Ausstellung zeigt Geschichte aus Geschichten

Spannend wird es, wenn sich in einer Gesellschaft Konflikte und Widersprüche ergeben. Die Ausstellung «Hier & dort» erzählt die Geschichte Basels im vergangenen Jahrhundert vor allem entlang solcher Reibungen.

Auch kleine Ereignisse prägen die Geschichte der Stadt Basel.

Auch kleine Ereignisse prägen die Geschichte der Stadt Basel. Bild: Elena Monti

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Die alte Güterhalle beim Bahnhof St. Johann könnte so manche Geschichte erzählen. Sie könnte davon berichten, dass im Jahr 1859, als sie beim Bahnhof SBB gebaut wurde, in Basel die alten Stadtmauern zur Zerstörung freigegeben wurden. Sie könnte berichten, dass die Stadt im Jahr 1899, als sie selbst ins St. Johann gezügelt wurde, inzwischen auf mehr als die doppelte Einwohnerzahl angewachsen war und aus allen Nähten platzte.

Heute steht die Halle inmitten des neuen Volta-Quartiers als Reminiszenz an vergangene Tage. In ihrem Inneren erzählt das Team Stratenwerth ab heute in der Ausstellung «Hier & dort» Geschichten aus Basel im 20. Jahrhundert. In sieben Themenfeldern werden verschiedene Ereignisse anhand von Dokumenten, Fotografien, Ton- und Filmbeispielen oder auch Plakaten nacherzählt. Im Themenfeld «Vertraut & fremd» geht es unter anderem um Emilie Frey, die erste Studentin an der Universität, oder um die erste, höchst umstrittene katholische Prozession nach der Reformation anno 1917. Zu sehen ist die Amaretti-Maschine der heutigen Caffetteria Da Graziella an der Feldbergstrasse. Was heute selbstverständlich ist, so die Erkenntnis aus alledem, war einmal fremd und ungewohnt, stiess auf Skepsis oder Ablehnung.

Bewahrer

Die Macher von «Hier & dort» zeigen in den Themenfeldern solche gesellschaftlichen Prozesse. Unter dem Titel «Körper & Staat» wird ebenso das damalige Spuck- wie das heutige Rauchverbot thematisiert und so die Frage aufgeworfen, wie weit der Staat in das Leben seiner Bürger eingreifen soll oder darf.

Besonders manifest werden die Konflikte zwischen Alt und Neu im Bereich «Planen & Bauen». Was wurde in dieser Stadt nicht gekämpft für den Erhalt von alten Gebäuden wie dem Rosshof, dem alten Zeughaus auf dem Petersplatz, der Aeschenvorstadt oder der alten Stadtgärtnerei – manchmal mit Erfolg, manchmal ohne. Manchmal wurden Kämpfe für «Ordnung & Moral» ausgetragen. So verboten die Basler Behörden 1956 den Film «Et dieu créa la femme» mit Brigitte Bardot – und die Basler stürmten nach Allschwil, wo es ihn zu sehen gab. Oder es wehrten sich, vor zwei Jahrzehnten erst, Anwohner der Schlettstadterstrasse gegen ein Bordell.

Überblick

Diese und andere Beispiele gibt es in der alten Güterhalle zu sehen. Die Mischung zwischen grösseren Ereignissen wie Volksabstimmungen oder den Konflikten um neue Grossbauten und kleineren, eher anekdotischen Begebenheiten stimmt. So werden auch Kenner der Basler Geschichte Erkenntnisse gewinnen können. Die Einführungen zu den Geschichten in den Themenfeldern sind kurz und knapp gehalten, manchmal zu kurz. So hätte beispielsweise im Themenfeld «Stadt & Grenze» beim Schaukasten zu den grenzüberschreitenden Tramlinien bis 1967 doch der Hinweis hingehört, dass es bald wieder solche Linien geben wird.

In «Hier & dort» kommt aber insgesamt die reiche Ausstellungs-erfahrung des Teams Stratenwerth zum Tragen. Die kleinen Geschichten allein, so beispielhaft sie für grössere Entwicklungen sein mögen, hätten noch keinen Überblick über die Basler Geschichte im 20. Jahrhundert geliefert. Genüge getan wird lexikalischen Ansprüchen auf langen, in der Mitte der Halle platzierten Tafeln. Hier finden die Besucher auf der einen Seite Hunderte von Ereignissen, chronologisch geordnet von 1900 bis 2000, garniert mit historischen Fotografien – eine Art Newsticker der Basler Geschichte. Auf der anderen Seite werden Epochen, Themen oder Zeitabschnitte dargestellt, so zum Beispiel das «rote Basel», der Wirtschaftsboom, die Einwanderung oder die Hafen- und Messe-Entwicklung. Wer die sieben grossen Themenfelder also in einen zeitlichen und inhaltlichen Rahmen setzen will, kann sich dort – wiederum kurz und knapp und wertungsfrei – orientieren.

«Hier & dort» ist eine gelungene, reich befrachtete und unterhaltsame Ausstellung. Sie befriedigt die Suche nach Überblick wie die Suche nach jenen kleinen Geschichten, die die grosse Geschichte erst (aus-)machen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.05.2011, 14:50 Uhr

Hier & dort

«Hier & dort. Eine Ausstellung über Basel im 20. Jahrhundert». Bis 2. Oktober. Güterbahnhof St. Johann. Täglich 10–20 Uhr.
www.hier-und-dort.ch

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