Chemie-Gestank im Unteren Kleinbasel

Altlastexperte Martin Forter erhebt schwere Vorwürfe gegen Chemie-Gigant Novartis. Bei der Aushebung von hochgiftigem Lindan-Abfall in Huningue (F) werde unnötig gespart und daher die Bevökerung gefährdet – in Kleinbasel etwa.

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Seit Monaten stinkt es offenbar im Kleinbasel zwischen Dreirosenbrücke und Rheinhafen immer wieder penetrant. Grund dafür sei die Novartis-Baustelle in Huningue (F) auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins, wie der Geograf und Altlastexperte Martin Forter am Donnerstag in einem Medienschreiben mitteilte. In der betroffenen Baugrube hebe der Chemiemulti seit Kurzem hochgiftigen Lindan-Abfall aus. Ursache für den Gestank sei eigentlich ein gutes Projekt. Doch bei der Umsetzung werde gespart.

Gemäss Forter werden die Arbeiten zwar mit Unterdruck unter Zelten durchgeführt, aber bei Wind würden die Zeltwände teilweise flattern und sich aufblähen (siehe Video). Danach stinke es in der Regel im Kleinbasel. Wie der bekannte Chemie-Beobachter und -Kritiker weiter mitteilt, bestehe auch das Risiko, dass hochgiftiger Lindan-Abfall-Staub ins Kleinbasel verfrachtet wird.

Novartis war informiert

Laut Forters Informationen werden neben dem Novartis Campus seit Juli 2013 mehrere Tausend Tonnen des hochgiftigen Lindan-Abfalls ausgegraben, um diesen in einer Sondermüllanlage korrekt zu entsorgen. Schon vor Wochen seien Novartis und das Lufthygieneamt beider Basel von Forter und Bevölkerung über den unverkennbaren Gestank im Kleinbasel informiert worden. Die Firma habe den Gerüch bestätigt. Passiert sei seither nichts.

Während bei Gift-Gruben wie in Bonfol (JU) oder in Kölliken (AG) riesige, teure Hallen errichtet wurden, begnüge sich die Novartis mit druckgeregelten Zelten, kritisiert Forter. Desweiteren bemängelt der Altlastenexperte den Verlad des Giftstaubes auf ein Schiff (siehe Video): Die Schiffsbunker seien vollständig offen gewesen, eine Gestankswolke habe sich ausgebreitet. Aufgewirbelter Staub sei aber keiner Sichtbar gewesen.

Lindan-Staub kontaminierte die Region

Das seit langem verbotene Insektizid Lindan und der bei der Produktion entstehende Abfall wirken bei den Menschen wie Hormone, schreibt Forter. Die Stoffe stehen ausserdem im Verdacht, Krebs auszulösen. Der Altlastenexperte erinnert in diesem Zusammenhang an zwei unschöne Vorfälle aus Huningue. Die Firma Ugine-Kuhlmann habe zu Beginn der 1970er-Jahre tonnenweise Lindan-Abfall offen und unverpackt auf ihrem Fabrikareal gelagert. Der Wind habe den Gift-Staub über die Grenzen in die Region verweht.

In Riehen und Umgebung durfte in Folge keine Kuhmilch mehr getrunken werden. In einigen Grenzgemeinden hätten die Behörden damals die Mütter aufgefordert, ihre Säuglinge nicht mehr zu stillen, so Forter. Unter Druck geraten vergrub Ugine-Kuhlmann auf ihrem Gelände die Lindan-Abfälle. Nachdem zuerst die Chemiefirma Sandoz das Gelände kaufte um eine Kläranlage zu bauen, ist es jetzt im Besitz der Novartis. Diese ist nun mit der Beseitigung der Altlasten beschäftigt.

Was Novartis zu Forters Kritik sagt, war bis jetzt nicht in Erfahrung zu bringen. (gst)

Erstellt: 05.09.2013, 12:13 Uhr

Lindan-Beseitigung in Huningue: Wenn die Zelte im Wind flattern kann es im unteren Kleinbasel zu unangenehmen Gerüchen kommen. (Video: Martin Forter / Dave Joss)

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