennt auch Stralsund. Mediensprecher Oulwiger: «Es gehört aber nicht zu den Attraktionen. Für die Besucher ist das zu kompliziert.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.06.2014, 06:51 Uhr

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