Auf zum ersten Schweizer Indoor-Park

Sie sind die besten der Welt und kommen aus Basel: «World’s Parkour Family» will bis Ende Jahr auf dem Haefeli-Areal eine Halle umbauen, um ihren Sport auch Indoor auszuüben.

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Wie eine Katze landet Maurice Ndotoni (24) auf den Beinen, nimmt den Speed in einen Überschlag mit, schnellt auf die Füsse und rennt weiter. Auf dem Theaterplatz in Basel bleiben die Leute stehen. «Das ist die tollste Sportart überhaupt», sagt eine ältere Dame. Jérôme Depierre (21)und Chris Harmart (22) hangeln derweil von Mauer zu Mauer, überspringen Bänke, Treppen, Geländer, machen in der Luft Schrauben, Salti. Die Parkour-Leute, Traceurs im Fachfargon, trainieren regelmässig mitten in der Stadt, doch an diesem Samstagvormittag zeigen sie ihre Sprünge exklusiv für die BaZ.

«David Belle hat diese Sportart gegründet», erzählt Maurice. «Sein Vater war Soldat im Vietnamkrieg und lehrte seinem Sohn, wie man sich von Baum zu Baum hangelt.» Der adaptierte diese Kunst der Bewegung auf das städtische Gebiet: Spiel statt Krieg, Spass statt tödlicher Ernst, Schönheit der Bewegung, Kraft, Power. Seit drei Jahrzehnten wird die Sportart ständig weiterentwickelt und verfeinert.

Leidenschaftlich und erfolgreich

Doch was so federleicht und schön aussieht, ist das Ergebnis täglicher, stundenlanger Arbeit. Wobei das relativ zu sehen ist, denn für die Traceurs ist die Sportart Leidenschaft, Spiel, das Leben. «Es macht mich frei», sagt Maurice. Und neben dem Spass an der Bewegung hat sich auch der Erfolg eingestellt. Das Basler Parkour Team, World’s Parkour Family (WPF) genannt, ist mittlerweile das beste weit und breit. Im Jahr 2009 hat es sich in Berlin an die Welt­spitze gesprungen. Die Basler konnten als Mannschaft den Speed Contest für sich entscheiden, Christian Harmat siegte im Einzelwettkampf derselben Kategorie. Kevin Fluri gewann in Kuwait mit selbst gefilmten Sprüngen den «Art of Motion»-Contest. Ausserdem durften sie mit 20 der weltbesten Traceurs die Kriegsruinen von Failaka für die akrobatischen Hindernisläufe des «Red Bull Art of Motion»-Contests nutzen. Und kürzlich haben Fluri und Harmat in der Sommer Challenge von SRF den Award in der Sparte Kurzfilm gewonnen.

Jérôme trägt einen Verband um den Arm. «Die Verletzung habe ich mir beim Bügeln geholt», sagt er. Bei den Sprüngen über Mauern, Zäune, Baugerüste oder an Gebäudefassaden hoch ge­schehe kaum etwas. «Da bist du hoch konzentriert und spürst, wenn etwas nicht stimmt», sagt Chris.

Mit Steinen beworfen

Ein gutes Bauchgefühl und Geduld brauchen die jungen Leute auch, wenn sie mit den Kids trainieren. In drei Niveaugruppen können interessierte Jungendliche Kurse besuchen. Auch dort sagen die erfahrenen Traceurs ihren Schülern stets, dass sie auf ihr Gefühl hören sollen. Denn diese würden sich häufig über- oder unterschätzen. «Für uns ist es eine Gratwanderung zwischen Ermutigung und vorsichtigem Bremsen», sagt Maurice.

Noch immer steht die ältere Dame bei der Theaterpassage und staunt: «Es ist so dynamisch. Da sieht man, zu was der menschliche Körper imstande ist», sagt sie. Mittlerweile haben sich andere Zuschauer eingestellt, um zu fotografieren. Ein kleiner Junge klatscht begeistert in seine Hände. Doch so wohlwollend empfangen wie auf dem Theaterplatz werden die jungen Leute nicht immer. «Man hat schon mit Steinschleudern auf uns geschossen und ist mit Stöcken auf uns losgegangen», sagt Chris. Doch das war in Siedlungsgebieten.

Doch weshalb tut man sich diese Anstrengung und Gefahr an? «Kreativität, die Lust, an Grenzen zu gehen, Freude», sagt Maurice, der an der Pädagogischen Fachhochschule Sport, Mathematik und Französisch studiert. Für Jérôme und Chris ist klar, dass sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen wollen. «Mein Ziel ist, dass es eine professionelle und anerkannte Sportart wird», sagt Chris, der hundert verschiedene Salti beherrscht. Übrigens: Auch wenn Parkour im Moment noch männerdominiert ist, es gibt auch einige durchaus talentierte Frauen.

Crowdfunding für das Projekt

Nun haben die Traceurs von Basel gemeinsam mit der Vertical Technik AG aus Frenkendorf Grosses vor. Sie werden auf dem Haefeli-Areal an der Lehenmattstrasse 353 eine grosse Halle mieten und sie mit einem Budget von 350'000 Franken umbauen. Seit einem Jahr sind sie am Planen. Heute beginnt das Crowdfunding. «In dieser Halle wird eine Mischung zwischen Parkour und Kunstturnen stattfinden», sagt Chris. Bestückt sein wird die Fläche von 18 auf 42 Meter mit einem Sprungboden, einer Schnitzelgrube, zwei grossen Trampolins, Parkour-Elementen und einem Stangenpark. «Damit wird in Basel der erste Parkour-Indoor-Park der Schweiz und des umliegenden Auslands entstehen. Solche gebe es erst in Schweden, Dänemark, Russland, England und in Amerika. «Den Salto kann man halt am besten in der Halle lernen», sagt Chris. «Da nimmt man etwas Risiko raus.» Besonders für die Kurse, die rund 60 Jugendliche besuchen, wird die Indoor-Halle von unschätzbarem Wert sein.

Ab Dienstagabend (18 Uhr) läuft das Crowdfunding auf wemakeit.ch. Die Idee ist, dass dadurch 50'000 Franken zusammenkommen. Ein weiterer Teil wird durch Stiftungen getragen und der Rest durch Sponsoren. Die Traceurs zweifeln keinen Moment daran, dass das Geld zusammenkommen wird: «Ende Jahr werden wir eröffnen können.»

Zahlreiche Videos gibts auf dem Youtube-Kanal von World’s Parkour Family. Bilder gibt es zudem auf ihrer Facebook-Seite oder auf der Webseite. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.06.2014, 13:59 Uhr

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