«Basel ist mir ans Herz gewachsen»

Er ist der berühmteste deutsche TV-Detektiv. Nach einer kurzen Auszeit schmiedet Claus Theo Gärtner alias Matula in seiner Wahlheimat neue Pläne: Einen Auftritt am nächsten Pfyfferli.

«Ich habe kein Problem damit, rauszugehen, wenn ich unbedingt eine rauchen will»: Claus Theo Gärtner, hier bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2006.

«Ich habe kein Problem damit, rauszugehen, wenn ich unbedingt eine rauchen will»: Claus Theo Gärtner, hier bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2006. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Gärtner, wir sitzen hier im St.-Johanns-Park. Sie wohnen gleich um die Ecke. Hier sind Sie häufig anzutreffen.
Ich finde diese Gegend einfach toll. Für mich ist das St.-Johann-Quartier mit seinem Park die schönste Ecke der Stadt. Hier ist immer was los, und es ist multikulturell, genau so, wie ich es gerne mag. Ich habe zwar noch eine Wohnung in Berlin, und wir pendeln regelmässig. Doch Basel ist mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen.

Bald werden Sie nur noch wenig Zeit haben, um nach Berlin zu pendeln. Ein neues Theaterstück steht an.
Das ist richtig. Ich werde – Proben eingeschlossen – von November bis März hier in Basel auf der Bühne stehen und im nächsten Pfyfferli spielen. Die Geschichte handelt davon, wie viel Deutsch die Schweiz verträgt, und ich übernehme den Part des Deutschen. Mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen.

32 Jahre lang haben Sie den Detektiv Matula in der Serie «Ein Fall für zwei» gespielt. Im März lief die letzte Folge. Sie wollten nicht mehr. Warum?
Ich habe die Figur gerne gespielt. Aber so, wie sie war, konnte sich alles nur noch wiederholen. Ich wollte ganz einfach nicht mehr die Frage stellen: «Wo waren Sie gestern um 21.25 Uhr?» Es fiel den Drehbuch­autoren auch nichts Neues mehr ein. Daher habe ich frühzeitig angekündigt, dass ich gehen möchte.

Das Ende der letzten Episode liess offen, was mit Matula passiert. Ist jetzt die Zeit reif, dass er wieder in Erscheinung tritt?
Sagen wir es so: Ich hatte nie einen letzten Drehtag als Matula. Die Figur wird weiterleben. Wir sind gerade dabei, eine neue Reihe zu entwickeln. Die Idee dahinter: Matula ist in Rente und betreibt eine Kneipe in Berlin, wo er natürlich viele Abenteuer erleben wird. Das ZDF und die Autoren arbeiten schon auf Hochtouren daran. Ich freu mich sehr. Nächsten Sommer soll Drehbeginn sein. Mir war aber wichtig, zuerst eine Pause einzulegen und mit meiner Frau durch die Welt zu reisen.

Für diese Reise haben Sie sich ja extra ein neues Fahrzeug zugelegt.
Das ist ein 12,5 Tonnen schwerer umgebauter Truck. Damit waren wir bereits drei Monate lang in Afrika unterwegs. Eigentlich wollten wir ja ein Jahr am Stück wegbleiben. Wir mussten allerdings feststellen, dass wir beide doch zu sehr eingebunden sind. Aktuell ist meine Frau durch ihre Arbeit als Regisseurin an der Theaterfalle sehr absorbiert. Ihr Stück hat am 8. August Premiere. Was hier in Basel ein Hit werden wird, davon bin ich überzeugt. Ausserdem geht es einem auf den Wecker, wenn man mit dem Truck länger unterwegs ist. Das ist echte Schufterei. Wenn Sie ein Rad wechseln müssen, dann heben Sie einen 160 Kilogramm schweren Reifen an. Immerhin ist man nach einer solchen Reise super trainiert.

Gutes Stichwort. Sie feierten dieses Jahr ihren 70. Geburtstag und sehen unglaublich fit aus. Wie machen Sie das?
Das sind die Gene. Aber ich habe in meinem Leben viel Sport getrieben, das hilft natürlich. Und ich achte auf meine Ernährung. Selbstverständlich fordert mich auch meine jüngere Frau. Durch sie mache ich vieles wieder, was ich längst aufgegeben habe. Tauchen zum Beispiel. Wir sind beide total angefressen. Die nächste Reise führt uns deshalb nach Thailand.

Doch zuerst steht in Basel ein Umzug an. Sie wurden ja aus Ihrer Wohnung geschmissen. Was ist passiert?
Der Eigentümer hat uns im Mai wegen Eigenbedarf gekündigt. Es ist schade, dass wir aus der Wohnung raus müssen. Sarah hat sich dort gerade so richtig eingelebt. Der Vermieter hatte ja bei unserem Einzug noch gesagt, dass er sich Mieter wünsche, die länger als zwei, drei Jahre bleiben. Meine Frau war deshalb im ersten Moment sehr traurig. Und mir stinkt die erneute Packerei. Wir sind in den letzten zwei Jahren sechsmal umgezogen, zuerst von Wiesbaden nach Berlin, dann innerhalb von Berlin und von dort nach Basel. Das reicht jetzt mal. Aber ich bin meinem Vermieter nicht böse und habe Verständnis, dass er die Wohnung für ein Familienmitglied braucht.

Haben Sie schon eine neue Wohnung?
Ja, nur wenige Meter weiter. Im September ziehen wir um. Wir sind froh, dass wir im Quartier bleiben können.

Sie sind bekanntlich ein passionierter Raucher. Lange haben sich Basler Restaurants dagegen gewehrt, das Rauchverbot umzusetzen. Doch damit ist jetzt Schluss – so hat das oberste Schweizer Gericht entschieden. Werden Sie künftig in Basler Beizen anzutreffen sein?
Ich habe kein Problem damit, rauszugehen, wenn ich unbedingt eine rauchen will. Grundsätzlich finde ich es gut, dass in Restaurants, wo gegessen wird und wo sich auch Kinder aufhalten, nicht geraucht werden darf. In Kneipen ist das aber was anderes. Hier sollten Raucherlounges eingerichtet werden. So können auch Raucher ihre sozialen Kontakte pflegen. Sonst kommt es zum Trotz. Wie es in Berlin der Fall ist. Nach 23 Uhr werden dort, trotz Rauchverbot, überall die Aschenbecher rausgeholt.

Sie sagten einmal, die Basler seien so nett zurückhaltend bei Prominenten. Ist das wirklich so?
Na ja, nicht immer. Neulich hatte ich eine Begegnung mit einem Damenkränzchen im Tram. Es waren acht Damen und ich wollte am Markt aussteigen. Ich musste dann aber noch ein paar Stationen weiterfahren, die Damen liessen mich nicht raus. Sie wollten sich mit mir unterhalten und stellten Fragen. Das macht mir aber nichts aus. Die Leute mögen mich und dann ist das doch schön. In Europa bin ich mir das gewohnt; komisch ist es allerdings, wenn ich in Indien am Taj Mahal stehe und Autogramme schreiben muss.

Sie bewegen sich in Basel also mehr oder weniger unbehelligt. Waren Sie auch schon im Rhein schwimmen, jetzt, wo es so heiss ist?
Bis jetzt bin ich noch nicht dazu gekommen. Das werde ich aber definitiv nachholen. Sich den Fluss runtertreiben zu lassen, ist doch wunderbar. Am Wochenende soll es ja besonders schön werden, das müsste man dann wirklich mal ausprobieren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.07.2013, 13:23 Uhr

Artikel zum Thema

Dienstältester Ermittler

Nach 30 Jahren als Privatdetektiv Josef Matula steigt Claus Theo Gärtner aus der Krimiserie «Ein Fall für zwei» aus. Mehr...

Letzte Klappe für Matula

Das ZDF hat heute mit den Dreharbeiten zur letzten Folge des Krimi-Serienklassikers «Ein Fall für zwei» mit dem von Claus Theo Gärtner gespielten Detektiv begonnen. Mehr...

Matula wird pensioniert

Die beiden Hauptdarsteller der ZDF-Krimiserie «Ein Fall für zwei», Claus Theo Gärtner und Paul Frielinghaus, steigen kommendes Jahr aus. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Nur die Wendeltreppe ist übrig geblieben: Die anhaltenden Flächenbrände in Kalifornien haben auch zahlreiche Häuser in der Villen-Ortschaft Malibu zerstört. (10. November 2018)
(Bild: Ringo H.W. Chiu/AP) Mehr...