Basels private Gastgeber

Airbnb ist erfolgreich: Die Internetplattform, die private Alternativen zu Hotelbetten bietet, verzeichnet in Basel bereits über 1000 Angebote. Die Einführung der Kurtaxe wird daran wenig ändern.

Kleiner Garten. Gastgeber Jan Bachofer (l.) und Janick Conrad.

Kleiner Garten. Gastgeber Jan Bachofer (l.) und Janick Conrad. Bild: Florian Bärtschiger

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Die Matratze passt genau zwischen das Sofa und den Kamin. Die Bettwäsche ist frisch gewaschen, ein sauberes Handtuch liegt bereit und sogar ein kleines Willkommenskärtchen empfängt den Gast.

Alles ist schön aufgeräumt und blitzsauber. Durch die Balkontür gelangt man direkt in den kleinen Garten, wo die zutrauliche Katze Masaja durchs Gras streift. Für 49 Franken kann man hier bei Jan Bachofer, Janick Conrad und ihrem dritten Mitbewohner im Wohnzimmer übernachten – vorausgesetzt, man ist auf Airbnb angemeldet.

Die Internetplattform, die private Alternativen zu Hotelbetten bietet, verzeichnet in Basel bereits über 1000 Angebote. Dabei geht die Schere allerdings weit auseinander. Während das WG-Angebot an der Untergrenze der Preisspanne liegt, ist nach oben alles offen. Man kann auch für 1600 Franken pro Nacht in Basel nächtigen – dann allerdings in einem Luxusapartment in der Gerbergasse, das Platz für acht Personen bietet. Knapp 100 Franken davon gehen an Airbnb als Servicegebühr. Für lokale Steuern, die anfallen können, weist das Unternehmen in den neuesten Nutzungsbedingungen vom 6. August jede Verantwortung von sich.

Im Interesse der Gäste

Darunter fällt auch die Kurtaxe. In Bern und Baselland existiert diese bereits für Airbnb-Gastgeber, in der Stadt soll sie auch noch kommen, durch eine Revision des Gasttaxen-Gesetzes. «Aufgrund der damit verbundenen Prozesse wird die Taxe aber aller Voraussicht nach nicht vor Januar 2017 eingeführt werden können», meint Samuel Hess, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA) in Basel. Prognosen über die erwarteten Einnahmen gibt es noch keine. «Da die Anzahl Airbnb-Anbieter in den vergangenen Jahren jedoch stark gestiegen ist, ist von deut­lichen Mehreinnahmen auszugehen.»

Dem AWA gehe es aber nicht nur um die Schaffung gleicher Rahmenbedingungen für alle, sondern auch um die touristische Infrastruktur und die Dienstleistungen von Basel Tourismus. Beide werden durch 3.50 Franken pro Nacht und pro Gast mitfinanziert, ausserdem erhalten die Gäste ein Mobility-­Ticket für die Dauer ihres Aufenthaltes. «Das alles liegt im Interesse der Gäste», so Hess.

Was sagen die Betroffenen dazu? Laut AWA stehe man nicht mit den Basler Airbnb-Gastgebern in Kontakt. Diese reagieren äusserst unterschiedlich auf die kommenden Gebühren. «Ich finde das eine gute Sache», sagt Jan Bachofer aus der WG. Eventuell würden sie die Preise leicht erhöhen, aber nicht zwingend, denn diese seien entscheidend für die potenziellen Gäste. Ihnen geht es auch nicht ums Geld. «Man muss den Aufwand bedenken: Bettzeug wechseln, putzen, die Ankunft organisieren … Und am Ende verdient jeder nicht mehr als etwa 15 Franken pro Nacht. Da fragen wir uns manchmal: Warum machen wir das eigentlich?»

Die Antwort ist ihnen mittlerweile klar: Der Kontakt zu den Gästen aus aller Welt macht ihnen Freude. «Oft sitzt man irgendwann zusammen und trinkt ein Bier oder zwei. Dadurch hat es schon sehr lange, unterhaltsame Abende gegeben», meint Janick Conrad. Auch die Spontanität der Plattform sagt ihnen zu. «Die meisten der Anfragen sind vom Vortag», sagt Bachofer. «Dann kommt der Gast tags darauf und bleibt oft auch nur eine Nacht.» Selten bleibe auch mal jemand länger. Momentan lebe ein Deutscher dreieinhalb Wochen in der WG. Er habe in Basel eine neue Stelle angetreten und wollte vor Ort nach einer Wohnung suchen. «Airbnb bietet so das perfekte Brückenangebot.»

Lisa, die ihren Namen aufgrund der Privatsphäre geändert haben möchte und zwei Zimmer ihrer Wohnung nur sporadisch an Airbnb-Gäste vermietet, ist alles andere als einverstanden. «Ich finde das wirklich nicht angemessen.» Schliesslich könne sie keine Werbung machen wie andere Hotels, auch ihre Preise seien weit entfernt von dem, was ein gewerblicher Betrieb verlange.

Im Vergleich zum Airbnb-Durchschnittspreis liegt sie mit ihrem Angebot für etwa 60 Franken pro Nacht weit unter dem Basler Durchschnitt von 80 Franken. Für sie generiere ihr Angebot auch keine Mehreinnahmen, sondern helfe ihr lediglich, die Miete zu bezahlen. Der Vermieter wisse Bescheid und sei damit einverstanden. Lisa würde ihr Angebot durch die Taxe nicht anpassen, aus Prinzip. Airbnb ist für sie keine Geldquelle, sondern eine zwischenmenschliche Bereicherung «Bei 80 Prozent der Gäste denke ich mir nachher, dass deren Besuch bei mir auch für mich schön und anregend war.»

Ein Schritt Richtung Anerkennung

Eine ganz andere Haltung zu Airbnb und der Gasttaxe hat Markus, der ebenfalls aus privaten Gründen anonym bleiben möchte. Er vermietet seine Studentenwohnung regelmässig, vor allem zu Messezeiten. Die knapp 180 Franken, die er dafür pro Nacht bekommt, finanzieren ihm einen Teil seines Lebensunterhalts. «Ohne Airbnb wäre ich arm», ist er überzeugt. Für ihn ist die Einführung der Taxe ein Schritt Richtung Anerkennung und Gleichberechtigung. Ausserdem gäbe es ja das Mobility-­Ticket als Gegenleistung. «Ich finde das super», meint er schlicht. Auch bei ihm wisse der Vermieter Bescheid, allerdings habe er auf Umwegen davon erfahren. «Das macht die Situation etwas unangenehm.» Markus wäre aber durchaus bereit, die Verhältnisse rechtlich im Mietvertrag zu klären. Er deklariere auch sämtliche Einnahmen gegenüber der Steuerbehörde.

Die Preise würde er durch die Taxe wahrscheinlich nicht anpassen. «Ich rechne nicht so wirtschaftlich wie ein Hotel, da kommt es auf die paar Franken nicht an.» Das Geld sei schon der primäre Anreiz gewesen, sich bei Airbnb anzumelden, doch mittlerweile fühlt auch er sich bereichert durch den kulturellen Austausch. «Es kam sogar schon einmal zu einer kleinen Affäre», erzählt er lachend.

Aufstrebende Sharing-Economy

Markus ist nicht der Einzige, der sich vor allem für den finanziellen Aspekt von Airbnb interessiert. Viele Angebote liegen weit über seinem veranschlagten Preis – wohlgemerkt für ein Einzelzimmer, nicht für eine ganze Wohnung. Während den Basler Messen verlangt eine Gastgeberin fast 400 Franken für einen Schlafplatz in ihrer Wohnung. Die hübsche Aufmachung des Zimmers tröstet aber nicht über die Tatsache hinweg, dass man auf einer Ausziehcouch nächtigen muss.

Airbnb funktioniert eindeutig nach dem «Angebot und Nachfrage»-Prinzip, ist aber gleichzeitig ein leuchtendes Beispiel für die aufstrebende Sharing-Economy. Und obwohl vor allem die Plattformbetreiber selber das grosse Geld machen: Sämtliche interviewten Gastgeber sind äusserst zufrieden mit der Plattform und schätzen deren Flexibilität und Transparenz. Sie wollen weiterhin ihre Unterkünfte an Touristen vermieten und vom kulturellen Austausch mit den Gästen profitieren. Bleibt die Frage, ob sie die neuen Nutzungsbestimmungen gelesen haben? Die Antwort lautet einstimmig Nein. Aber wer liest die schon. Hauptsache, die Gäste kommen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.08.2015, 16:53 Uhr

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