Basler Fasnacht soll Unesco-Weltkulturerbe werden

Die «drey scheenschte Dääg» haben es auf die Liste der Bundesrat-Vorschläge für das immaterielle Unesco-Weltkulturerbe geschafft. Dem Liestaler «Chienbäse» hat es jedoch nicht gereicht.

Weltkulturerbe: Die «drey scheenschte Dääg» stehen auf der Liste der acht Kandidaten für Unesco-Kulturerbe des Bundesrat.

Weltkulturerbe: Die «drey scheenschte Dääg» stehen auf der Liste der acht Kandidaten für Unesco-Kulturerbe des Bundesrat. Bild: Keystone

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Basel hat die Auswahl geschafft. Zumindest die nationale Hürde ist damit genommen. Der Bundesrat hiess eine Liste mit acht Kandidaturen für das Unesco-Kulturerbe gut. Bei den Kandidaten handelt es sich um Bräuche und Traditionen. Eine Expertengruppe hat auf der Grundlage eines Inventars von 167 helvetischen Traditionen den Umgang mit der Lawinengefahr, das Uhrmacherhandwerk, Schweizer Grafikdesign und Typografie, die Schweizer Alpsaison, den Jodel, die Historischen Prozessionen in Mendrisio, das Winzerfest in Vevey und eben die Basler Fasnacht ausgewählt.

«An der Basler Fasnacht werden die Ungereimtheiten, Mängel und Fehltritte in Politik und Gesellschaft des vergangenen Jahres oder auch des Zeitgeists auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene mit Spott, Sarkasmus und spitzem Witz persifliert und karikiert. Als Mittel dazu dienen Kostüme, Masken (Larven), Laternen, fantasievolle Accessoires sowie die Baseldeutsche Mundart», steht im Beschrieb der Vorschlagsliste des Bundesamtes für Kultur.

Diese Liste hat eine Expertenkommission ausgearbeitet. Ihr Präsident, Thomas Antonietti, erklärt, weshalb die Basler Fasnacht ausgewählt wurde: «Sie erfüllt die Kriterien, die es braucht, um vor der Unesco zu bestehen. Es geht um Brauchtum, um Ritual, um traditionelles Handwerk, Kreativität und um Musik.»

Mit dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kultur­erbes wolle die Unesco ein Kulturerbe thematisieren und schützen, das weniger mit Bauten oder Räumen zusammenhänge, sondern in erster Linie mit der Zeit, sowie mit gemeinschaftlichen Praktiken und gesellschaftlichen Interaktionen, heisst es in einer Mitteilung des Bundesamtes für Kultur.

Anerkennung für gelebte Tradition

Die früheste Ernennung eines Schweizer Vorschlages aus der Liste erfolgt im März 2015. Für Antonietti besteht durchaus die Chance, dass Basel bei einem der ersten Vorschläge berücksichtigt wird. «Da die Basler Fasnacht eine lebendige Kultur in einem urbanen Umfeld darstellt und zeigt, dass auch in Städten Traditionen gelebt werden, steigen die Chancen, unter den ersten Vorschlägen zu sein», so Antonietti. Sicher ist aber noch nichts, alle acht Vorschläge haben grundsätzlich die gleichen Chance, ins Rennen geschickt zu werden.

In Basel ist die Freude über den Ritterschlag vom Bundesamt für Kultur und die Aufnahme in die Unesco-Vorschlagsliste gross. «Wir freuen uns über die politische Wertschätzung, welche die Basler Fasnacht durch diesen Vorschlag des Bundesrates erfährt», sagt Christoph Bürgin, Obmann des Fasnachts-Comités. «Die Fasnacht hat für die Region und die Gesellschaft eine grosse Bedeutung, sei es im Bereich der sozialen oder kantonsübergreifenden Kontakte, sei es bei der Förderung der Kultur, der Nachwuchsförderung beispielsweise beim Erteilen von Musikstunden oder gesellschaftskritischen Aspekten.»

Dass die Basler Fasnacht nun offiziell zu den wichtigsten immateriellen Kulturgütern zähle, sei auch eine Anerkennung für die vielen ehrenamtlichen Aufgaben, die rund um die Fasnacht wahrgenommen werden und zur Identität dieser Region beitragen, sagt Bürgin. «Für Basel ist eine solche Ernennung auf jeden Fall ein Gewinn.»

Chienbäse-Umzug ausgeschieden

Das sieht auch der basel-städtische Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) so. «Wir haben im Hintergrund stark lobbyiert und hatten mit der Herbstmesse zwei Kandidaturen am Laufen. Natürlich sind wir froh, dass wir mit der Fasnacht auf die Liste gekommen sind; das macht uns sehr stolz», sagt Morin. Zwar wäre auch der Münsterhügel ein Wunschkandidat für eine solche Auszeichnung, aber die Chancen, da durchzukommen, seien im Moment gering, so Morin.

Ausgeschieden ist dieses Mal der Chienbäse-Umzug in Liestal, der ebenfalls auf der helvetischen Traditionsliste steht. Man nimmt es gelassen. «Wir machen trotzdem weiter und hoffen, dass wir das nächste Mal berücksichtigt werden», sagt Werner Fischer, Präsident der IG Chienbäse. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.10.2014, 12:07 Uhr

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