Das Biozentrum wächst dem Himmel entgegen

Der Neubau nimmt Form an – schon sind hinter der roten Wand mehrere Geschosse des Hochbaus erstellt. Am Schluss wird das neue Biozentrum 73 Meter hoch sein.

Turmbau zu Basel. Im November 2016 sollen Rohbau und Fassade des 73 Meter hohen Biozentrums fertiggestellt sein.

Turmbau zu Basel. Im November 2016 sollen Rohbau und Fassade des 73 Meter hohen Biozentrums fertiggestellt sein. Bild: Keystone

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Natürlich ist es heiss. Wir kennen ja nichts anderes diesen Sommer. Die Schreibenden kommen in Sandalen, kurzen Hosen oder luftigen Röcken. Die Bauequipe jedoch kennt kein Erbarmen. Sie steckt uns in Stiefel und setzt uns einen Helm auf den Kopf. Und so stiefeln wir hinter Mauro Pausa her auf eine der grössten Baustellen Basels. Hinter dem Kinderspital, auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses Schällemätteli, ist das neue Biozentrum am Entstehen. Rund 328 Millionen Franken investiert die Universität für den 73 Meter hohen Turm.

Pausa, Projektleiter beim Baudepartement, spricht von einer Durststrecke, die man beim Bau durchlaufen musste. Der Bau war blockiert, nachdem ein im Bieterverfahren unterlegener Generalunternehmer Rekurs eingelegt hatte. Diesen wies das Basler Appellationsgericht zwar vollumfänglich ab. Trotzdem musste man warten, bis klar war, dass der Kläger auf einen Weiterzug verzichtet. Im vergangenen Oktober konnten die Bauleute wieder loslegen.

Rote Wand schützt

Nun arbeiten 40 Angestellte der erstrangierten Generalunternehmung Erne AG aus Laufenburg auf der Baustelle – in Spitzenzeiten, während des Innenausbaus, werden es bis zu 800 sein. Und sie scheinen ihre Arbeit gut zu machen. Schon stehen vier Geschosse. Das ahnt von draussen jedoch kein Mensch, denn der Bau ist von einer roten Umwandung umhüllt. «Das ist eine bewährte Technik beim Hochhausbau», sagt Pausa. So müsse man keine Gerüste setzen, sondern habe rund um den Hochbau diese Wand, die langsam mitwächst. Dies hat auch den Vorteil, dass sich kein Arbeiter vor Schwindelgefühlen fürchten muss, denn er kann stets hinter der schützenden Abschrankung arbeiten.

Dies sei gang und gäbe für Hochhäuser mit einem hohen Wiederholungsfaktor der Geschosse, sagt Pausa. Zwei Fussballfelder gross ist die Baustelle mit den Auskragungen am Fusse des Hochbaus, oben haben die Geschosse eine Fläche von 40 auf 50 Meter.

Die Decken sind noch nicht völlig ausgetrocknet und müssen mit massiven Baumstämmen abgestützt werden. «Sie brauchen hundert Tage Trocknungszeit, damit nicht unerwünschte Verformungen auftreten», sagt Pausa.

Es ist ein schöner Beton, von einem edlen Silbergrau, auch die Wände schimmern in diesem Ton. Sie wirken warm und lebendig. «Alles Handarbeit», sagt Pausa. Wir sind im obersten Untergeschoss – dort, wo sich später die Eingangshalle, die Hörsäle und eine Cafeteria befinden werden. Wenn der Rohbau im November 2016 vollendet sein wird, werden 160'000 Tonnen Material drinstecken. Zum Vergleich: Ein Sattelschlepper wiegt vierzig Tonnen. 16 Ober- und 3 Untergeschosse wird der 73 Meter hohe Turm haben und im Rohbau sieht er aus wie ein umgekehrter Pilz.

Hoffnung auf faire Löhne

Und wenn man so dasteht und von oben auf den Bau sieht, auf die braun gebrannten Männer, die im Schweisse ihres Angesichts schuften, so hofft man von ganzem Herzen, dass sie zu fairen Bedingungen angestellt sind. Beim Roche Tower hatte die Unia Fälle von massivem Lohndumping aufgedeckt. Man habe das Bestmögliche aufgegleist, versprach die Regierung in der Beantwortung eines Vorstosses von Sarah Wyss (SP). Und es sei auch nicht mehr dasselbe Subunternehmen im Spiel, erklärte Pausa. Und, fügte er hinzu, den Arbeitern stünden bei dieser Hitze mehr Pausen sowie frisches Obst und gratis Mineralwasser zu.

So sieht man auf die roten Kräne, die in den wolkenlosen blauen Himmel ragen, und versucht sich vorzustellen, wie das Leben nach dem Umzug im Jahr 2018 dort aussehen wird. 600 Mitarbeiter werden tüfteln und lehren, 800 Studierende ihr Hirn mit Wissen füllen. Doch in den beiden unteren Geschossen wird das Herz des Baus, die Haustechnik, arbeiten. Sie nimmt einen Fünftel der Nutzfläche von über 23'000 Quadratmetern ein. Eine Heizung jedoch braucht es nicht, da durch die Prozessenergie schon genügend nutzbare Abwärme produziert wird. Und glaubt man den Versprechungen, so sollen auf dem künftigen Universitätscampus ein Baumhain sowie Sitzgelegenheiten, ein Wasserspiel und Kunst entstehen. Im besten Fall dürfte also nicht nur ein Ort des Wissens und der Lehre entstehen, sondern auch einer der Begegnung. Die Eröffnung soll im September 2018 stattfinden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.07.2015, 16:58 Uhr

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