Basler sterben früher

Im Stadtkanton stirbt man im Schnitt deutlich früher als im Rest der Schweiz. Über eine besonders hohe Lebenserwartung erfeut man sich hingegen im Baselbiet.

Auf dem Land leben die Menschen gesünder und werden meist älter.

Auf dem Land leben die Menschen gesünder und werden meist älter. Bild: Keystone

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78 Jahre und zehn Monate. So alt wird ein Basler im Durchschnitt. Die Damenwelt hats ein bisschen besser: Ihre Lebenserwartung beträgt laut den sogenannten Sterbetafeln des Bundesamtes für Statistik immerhin 83 Jahre und sechs Monate. Doch der schweizweite Vergleich muss Herrn und Frau Basler zu denken geben. Die Männer befinden sich mit fast eineinhalb Jahren Rückstand auf den Schweizer Durchschnitt auf dem zweitletzten Platz. Und die Frauen belegen schweizweit sogar den Schlussrang. Deutlich höher ist die Lebenserwartung im Nachbarkanton: Der durchschnittliche Baselbieter wird 80,9, seine Frau 84,7 Jahre alt. Der Kanton Baselland liegt damit deutlich über dem Schweizer Mittel.

Die Lebenserwartung errechnet das Bundesamt für Statistik alle zwei Jahre anhand der Sterbefälle. Entsprechend handelt es sich dabei nur um einen theoretischen Wert. Und natürlich erhält man bei einem Umzug aus dem Breitequartier nach Birsfelden auch nicht einfach zwei zusätzliche Lebensjahre als Willkommensgeschenk. Dennoch sind die Zahlen für die Fachleute hoch interessant – vor allem der Unterschied zwischen Basel-Stadt und Baselland.

Rauchen und Übergewicht

«Die unterschiedliche Lebenserwartung widerspiegelt in erster Linie eine unterschiedliche soziale Zusammensetzung und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme», sagt der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen. Menschen aus bildungsfernen Schichten hätten eine deutlich tiefere Lebenserwartung als die gebildete und reichere Bevölkerung. «In Basel-Stadt haben wir viele schwer übergewichtige Menschen und es wird viel geraucht», sagt Steffen. «Oftmals spielt dabei auch das Herkunftsland eine Rolle.» So zeigte eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit, dass Frauen aus Somalia und Serbien rund ein Viertel häufiger von schwerem Übergewicht betroffen sind als Schweizerinnen. Bei den Männern wiesen vor allem Männer aus Serbien und Portugal deutlich höhere Werte auf.

Auch beim Thema Rauchen gibt es klare Unterschiede zwischen Schweizern und Immigranten. Besonders markant fällt der Unterschied zu den Türken aus. Hier liegt der Anteil der Männer, die täglich rauchen, bei 55 Prozent – bei den Schweizern liegt dieser bei 22 Prozent. Dies zeigt sich auch bei den Todesursachen: «Wir haben deutlich mehr Krebsformen der Atemorgane als andere Kantone», so Steffen. «Auch Übergewicht kann einen Einfluss auf Tumore haben.»

Entsprechend plant das Gesundheitsdepartement in den nächsten Jahren einen Schwerpunkt bei der Prävention und der Früherkennung von Krebs. Zu baldigen Änderungen in der Statistik dürfte das aber nicht führen. «Bei Krebs haben wir es mit Entwicklungen über 20 Jahre und länger zu tun», so Steffen. So sei aktuell ein Anstieg von Lungenkrebsfällen bei Frauen zu verzeichnen, was damit zusammenhängt, dass in den 1970er-Jahren viele Frauen angefangen haben zu rauchen.

Strukturelle Unterschiede

Neben der sozialen Zusammensetzung spielen strukturelle Unterschiede punkto Lebenserwartung eher eine untergeordnete Rolle. «Der wichtigste Unterschied liegt darin, wie gross der Ansporn ist, gesund beziehungsweise ungesund zu leben», meint der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr. Konkret: Gibt es einen offenen Drogenmarkt? Ist Alkoholismus allgemein akzeptiert? «Hier gibt es die Möglichkeit, eine Gesundheitspolitik zu gestalten», sagt Schorr. Auch sei klar, dass eine Stadt mehr negative Anreize biete als ein kleines Dorf.

«Dafür ist die medizinische Versorgung in peripheren Gebieten teilweise schwieriger als in Zentren», so Schorr. Nicht zuletzt können auch Aspekte wie eine grosse Lärmbelastung oder Luftverschmutzung einen Einfluss haben. «In diesen Punkten hat eine Sensibilisierung stattgefunden», sagt Steffen. «Entsprechend sind solche Faktoren am Abnehmen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.04.2013, 13:16 Uhr

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