Basler Elefanten dürfen ihr neues Reich erkunden

Das Warten auf die neue Elefantenanlage im Basler Zolli hat sich gelohnt. Auf einem grosszügigen Terrain im Savannen-Stil dürfen sich die Basler Elefantendamen künftig austoben.

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Langsam öffnet sich die schwere Stahltür zum Aussenbereich der Elefantenanlage Tembea am Mittwochmorgen. Kaum ist sie einen Spalt weit offen, lassen sich die ersten neugierigen Blicke der Elefanten erkennen. Zum ersten Mal dürfen sie diesen Teil der Aussenanlage betreten. Als das Tor ganz offen steht, sind die Elefantenkühe allerdings recht zurückhaltend: Nur langsam nähern sie sich dem Ausgang des Elefantenhauses.

Ausserhalb des Tores erwartet sie eine wunderschöne Savannenlandschaft mit grosszügigen Flächen. Den Elefanten wird im neuen Heim viel geboten: So haben sie zum Beispiel die Möglichkeit, sich im beheizten Wasserbecken auszutoben, im Matsch zu spielen, oder sich auf dem Sandboden auszuruhen.

Artenvielfalt in Tembea

Neben den Elefanten soll es noch weitere Tiere auf der Anlage geben. In den Terrarien des Elefantenhauses befinden sich Wanderratten, diverse Fische und Frösche und Ernteameisen. Im Aussenbereich wurden mehrere Nischen für einheimische Tiere wie Störche, Fledermäuse, Mauersegler oder andere Vogelarten eingerichtet.

Ausserdem wurde die Möglichkeit eingeplant, Geparden mittels eines Tunnels den Eintritt in das Elefantengehege zu gewähren. Dadurch soll die artenreiche Natur stärker imitiert werden. Allerdings bräuchten die Elefanten erst Zeit, um sich an ihr neues Zuhause zu gewöhnen, bevor man erste Versuche mit den Geparden wagen wolle.

Naturgerechte Haltung

Wie in der Natur müssen sich die Elefanten ihr Futter selber ergattern. Die Anlage verfügt über 121 Futterstellen, wovon 83 elektronisch steuerbar sind. Mithilfe von verschliessbaren Futterlöchern und Futterkränen, die das Futter nach Belieben in die Reichweite der Elefanten bringen können, soll die Nahrung für die Elefanten zwar zur Verfügung gestellt werden, die Nahrungssuche und -aufnahme wird aber den Elefanten ganz alleine überlassen. Man will die Elefanten so zur Bewegung motivieren und eine natur- und artengerechte Haltung anstreben.

Im Zuge dessen wurde seit August 2016 auch der direkte Kontakt zwischen den Pflegern und denn Elefanten stark zurückgefahren. Anstelle eines Zoopflegers sollen die Elefanten ihre Anführerin unter sich ausmachen. Wie es aussieht, hat die Elefantenkuh Heri diese Stelle für sich beansprucht. Wenn sich zwei Elefanten streiten, braucht es keinen Zoowärter mehr, der die Elefanten auseinanderbringt, sondern Heri kümmert sich sorgfältig um ihre Gefolgschaft. In der Elefantenwelt herrscht nämlich das Matriarchat, also die Herrschaft der Weibchen. Der Zookurator erklärt, dass Elefantenbullen getrennt von den Weibchen zu halten seien. Deshalb gibt es für die männlichen Elefanten einen eigenen Stall.

Dank speziellem Training müssen die Elefanten bei kleineren medizinischen Eingriffen auch nicht mehr angekettet werden. Ihnen wurde beigebracht, ihre Füsse oder ihre Ohren durch spezielle Löcher an einer Gitterwand zu strecken, sodass der behandelnde Tierarzt das Tier bedenkenlos untersuchen kann. Trotzdem halten die Tiere die Zoowärter auf Trab: Besonders fänden sie Gefallen daran, bis zu 80 cm tiefe Löcher in den Sandboden zu buddeln, die von den Wärtern wieder aufgefüllt werden müssen.

«Tembea» - in Bewegung!

Die neue Anlage lässt sich von allen Seiten einsehen. Es gibt zum Beispiel eine beeindruckende Ausblickplattform nahe der Zolli-Mauer, die es erlaubt, fast die gesamte Anlage zu überblicken. Ausserdem lassen sich die Elefanten dank einer grosszügigen Fensterfront auch direkt aus dem Zolli-Restaurant beobachten. Dennoch sind die Elefanten nicht immer sofort zu sehen. Aufgrund des vielen Platzes können sich die Dickhäuter künftig auch zurückziehen, wenn sie unter sich sein möchten.

Stolz erklärt Zoodirektor Pagan die Idee hinter der Anlage «Tembea», was übrigens etwa soviel bedeutet wie «in Bewegung». Wie alle anderen Anlagen des Zoos ist auch Tembea an ein Thema geknüpft – die Bewegung. Elefanten seien Tiere, die sich ständig bewegten, so Pagan. Deshalb soll die grosszügige Fläche (rund 5300 Quadratmeter) der neuen Anlage den Elefanten mehr Bewegungsraum bieten. Die Elefanten können nun durch eine Savannenlandschaft mit Sand, Mörtel und Wasser spazieren, sich an den Steinformationen anlehnen oder auf Futtersuche gehen.

François Labhardt, Präsident des Patronatskomitees Tembea, bringt seine tiefe Dankbarkeit für die zahlreichen Spenden an das Projekt zum Ausdruck. Die Baukosten von 27 Millionen CHF wurden ausschliesslich über private Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Der Zolli freut sich über den grossen Rückhalt aus der Bevölkerung.

Zuchtpotential in Basel

Gastredner und Vorsitzender des Europäischen Zooverbands (EAZA) Thomas Kauffels sieht die neue Anlage als grosse Investition in die afrikanische Elefantentierhaltung. Die ausgiebige Grösse der Anlage qualifiziere diese auch für die Zucht von Elefanten und helfe somit dabei, den Tierbestand wieder zu steigern.

Momentan gibt es im Basler Zolli allerdings nur Damen: Die Leitkuh Heri (41 Jahre alt), Malayka (46), Rosy (22) und Maya (23). Die Elefantenkühe unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Stosszähne – während Maya beispielsweise gar keine Stosszähne hat, sind die von Rosy sehr krumm. Noch in diesem Jahr soll zur Gruppe aber auch ein Elefantenbulle stossen. Ob das aber der Elefant Yoga sein wird, der Basel vor einigen Jahren verliess und in einen schwedischen Zoo gebracht wurde, ist noch ungewiss.

Videorundgang durch das Elefantenhaus

Video: Zoo Basel

Der Basler Zolli öffnete den Medien am Mittwochmorgen die Tore seiner neuen Elefantenanlage. Für die Öffentlichkeit wird die Anlage am Donnerstag eröffnet. Über das Wochenende vom 18./19. März findet jeweils zwischen 10 und 17 Uhr ein Eröffnungsfest inklusive Spezialprogramm statt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.03.2017, 17:17 Uhr

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