Das Antikenmuseum hat einen neuen Direktor

Der neue Leiter des Basler Antikenmuseums, Andrea Bignasca, ist dort alles andere ein Unbekannter. Mit mehr Aktualitätsbezug und Provokation will der 50-Jährige den Besucherschwund bekämpfen.

Ein bekanntes Gesicht im Antikenmuseum: Andrea Bignasca war 15 Jahre lang Vizedirektor – jetzt übernimmt er die Leitung.

Ein bekanntes Gesicht im Antikenmuseum: Andrea Bignasca war 15 Jahre lang Vizedirektor – jetzt übernimmt er die Leitung. Bild: Mischa Christen

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Andrea Bignasca wird neuer Direktor des Antikenmuseums Basel und der Sammlung Ludwig. Der 50-jährige bisherige Vizedirektor folgt auf Anfang 2013 auf Peter Blome, der dem Museum seit 1993 vorsteht.

Der 1962 in Sorengo (TI) geborene Archäologe und Literaturwissenschaftler hat in Basel studiert und danach im Ausland geforscht. Seit 1997 ist Bignasca Vizedirektor des Basler Antikenmuseums; seit 2005 überdies Dozent an der Uni Basel. Er machte das Rennen aus 34 offiziellen Bewerbungen um Blomes Nachfolge, wie an einer Medienkonferenz am Mittwoch zu erfahren war.

Bignasca sei aufgrund seiner Fachkenntnisse, Berufserfahrungen und internationaler Vernetzung eine ideale Person für die Leitung und Weiterentwicklung des Museums, hiess es weiter. Regierungspräsident Guy Morin gab gleich einen neuen Kurs bekannt: Das Haus solle vom bisherigen Kunstmuseum der Antike neu zu einem Kulturmuseum werden.

Aktuelle Relevanz der Antike

Vorgesehen seien Ausstellungen, die antike Themen mit aktuellen Fragen verknüpfen, sagte Morin weiter. So soll das Antikenmuseum neue Besuchergruppen ansprechen. Laut Bignasca sinken die Besucherzahlen; die Neuausrichtung soll das Image des Veralteten abstreifen und die heutige Relevanz des Hauses deutlicher machen.

Das allgemein zunehmende Desinteresse an Historischem schreibt Bignasca der «globalisierten Eventgesellschaft» zu. Man müsse aber die Vergangenheit verstehen, um die Zukunft gestalten zu können. Kritische Denker der Antike wie Sokrates seien gerade heute sehr aktuell.

Viele zentrale Themen von damals würden derzeit heiss diskutiert, etwa Macht, Kommunikation, Religion oder Sport. Das Antikenmuseum werde unter ihm als öffentliche Plattform öfter Position beziehen - «auch auf provokative Weise», sagte Bignasca. Zudem soll die hochkarätige Dauerausstelung entsprechend umgekrempelt werden.

Bald Grundsatzentscheid zu Basler Museen

Morin kündigte zudem an, dass die verschiedenen baselstädtischen Museen und Institutionen, die sich mit historischen Themen beschäftigen, künftig deutlich enger zusammenarbeiten sollen. Unter anderen betrifft dies neben dem Antikenmuseum auch das Museum der Kulturen und die archäologische Bodenforschung.

Über einen angedachten Neubau beim Bahnhof St. Johann für das Naturhistorische Museum, dessen heutigen Standort unweit des Münsters das Antikenmuseum erben könnte, will die Regierung laut Morin «in den nächsten Wochen» einen Grundsatzentscheid fällen. Gegebenenfalls wäre ein Umzug frühestens in etwa sieben Jahren möglich.

Im letzten Jahr zählte das «Antikenmuseum und Sammlung Ludwig» gut 27'000 Besuchende - 2004 mit der grossen Sonderausstellung zu Tutanchamun waren es 628'000 gewesen. Das kantonale Museum ist das schweizweit einzige, das ausschliesslich der antiken Kunst und Kultur des Mittelmeerraums gewidmet ist. (jg/sda)

Erstellt: 15.08.2012, 13:31 Uhr

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