Basler SP stellt Topmanager an den Pranger

Die Basler Sozialdemokraten laden die CEOs grosser Unternehmen aus der Region ein, ihre hohen Löhne am 1. Mai auf dem Barfüsserplatz vor dem Volk zu begründen.

Verdienen alle viel Geld (v.l.): Roche-CEO Severin Schwan (12,5 Millionen), UBS-CEO Sergio Ermotti (Knapp 9 Millionen) und Novartis-CEO Joe Jimenez (13 Millionen).

Verdienen alle viel Geld (v.l.): Roche-CEO Severin Schwan (12,5 Millionen), UBS-CEO Sergio Ermotti (Knapp 9 Millionen) und Novartis-CEO Joe Jimenez (13 Millionen). Bild: Roland Schmid / Keystone

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Per Einschreiben haben zehn Topmanager der Region Basel einen Brief von der SP Basel-Stadt bekommen. Darin werden sie aufgefordert, an der 1.-Mai-Feier auf dem Barfüsserplatz teilzunehmen. «Einladung zur Rechtfertigung Ihres hohen Lohnes», lautet der Titel des Briefs, der an Joe Jimenez (CEO Novartis), Severin Schwan (CEO Roche), Sergio Ermotti (CEO UBS) und Hariolf Kottmann (CEO Clariant) gegangen ist. Auch der Baloise-CEO Martin Strobel und der ehemalige Präsident Rolf Schäuble, Lonza-CEO Richard Ridinger und sein Vorgänger Stefan Borgas sowie der ausgeschiedene BKB-Direktionspräsident Hans Rudolf Matter und sein Nachfolger Guy Lachappelle haben von der SP ein Aufgebot erhalten.

In den Briefen rechnet die Partei den Managern vor, wie viel sie gemäss der Studie von Travail.Suisse mehr verdienen als der oder die Angestellte mit dem geringsten Lohn. Bei Joe Jimenez ist dies laut einer Mitteilung der SP ein Verhältnis von 1:219, bei Severin Schwan von 1:203 und bei Guy Lachappelle noch 1:16. «Diese Lohndimensionen sind unserer Ansicht nach fast nicht zu rechtfertigen», schreibt die Partei an die Manager und schlägt vor: «Wir möchten Ihnen aber nun die Gelegenheit geben, vor dem Volk zu begründen, weshalb Sie diesen Lohn verdienen.»

Dies soll im Rahmen der Feier zum 1. Mai um 16 Uhr auf dem Barfüsserplatz stattfinden. «Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Chance wahrnehmen und sich zirka zehn ­Minuten für eine Rechtfertigung zur Verfügung stellen würden.» Unterzeichnet ist der Brief von SP-Präsident Martin Lüchinger, der Vizepräsidentin Michaela Seggiani und von Vizepräsident Pascal Pfister.

Brutschin wusste nichts

Bemerkenswert ist nicht nur der süffisante Ton des Schreibens, sondern vor allem die Tatsache, dass der Brief ohne Wissen der drei SP-Regierungsmitglieder rausgegangen ist. Christoph Brutschin, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, bestätigte gestern gegenüber der BaZ, dass er nichts von diesem Brief gewusst habe. «Ich habe davon erst erfahren, als er bereits verschickt war.» Das wirft ein seltsames Licht auf das Verhältnis der SP-Parteispitze zu den eigenen Regierungsmitgliedern. Brutschin müsste über die Aktivitäten der Parteileitung eigentlich am besten informiert sein, da Parteipräsident Martin Lüchinger als Ressortleiter Abfallbewirtschaftung im selben Departement arbeitet. Dieser meinte gegenüber der BaZ, es sei nicht notwendig, dass Entscheide der Parteileitung mit den eigenen Regierungs­räten abgesprochen werden müssten.

Gegenüber einzelnen angeschriebenen Managern soll Wirtschaftsdirektor Brutschin seinen Unmut über die Briefe seiner Parteigenossen geäussert haben. Doch auf Anfrage der BaZ gibt sich der SP-Regierungsrat zurückhaltend: «Ich sehe darin keine problematische Aktion. Das Thema ist eben aktuell und so ist es nachvollziehbar, dass Wege gesucht werden, um es wirksam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.» Es sei den Eingeladenen ja freigestellt, ob sie am 1. Mai tatsächlich auf dem Barfüsserplatz erscheinen wollen oder nicht.

Jimenez «nicht verfügbar»

Christoph Brutschin ist gespannt, ob jemand der Angeschriebenen tatsächlich an dieser Aktion mitmacht. Er rechnet nicht damit, «doch es gibt ja immer ­wieder Überraschungen». Ob es zu ­einer solchen kommt, ist allerdings sehr fraglich. «Herr Jimenez ist zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar und kann des­wegen am besagten Anlass nicht teilnehmen», erklärte der Chef von Novartis Schweiz, Pascal Brenneisen, gestern auf Anfrage der BaZ. «Novartis wird sich bestimmt im Vorfeld der Abstimmung in die öffentliche Debatte um die 1:12-­Initiative einbringen. Die Abstimmung wird für die Schweiz wegweisend sein und einen direkten Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des Landes haben», betont Brenneisen. «Als einer der wichtigsten Arbeitgeber und Steuerzahler des Landes fühlt sich Novartis verpflichtet, eine aktive Rolle bei der Sicherung und Erhaltung des Wohlstandes der Schweiz einzunehmen.»

Auch der neue Direktionspräsident der Basler Kantonalbank, Guy Lachappelle, wird sich nach Auskunft der Bank nicht an dieser 1.-Mai-Aktion beteiligen. Vielleicht ist Lachappelle auch etwas beleidigt, weil er in der gestern veröffentlichten Medienmitteilung der SP als interimistischer CEO der BKB figuriert. Der Bankrat, dem auch linke Mitglieder angehören, hat Lachappelle jedoch schon Ende Februar zum neuen Direktionspräsidenten und Vorsitzenden der Konzernleitung gewählt. Das muss irgendwie an der SP-Parteileitung vorbeigegangen sein.  (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.04.2013, 06:59 Uhr

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Die Basler SP lädt CEOs grosser Unternehmen aus der Region ein, ihre Bezüge am 1. Mai auf dem Barfüsserplatz zu begründen. Sollen CEOs ihre Löhne öffentlich rechtfertigen?

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