Basel verliert die Kunstsammlung Staechelin

Wo die Meisterwerke der Familienstiftung künftig gezeigt werden, ist noch ungewiss. Der Entscheid, die Sammlung Staechelin nicht nach Basel zurückzubringen, schmerzt die Kunststadt.

«Das Klima hat sich verändert.» Ruedi Staechelin bekundet Mühe mit dem Vorgehen des Kantons.

«Das Klima hat sich verändert.» Ruedi Staechelin bekundet Mühe mit dem Vorgehen des Kantons. Bild: Peter Schnetz

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Am Samstag wird in der Fondation Beyeler die grosse Gauguin-Ausstellung eröffnet. Eines der Hauptwerke ist das 1892 entstandene Werk «Nafea faa ipoipo», das sich im Besitz des Staechelin Family Trust befindet. Es wird wohl das letzte Mal sein, dass dieses Meisterwerk, das als Leihgabe Jahrzehnte im Kunstmuseum hing, in Basel zu sehen ist. Der Trust hat das Bild verkauft. Über den Käufer und den Preis darf sich Ruedi Staechelin gemäss Vertrag nicht äussern.

Da «Nafea» als eines der wichtigsten Werke von Gauguin gilt, dürfte sich der Preis im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Auch zur Frage, ob das Werk an einen Privatsammler oder ein Museum geht und ob es in der Schweiz oder in Europa bleibt, nimmt Staechelin keine Stellung. Er bestätigt einzig und allein den Verkauf des Bildes, der allerdings erst im kommenden Januar vollzogen wird. Vorher ist «Nafea» noch in Madrid und Washington zu bewundern. «Der Kaufvertrag ist abgeschlossen, während der kommenden Ausstellungen in Riehen, Madrid und Washington bleibt das Bild im Eigentum des Trustes», erklärt Ruedi Staechelin.

Streit um Leihvertrag

Nicht nur der Verkauf des Bildes, sondern auch der Entscheid, die Sammlung Staechelin zumindest vorerst nicht nach Basel zurückzubringen, dürfte die Kunststadt schmerzen. Ganz überraschend kommt der Entscheid allerdings nicht. Ruedi Staechelin hatte sich im letzten September darüber beschwert, wie mit der Sammlung als Leihgeber umgesprungen werde. Obschon eine Auflösung des Leihvertrages mit dem Museum eigentlich zwingend war, weil die Werke ja nicht mehr vertragsgemäss ausgestellt werden können, beharrte der Kanton auf dem bisherigen Vertrag mit einer Ausstellungspflicht. Schliesslich kündigte der Trust den Leihvertrag selber, um mit anderen Museen einen Leihvertrag eingehen zu können.

«Sicherlich haben aber auch nicht die offenen Fragen mit dem Präsidenten der Kunstkommission Herrn Mosimann den entscheidenden Impuls gegeben, die Sammlung nicht mehr dem Kunstmuseum auszuleihen. Das Klima hat sich hier einfach generell verändert», sagt Staechelin. Mit der Direktion und den Mitarbeitern des Kunstmuseums hingegen herrschte gutes Einvernehmen.

Auch mit dem für die Kultur zu­­ständigen Präsidialdepartement verschlechterten sich die Beziehungen nach dem Gerangel um die Auflösung des Leihvertrages. Gespräche mit dem Regierungspräsidenten Guy Morin und seinem ­Kulturchef Philippe Bischof brachten nichts. Staechelin bekundete damals mit dem Vorgehen des Kantons Mühe. «Die Trustees waren schockiert über das Verhalten der zuständigen Personen.»

Nicht in Finanznot

Den Ausschlag zum Verkauf des Bildes «Nafea» haben wirtschaftliche Überlegungen gegeben. Der Verkauf sei keineswegs aus einer akuten Finanznot heraus beschlossen worden. «Das Vermögen der Familie besteht zu über 90 Prozent aus Kunstwerken des Trustes. Eine solch einseitige Vermögensverteilung ist jedoch nicht ratsam. Als ehemaliger Mitarbeiter des Auktionshauses Sotheby’s kennt Staechelin das wilde Auf und Ab auf dem Kunstmarkt sehr gut. Der Verkauf ist deshalb die logische Konsequenz einer diversifizierten Vermögensanlage», meint Ruedi Staechelin. Die Sammlung Rudolf Staechelin hat schon früher immer wieder Angebote für «Nafea» bekommen, «und sie immer abgelehnt». Diesmal wurde auf ein Angebot eingegangen, weil der Zeitpunkt auf dem Kunstmarkt sehr günstig erscheint.

Schon früher Werke verkauft

Dass er auch die übrigen Bilder der Sammlung nicht mehr zurück nach Basel bringen will, begründet Ruedi Staechelin auch damit, dass die Sammlung im Laufe der Zeit geschrumpft ist. «Sie ist heute noch etwa halb so gross wie zu Zeiten meines Grossvaters», erklärt er. Schon in früheren Jahren waren einzelne Werke der Sammlung verkauft worden, darunter zwei wichtige Picasso-Gemälde an die Öffentliche Kunstsammlung Basel. Diese hatte die Bilder mittels Volksabstimmung und dank einer grossen Sammelaktion durch die Bevölkerung 1967 erworben.

Wohin nach Januar 2016 der Rest der Sammlung geht und ob einzelne Werke oder Gruppen in anderen Museen gezeigt werden, steht noch nicht fest. Wir suchen noch nach Partnern. Bis dahin werden die wichtigsten Werke jetzt erst einmal in der Reina Sofia in Madrid und in der Phillips Collection in Washington gezeigt.

Die Direktion des Kunstmuseums Basel, Bernhard Mendes Bürgi, sowie der Direktor der Fondation Beyeler, Sam Keller, wurden gestern Abend von Ruedi Staechelin über die Entscheide des Family Trust informiert.

Ruedi Staechelin ist sich bewusst, dass er sich in Basel mit seinem Entscheid, «Nafea» zu verkaufen und die Sammlung nicht mehr ans Kunstmuseum auszuleihen, keine Freunde macht. «Ich habe allerdings einen ­breiten Rücken», sagt er und wird trotz allem an einem Essen für die Freunde der Fondation Beyeler morgen Freitag und an der Eröffnung der Gauguin-Ausstellung am Samstag teilnehmen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.02.2015, 10:25 Uhr

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