Das Claraspital ist bei Spitzenmedizin top

Bei hochkomplexen Bauch-Operationen legt das Basler Privatspital beeindruckende Zahlen vor – staatliche Spitäler sind unter Druck.

Gruss an die Konkurrenz: Das Claraspital setzt die staatlichen Spitäler unter Druck.

Gruss an die Konkurrenz: Das Claraspital setzt die staatlichen Spitäler unter Druck. Bild: André Mühlhaupt

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Nun geht es um die Wurst – besser, um das Skalpell: 2015 zeigt sich, welche Spitäler künftig noch welche hochkomplexen Operationen durchführen dürfen. Einige Leistungsaufträge für hochspezialisierte Medinzin (HSM) sind Ende 2014 ausgelaufen oder laufen dieses Jahr aus. Die Leistungserbringer müssen nun also Zahlen auf den Tisch legen. Wer zu wenig komplizierte Patienten im OP hatte, also die vorgegebene Mindestfallzahl nicht erreicht, der verliert Leistungsaufträge.

In der Region Basel bieten drei Spitäler HSM an: das Universitätsspital Basel, das Kantonsspital Baselland und als einziges Privatspital das Claraspital. Das Unispital hat in der Region in den meisten HSM-Disziplinen ein Monopol, beispielsweise bei Hals-Nasen-Ohren, bei Transplantationen oder in der Neuro­chirurgie. Bei den Bauchoperationen jedoch stehen alle drei Spitäler in direkter Konkurrenz. Eine für die Nordwestschweiz mittelfristig ungünstige Ausgangslage, weil sich die drei Spitäler Fälle wegnehmen und damit möglicherweise auf zu wenig Operationen kommen. Das könnte, wenn keine Absprache erfolgt, dazu führen, dass einzelne Eingriffe nicht mehr in Basel gemacht werden dürfen. Die Patienten müssten dann etwa nach Bern oder Zürich fahren. Noch schauen die Spitäler auf sich und ihre Zahlen.

Privatspital ist günstiger

Das Claraspital legt jetzt seine Zahlen offen. Grundsätzlich fällt in qualitativer Hinsicht auf, dass das Claraspital 2014 bei äusserst anspruchsvollen Eingriffen eine Mortalitätsrate von null hatte. Auch in Bezug auf die Infektionen weist das Claraspital tiefe 2,2 Prozent aus. Und preislich ist das Privatspital zudem günstiger als die zwei staatlichen Spitäler. Jede Behandlung hat einen fixen Preis. Als Grundlage für die Berechnung der Preisliste dient die Baserate, die das Spital mit den Versicherungen aushandelt. Die Baserate liegt beim Clara bei 9690 Franken, beim Kantonsspital BL bei 10 100 Franken und beim Uni-Spital bei 10 350 Franken. Entscheidend, ob ein Leistungserbringer einen HSM-Eingriff durchführen darf oder nicht, sind jedoch nicht die Kosten, sondern die Fallzahlen.

Gefährdet ist im Claraspital der Bereich der Leberresektion, also der Teilentfernung der Leber. Gemäss interkantonaler Spitalliste zur HSM hat das Claraspital dafür nur einen provisorischen Leistungsauftrag. Das heisst, dass die Fallzahlen bisher ungenügend waren. 2014 hat die Privatklinik 27 Leberresektionen durchgeführt – die Mindestfallzahl liegt bei 20. Damit ist es wahrscheinlich, dass das Claraspital auch künftig diesen Eingriff wird durchführen dürfen.

Unispital hält sich bedeckt

In anderen Disziplinen ist das Clara­spital solid. Bei den Speiseröhrenentfernungen hatte die Klinik mit 32 Fällen mehr als doppelt so viele, als verlangt sind. 20 Bauchspeicheldrüsenentfernungen sind vorgegeben, das Spital hat 27 durchgeführt. Die Mindestfallzahlen werden von den Gesundheitsdirektoren vorgegeben. Hinter der Mindestfallzahl steht die These: Je mehr operiert wird, desto besser ist die Qualität des Eingriffs. Stark ist das Claraspital bei der tiefen Rektumresektion, also der Entfernung des Enddarms: 25 Operationen sind vorgegeben, das Privatspital führte 48 hochkomplexe Eingriffe durch – von insgesamt 344 Operationen am Enddarm. Oder: Von 164 Operationen von krankhaftem Übergewicht sind 64 HSM-relevant – Mindestfallzahl wäre hier 25.

Das Universitätsspital war zunächst bereit, Zahlen zu liefern, und fragte nach, welche Leistungen verglichen werden sollen. Dann liess das Uni-Spital mitteilen: «Wie alle anderen Spitäler wartet auch das Universitätsspital Basel auf die geprüften und somit offiziellen Zahlen im Bereich Viszeralchirurgie, aufgrund derer das HSM-Beschluss­organ die Zuteilungsentscheide in der hochspezialisierten Medizin fällen wird.» Wenn diese Zahlen öffentlich publiziert worden sind, werde das Universitätsspital Basel Stellung nehmen. «Wir möchten aber vermeiden, dass aufgrund von provisorischen Zahlen Vergleiche zwischen Spitälern angestellt werden. Insofern muss ich Sie vertrösten, bis die offiziellen Zahlen vorliegen», schreibt Spitalsprecher Martin Jordan. Claraspital CEO Peter Eichenberger sagt zu seinen bereits jetzt genannten Angaben: «Das sind die Zahlen, die wir der Gesundheitsdirektorenkonferenz abgeben und für die wir als Claraspital geradestehen.»

Kantonsspital Baselland schweigt

Auch beim Kantonsspital Baselland gibt man sich zugeknöpft. Dessen CEO Jürg Aebi teilt der BaZ mit: «Es ist nach wie vor so, dass wir die Zahlen nicht bekannt geben.» Da künftig genügend HSM-Fälle an einem Standort erreicht werden müssen, sei das Spital momentan daran, die Eingriffe standortspezifisch neu zuzuordnen. «Diese Zuordnung soll dazu dienen, in den von uns angestrebten Fachgebieten die geforderten Mindestzahlen auch zu erreichen», sagt Aebi weiter und fügt an: «Wir stehen hier mitten im Prozess und es ist zu früh, verbindliche Aussagen zu machen.»

Die Zurückhaltung der beiden staatlichen Betriebe ist ebenso verständlich wie das Selbstbewusstsein des Privatspitals. Sowohl bei der Speiseröhren- als auch bei der Bauchspeicheldrüsenentfernung hatten beide öffentliche Spitäler nur provisorische Leistungsaufträge. Zudem laufen dieses Jahr die beiden Aufträge für den Tiefen Rektum und die komplexe Behandlung von Übergewicht aus. Letztere Disziplin hatte sich das Kantonsspital bis vor Bundesverwaltungsgericht erkämpft. Das Beschlussorgan der Schweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz vergibt Leistungsaufträge. Von dessen Zusammensetzung her hat das Uni­Spital leichte Vorteile: Im zehnköpfigen Gremium sitzt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.04.2015, 07:21 Uhr

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