BVB-Verwaltungsratspräsident tritt zurück

Die Ära von Martin Gudenrath an der Spitze der krisengeschüttelten BVB ist zu Ende. Der Bericht der Finanzkontrolle bestätigte die Vorwürfe der Vetternwirtschaft.

Entgleist: Unter Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath fanden die BVB nicht mehr in die Spur.

Entgleist: Unter Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath fanden die BVB nicht mehr in die Spur.

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Martin Gudenrath, Verwaltungsratspräsident der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), tritt zurück. Er reagiert damit auf einen Bericht der Finanzkontrolle des Kantons Basel-Stadt, die vereinzelt Regelverletzungen und Kompetenzüberschreitungen festgestellt hat, wie die BVB am Montag mitteilten.

Gudenrath stellte sein Amt an der Verwaltungsratssitzung vom Montag zur Verfügung, wie es in der Mitteilung hiess. Er wolle damit die BVB vom Vertrauensverlust entlasten, dem sie in der Öffentlichkeit in den letzten Monaten ausgesetzt gewesen seien, und einen Neuanfang ermöglichen. Mit Gudenrath tritt auch Dominik Egli zurück, der Präsident des Verwaltungsratsausschusses Finance & Compliance.

Die Finanzkontrolle Basel-Stadt war im vergangenen August auf Vorschlag des Basler Bau- und Verkehrsdirektors Hans-Peter Wessels mit der Untersuchung beauftragt worden. Anlass waren laut dem BVB-Verwaltungsrat «Vermutungen und Fragen», die ihm zugespielt worden seien.

Fiko-Bericht vorgelegt

In damaligen Medienberichten war von Verdächtigungen betreffend die Vergabe überzahlter Praktikum-Jobs an die Söhne von BVB-Chefs, die Dienstwagenvergabe oder die Mitfinanzierung einer Unterkunft die Rede gewesen. Gudenrath, BVB-Verwaltungsratspräsident seit 2010, und andere Beschuldigte hatten Mutmassungen aber in Abrede gestellt.

In ihrem Bericht sei die Finanzkontrolle nun zum Schluss gekommen, dass «die geltenden kantonalen Gesetze und Verordnungen vereinzelt nicht eingehalten und die Kompetenzen überschritten worden seien», hält der BVB-Verwaltungsrat fest. Einzelne rechtliche Grundlagen seien ohne die gesetzlich vorgesehene Zustimmung der Personalkommission erlassen worden.

«Mangelnde Sensibilität» habe die Finanzkontrolle bei «Fragen wie der Anstellung von verwandten Personen und Ausgaben von öffentlichen Geldern für persönliche Angelegenheiten» moniert. Genannt werden dabei unter anderem Geschäftswagen, Wohnung und Spesen.

BVB-Direktor bleibt

Festhalten will der Verwaltungsrat an BVB-Direktor Jürg Baumgartner, wie der Vizepräsident des Verwaltungsrats am Montag gegenüber dem Regionaljournal Basel von Radio SRF sagte. Die Verdächtigungen hatten sich teilweise auch gegen Baumgartner gerichtet.

In der Mitteilung hält der Verwaltungsrat zudem fest, dass die Rücktritte von Gudenrath und Egli keinen Zusammenhang hätten mit der strategischen Ausrichtung und dem derzeitigen Modernisierungsprozess der BVB. Beide hätten daran wesentlich mitgewirkt. Der Verwaltungsrat danke ihnen dafür und werde diesen Kurs fortsetzen.

Der Verwaltungsrat will nach eigenen Angaben nun sicherstellen, dass gesetzliche Vorgaben bei den BVB künftig strikt eingehalten werden. Er habe beschlossen, Empfehlungen der Finanzkontrolle rasch umzusetzen. Zur Überwachung der Umsetzung habe er einen Ad-hoc-Ausschuss eingesetzt. (amu/sda)

Erstellt: 09.12.2013, 12:39 Uhr

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