Auf dem Dreispitz-Areal sollen Wohn-Hochhäuser entstehen

Auf dem Basler Dreispitz-Areal entsteht ein neues Stadtquartier. Angedacht sind unter anderem drei mächtige Hochhäuser.

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Bis zu 160 Meter hohe Wohntürme sollen künftig die Nordspitze des Basler Dreispitz-Areals prägen. Herzog & de Meuron (HdM) sehen in ihrem am Dienstag präsentierten Studienauftrags-Siegerprojekt zudem 800 Wohnungen und einen grossflächigen Dachgarten auf dem MParc vor.

Für den Studienauftrag hatten im Juni die Christoph Merian Stiftung (CMS) als Eigentümerin, Migros als Hauptnutzerin sowie der Kanton Basel-Stadt eine Entwicklungsvereinbarung unterzeichnet. Sechs Schweizer Büros waren eingeladen; einstimmige Sieger sind HdM, wie Verantwortliche von CMS, Migros und Kanton vor den Medien ausführten.

Vorgabe ist, das heutige Gewerbe- und Ladenareal in ein neues Stadtquartier zu transformieren, das künftig auch Wohn-, Bildungs- und Freizeitnutzungen enthält. Herzog & de Meuron hätten dies «mit unerwarteter Leichtigkeit» erreicht, zitierte CMS-Direktor Beat von Wartburg den Bericht der Jury - auch das Gundeldingerquartier war da vertreten. Dank Bauen in die Höhe habe es viel Grünfläche am Boden.

Wohnungen für 1400 Personen

Der HdM-Entwurf platziert drei schlanke runde Wohntürme mit 160 und 135 Metern Höhe entlang der Münchensteinerstrasse, stadtwärts gefolgt von etwa siebenstöckigen Würfel-Wohnbauten. Der Obi-Baumarkt wird ins MParc-Gebäude eingebaut, das dazu vergrössert wird. Dessen Dach wird zur Hälfte begrünt, samt grüner Rampe zum Dreispitz hin.

Die Rede ist von unterschiedlichen Wohnformen, darunter Edellogis mit Vogesenblick in den Türmen, aber auch genossenschaftlicher Wohnungsbau - dank optimaler ÖV-Erschliessung und Zentrumsnähe mit weniger Autoparkplätzen als üblich. Die Parkplätze des MParc sollen in ein - allenfalls später umnutzbares - Gebäude verlegt werden.

Insgesamt sollen gemäss von Wartburg rund 800 Wohnungen Platz finden. Laut Kantonsbaumeister Beat Aeberhard ergibt dies Wohnfläche für 1400 Personen. Migros-Basel-Geschäftsleiter Stefano Patrignani schätzte die gesamten Investitionskosten auf der Nordspitze grob auf 600 bis 800 Millionen Franken.

Bebauungsplan 2020 im Parlament

Die Verbindlichkeit dieser Studie ist indes relativ; auf deren Basis muss der Kanton nun einen Bebauungsplan erarbeiten. Erst mit dem grünen Licht des Grossen Rates, der idealerweise 2020 darüber befindet, sowie allenfalls der Stimmberechtigten kann man bauen. Laut von Wartburg ist für manches ein Architekturwettbewerb denkbar.

Die angestrebte bauliche Verdichtung muss unter laufendem Betrieb geschehen: Für die Migros sei der Flagship-Standort MParc/Nordspitze mit insgesamt über 400 Arbeitsplätzen und über 2,5 Millionen Kunden im Jahr punkto Umsatz und Rendite sehr wichtig, betonte Patrignani - zumal er sich trotz Einkaufstourismus weiter erfreulich entwickle.

Viele Fragen sind indes noch offen, vor allem wer die neuen Bauten erstellen soll. Migros hält heute über 80 Prozent der Nordspitze im Baurecht bis 2053, muss laut Patrignani aber nicht alles selber hochziehen. Einen zugänglichen Dachgarten zu konstruieren und unterhalten ist bekanntlich teuer, ebenso Flächen in schlanken Hochhäusern.

Perspektiven

Nicht einbezogen sind übrigens die Baurechtnehmer der restlichen gegen 20 Prozent der Nordspitze, darunter die Beleuchtungsfirma Regent. Laut von Wartburg hatten diese auf Anfrage kein Veränderungsinteresse. Gemäss Aeberhard wäre die Planung im Falle eines Gesinnungswandels später «aufwärtskompatibel».

Sind derzeit in Basel die höchsten Bauten gewerbliche, beispielsweise der Roche-Turm, so rücken mit dem städtebaulichen HdM-Entwurf Wohnungen in neue Höhen vor. Im Hinblick auf weitere Arealentwicklungen im aus den Nähten platzenden Stadtkanton nannte Aeberhard die Wohntürme «nicht singulär für die Nordspitze».

Hintergrund der Transformationsbemühungen ist auch die Situation der CMS. Im aktuellen Tiefzinsumfeld muss sie darum kämpfen, aus den Erträgen des Stiftungsvermögens ihre diversen Aktivitäten zum Wohle der Stadt aufrechtzuerhalten. Entsprechend strebt sie eine marktnähere Bewirtschaftung ihrer kommerziellen Standbeine an. (amu/sda)

Erstellt: 12.12.2017, 09:35 Uhr

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