Besetzer sind wichtiger als Steuerzahler

Die Villa Rosenau gilt seit Jahren als rechtsfreie Zone, obwohl für die Polizei feststeht, dass hier Krawallbrüder illegalen Unterschlupf finden. Dank dem Schutz der der rot-grünen Regierung. Ein Kommentar.

Die Villa Rosenau gilt seit Jahren als rechtsfreie Zone.

Die Villa Rosenau gilt seit Jahren als rechtsfreie Zone. Bild: Kostas Maros

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Es ist bezeichnend, wenn Hans-Peter Wessels auf Facebook den Kommentar postet, er sei froh, dass beim Brand in der Villa Rosenau niemand ernsthaft verletzt worden ist. Bezeichnend deshalb, weil der SP-Regierungsrat einen Tag zuvor kein öffentliches Mitleid mit den Bewohnern eines Reihenhauses am Kembserweg gezeigt hat, die nach einem Brand in die Notfallstation eingewiesen werden mussten. Im einen Fall handelt es sich eben um Besetzer, die seit Jahren die Protektion der rot-grünen Regierung geniessen, und im anderen Fall bloss um ganz normale Bürger, die ihre Steuern bezahlen. Bei den Besetzern fühlt sich ein linker Basler Magistrat sofort bemüssigt, Stellung zu nehmen, bei Normalbürgern sieht er keinen Anlass, Mitgefühl zu zeigen.

Einmal mehr kommt da der Verdacht auf, dass in Basel mit zwei verschiedenen Ellen gemessen wird. Den sogenannten Wagenleuten bot das Präsidialdepartement – als sie von der Erlenmatte weggewiesen wurden – sogar neue Standorte an, damit sie ihre selbst gewählte Lebensform ausserhalb der Gesellschaft ungestört weiterpflegen können. Und die Villa Rosenau gilt seit Jahren als rechtsfreie Zone, obwohl für die Polizei feststeht, dass hier Krawallbrüder illegalen Unterschlupf finden. Doch ein Eingreifen ist aus politischen Gründen nicht opportun.

Besetzer gut für Image der Stadt

Mit Freiräumen wie der Villa Rosenau hat sich die Regierung bislang bewusst eine kleine autonome Besetzerszene geleistet, die ganz gut zum Image einer weltoffenen Stadt passt. Da werden Sachbeschädigungen rund um den Voltaplatz, ein Saubannerzug durch die Innenstadt oder kleinere Scharmützel mit der Polizei gerne in Kauf genommen. In der Gesellschaft sollen auch diese Randgruppen ihre Berechtigung haben – selbst wenn ihre Forderungen unverschämt und ihre Auftritte provokativ sind.

So erstaunt es auch jetzt nicht, wenn nach dem Brand in der Villa Rosenau das Lamento über den verlorenen Freiraum erneut losgehen wird. Eine echte Diskussion über die Freiheit und ihre Grenzen wird dabei aber nicht stattfinden. Die Besetzer werden auf einen Wiederaufbau der Villa Rosenau pochen oder sich nach neuen Räumlichkeiten umsehen, die sie besetzen können. Die Politik wird dieses Vorgehen stillschweigend tolerieren, vorausgesetzt es spielt sich alles am Rande der Stadt ab. Dann kann das offene Basel der Welt wieder beweisen, dass zum Stadtkoloriteben auch einige Chaoten und Anarchisten gehören. Und diese merken nicht einmal, dass sie von der Politik gar nicht ernst genommen werden, sondern ihr bloss als Quoten-Chaoten dienen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.02.2013, 12:56 Uhr

Hat Mitgefühl mit Besetzern, nicht aber mit Steuerzahlern: SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels. (Bild: Tim Loosli)

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