Basel bläst zum Angriff gegen Sprayer

Eine härtere Gangart gegenüber illegalem Sprayen soll den Ersteindruck von Basel bei Neuzuzügern und Gästen verbessern. Zudem erhofft sich die Stadt eine Senkung der Reinigungskosten.

Verschmiert: Sprayereien wie hier am Schlüsselberg in der Altstadt sind für Hauseigentümer ein grosses Ärgernis.

Verschmiert: Sprayereien wie hier am Schlüsselberg in der Altstadt sind für Hauseigentümer ein grosses Ärgernis. Bild: Mischa Christen

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Seit Jahren kämpft der Kanton gegen illegales Sprayen und Verschmieren von Hausfassaden. In die nächste Runde geht dieser Kampf nun mit einem Pilotprojekt, das eine schnellere Erfassung und Beseitigung neuer Verschmutzungen zum Ziel hat. Über eine Ende Juli in Betrieb genommene Hotline können Private Schäden an Liegenschaften direkt der Stadtreinigung melden.

«Die Hotline steht allen offen, die an einem Gebäude in der Stadt eine Verschmutzung festgestellt haben», sagt Andreas Pecnik, Leiter Stabsprojekte bei der Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung. Die Stadtreinigung informiert nach einer Meldung den Eigentümer der Liegenschaft und organisiert mit diesem die Schadensbehebung. Handelt es sich um eine Liegenschaft, die im Besitz der Stadt ist, kommt das neu gegründete Spezialistenteam «Entsprayung» zum Einsatz. «Ziel ist es, eine Verschmutzung spätestens 48 Stunden nach Eingehen der Schadensmeldung zu entfernen», sagt Pecnik.

Unter Verschmutzung versteht er Graffiti, Tags (Schriftzüge, Slogans) und illegal angebrachte Plakate. Vorerst stehen Staatsliegenschaften und Bauwerke auf öffentlichem Grund im Fokus, doch auch Privathäuser sollen mittelfristig in das Projekt miteinbezogen werden.

Eine Million Franken

Die härtere Gangart gegen Sprayer wurde im Rahmen des Projekts Welcome der Legislaturplanung 2009 bis 2013 beschlossen. Welcome sieht Massnahmen vor, die Basel als Standort attraktiver machen sollen. Darin eingeschlossen ist die Verschönerung des Stadtbildes. «Ein gepflegtes Basel wird den Ersteindruck bei Neuzuzügern und Gästen verbessern», schreibt die Kantons- und Stadtentwicklung auf ihrer Webseite. Laut Pecnik könne zudem mit dem gezielten Vorgehen gegen Fassadenverschmutzung viel Geld gespart werden. «Gemäss Schätzungen belaufen sich die Kosten für die Reinigung von Versprayungen und Verklebungen jährlich auf eine Million Franken», sagt er. Durch eine schnelle Entfernung könnten Folgeschäden vermindert werden, die besonders an historischen Gebäuden verheerend seien.

Die Sprayerszene in Basel entwickelte sich Mitte der 1980er-Jahre. Von Beginn an versuchte die Stadt, den illegalen Spayereien und Tags mit verschiedenen Massnahmen Herr zu werden. So wurde beispielsweise in den 1990er- Jahren mit dem Malermeisterverband die Aktion Spray-out gestartet. Entdeckt ein Eigentümer einen Schaden an seiner Liegenschaft, so kann er diesen für einen symbolischen Betrag von 100 Franken von einem professionellen Malerbetrieb entfernen lassen. Kosten, die über diesen Betrag hinausgehen, übernimmt der Kanton. Bis heute wird diese Möglichkeit von privaten Eigentümern rege genutzt. Allein im Jahr 2009 seien die Maler über 500-mal im Einsatz gewesen, sagt Urs Hasler, Koordinator der Spray-out-Aktion.

«An manchen Orten ist es ein täglicher Kampf zwischen den Sprayern und uns», beschreibt er die Situation. Als Beispiel nennt er die Elsässerstrasse. Ihm sei bewusst, dass das Engagement der Stadt und des Malermeisterverbands bloss «Pflästerlipolitik» sei, doch sehe er keine Alternative. «Stellt man die Aktion ein, so gibt es in Basel in zwei Jahren keine Fläche mehr, die nicht versprayt ist», meint Hasler.

Vorstoss abgelehnt

Seit Jahren liefern sich Stadtreinigung und Sprayerszene ein Katz-und-Maus-Spiel. Während die einen Graffiti von einer Wand entfernen, bringen die anderen ihre Signatur schon wieder an der nächsten Fassade an. Auf Eigeninitiative setzen wollte SVP-Grossrat Roland Lindner. Im Herbst 2009 lancierte er die Idee einer Milizgruppe, die in der Stadt patrouillieren und Sprayer in flagranti erwischen soll. Bis heute stand die «Schmier-Miliz» jedoch noch nie im Einsatz.

Nach der Bekanntmachung der Milizidee ist Tarek Abu Hageb, ein Basler Künstler, der selbst jahrelang illegal in der Stadt gesprayt hat, an Lindner herangetreten. «Tarek hat eine Zusammenarbeit mit der SVP vorgeschlagen», sagt er. Abu Hageb schwebte eine temporäre Installation von Holzplatten am Kleinbasler Rheinufer vor. Auf diesen sollen anerkannte Sprayer ihr Können unter Beweis stellen und zeigen, was künstlerische Sprays und Tags sind. Im Dezember 2009 stellte Lindner das Konzept dem Grossen Rat in einem Anzug vor. Er habe sich damals bereit erklärt, von der Miliz abzusehen, wenn der Anzug zur Prüfung an die Regierung weitergeleitet wird. Die Idee vermochte den Grossen Rat jedoch nicht zu überzeugen. Der Anzug wurde mit 23 zu 37 Stimmen abgelehnt.

Die Hotline, auf der Sprayereien gemeldet werden können, ist erreichbar unter der Nummer 061 385 15 15. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.08.2010, 07:36 Uhr

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