Bevölkerung legt mehr Wege im Auto zurück

Basler fahren 22 Prozent ihrer Wege mit dem Auto. Das sind vier Prozent mehr als 2010 .

Agieren die Behörden bei der Förderung effizienter Verkehrsmittel mutlos?

Agieren die Behörden bei der Förderung effizienter Verkehrsmittel mutlos? Bild: Keystone

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Bern wie Basel wollen in der Schweiz unter den Grossstädten den Titel Velostadt Nummer eins holen. Gemäss dem jüngsten Vergleich der städtischen Mobilität zwischen den Städten Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich erleidet Basel nun einen Dämpfer im Kampf um das Leadertrikot.

So legten die Basler 2015 insgesamt 17 Prozent ihrer Wege mit dem Velo zurück. 2010 waren es 16 Prozent. Die Stadt Bern verzeichnete in dieser Periode eine Zunahme von vier Prozent und hat gegenüber Basel aufgeholt. Neu legen die Berner bereits 15 Prozent ihrer Wege mit dem Velo zurück.

Einen Dämpfer muss Basel auch bei den Autofahrten hinnehmen. Obschon die Bevölkerung 2010 den Gegenvorschlag zur Städte-Initiative angenommen hat und eine Reduktion des Autoverkehrs um zehn Prozent bis 2020 fordert, haben die Basler 2015 insgesamt 22 Prozent ihrer Wege mit dem Auto zurückgelegt.

Das entspricht einer Steigerung um vier Prozent gegenüber 2010. Auffällig ist, dass 52 Prozent der Fahrten unter fünf Kilometer und somit im Kurzstreckenbereich liegen. Ein Wert, den keine andere Stadt toppt. In Zürich beispielsweise gehen 41 Prozent der Fahrten bis fünf Kilometer.

«Behörden agieren mutlos»

Thomas Graf, Projektleiter Mobilitätsstrategie im Amt für Mobilität, sieht die Aufhebung des Euro-Mindestkurses als eine von mehreren möglichen Erklärungen. «Die Basler kauften 2015 im Gegensatz zu 2010 möglicherweise vermehrt im nahen Deutschland ein und legen mehr kurze Strecken zurück.»

Unerfreut über die Entwicklung im Verkehr während der letzten fünf Jahre zeigt sich «Umverkehr». Die Organisation macht sich für die Förderung des ÖV und Veloverkehrs stark. Umverkehr-Geschäftsführer, Silas Hobi, spricht bezüglich der Zunahme von zurückgelegten Wegen im Auto von einem «Armutszeugnis».

«Basel hat im Vergleich mit den anderen fünf verglichenen Städten am wenigsten Autos pro Einwohner sowie den höchsten Veloanteil. Die Behörden agieren bei der Priorisierung effizienter Verkehrsmittel mutlos», sagt Hobi. Als Gegenmittel fordert Hobi höhere Preise für Parkkarten für öffentliche Parkplätze und einen weiteren Abbau derselben.

Dieses Szenario befürwortet Christian Greif, Geschäftsführer des Automobilclubs Schweiz Sektion beider Basel, nicht. Zudem mahnt er bei den Zahlen zu Vorsicht. Greif: «Ich hinterfrage die Verkehrsindexerhebung sehr, weil es beispielsweise auf siedlungsorientierten Strassen keine verlässlichen Erhebungen gibt.» Oft handle es sich bei den Zahlen um «skurrile» Rechnungen.

Umfrage

Die Basler haben 2015 22 Prozent ihrer Wege mit dem Auto zurückgelegt. Eine Steigerung von fünf Prozent. Agieren die Behörden bei der Förderung effizienter Verkehrsmittel mutlos?

Ja

 
46.5%

Nein

 
53.5%

467 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 03.11.2017, 07:17 Uhr

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