Das Ende der Villa Rosenau

Gestern haben Bagger die umstrittene Villa Rosenau dem Erdboden gleichgemacht. Ein grosses Polizeiaufgebot musste die letzten verbliebenen Bewohner vertreiben.

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«Wir sind wohlauf.» Diese Aussage haben die letzten Bewohner der Villa Rosenau auf einem Leintuch an die Aussenwand gehängt. Aber ihr Erwachen um fünf Uhr gestern Freitag war ein böses: Vor dem Haus, das am letzten Sonntag brannte und laut der Gebäudeversicherung Basel-Stadt einen Totalschaden erlitt, fuhren Bagger vor, um mit dem angekündigten Abriss zu beginnen. Gegen 20 Polizisten forderten die Bewohner auf, das einsturzgefährdete Haus an der Neudorfstrasse zu verlassen. Sie waren unter anderem mit Schilden und Mehrzweckwerfern ausgerüstet. «Wir wussten nicht, was uns erwartet, deshalb haben wir die Polizei um Hilfe gebeten», sagt Marc Keller, Mediensprecher des Bau- und Verkehrsdepartements.

Angetroffen haben die Polizisten schliesslich zwei Bewohner, die sich im Haus aufhielten und die es nach mehrmaliger Aufforderung über eine Leiter verlassen hätten. Eine weitere Person versteckte sich in einem Schuppen neben dem Gebäude. Die Polizei habe sie vom Gelände weggebracht. «Das Haus war in einem heiklen und chaotischen Zustand», sagt Keller. Man habe neben viel Sperrgut auch offene Stromleitungen vorgefunden und ein paar Gas­flaschen hinausgeräumt.

Um 8.36 Uhr zupfte dann ein ­Bagger der Firma Eberhard die grüne Blache vom Dach. Sie war nach dem Brand ­provisorisch angebracht worden. Bald stürzten die ersten Wände des Leichtbaus ein. Es knackte und stob.

Die Polizei blieb hart

Ein ehemaliger Bewohner sah sich die Szene hinter der Absperrung an. Er wirkte aufgewühlt. Eine Mischung aus Wut und Enttäuschung. «Ich finds einfach traurig», sagte er. Später tauchte eine junge Frau mit roter Mütze und Bluejeans auf – den Tränen nahe. Sie rannte auf die Polizisten zu, die das Areal absicherten und schrie: «Halt, halt, ich muss da rein. Da sind die einzigen persönlichen Dinge drin, die ich besitze.» Die Polizei blieb hart. Inzwischen wuchs der Trümmerhaufen. Die Dieselmotoren der Baumaschinen brummten. Neben dem Abrissbagger, den der Führer mit viel Fingerspitzengefühl lenkte, waren ein etwas kleinerer Bagger sowie ein weiteres Raupenfahrzeug im Einsatz. Leere Container warteten auf Inhalt. Ein älterer Herr fand, es sei Zeit, dass das seit 2004 besetzte Haus wegkomme. Früher wohnten seine Grosseltern auf dem Areal. Er habe als Kind in den Gärten gespielt. Damals, in der ehemaligen Sozialsiedlung Rosenau, von der die Villa das letzte Überbleibsel war. «Das ist der Kreislauf der Zeit», sagte der Mann.

Wie das Areal, das jetzt im Besitz des Kantons steht, künftig genutzt werden wird, ist noch unklar. Immobilien Basel-Stadt werde demnächst mit der Ausarbeitung einer Arealstrategie beginnen, heisst es in einem Communiqué von gestern.

Hanf im Wohnwagen

Neben zwei Lieferwagen und diversem Hausrat liessen die ehemaligen Bewohner auch einen Wohnwagen voller Hanfpflanzen zurück. Ob der Brand vom Sonntag, der von einem anderen Wohnwagen nahe der Fassade ausging und auf das Gebäude übergriff, auch im Zusammenhang mit den rauchbaren Cannabisblüten steht, ist unklar. Wahrscheinlich ist, dass eine überlastete Stromleitung, die vom Haus in den Wohnwagen führte, den Brand ausgelöst hat. Anlagen zum Ziehen von Hanf mit Rotlicht, Wärmestrahlern und Ventilatoren brauchen viel Strom.

Von dem Abriss nahmen auch ­Sicherheitsdirektor Baschi Dürr, mit schwarzem Hut und Mantel, sowie Baudirektor Hans-Peter Wessels einen Augenschein. Wessels: «Ich bin froh, dass die Geschichte der Villa Rosenau mit dem Abriss geendet hat und beim Brand niemand zu Schaden gekommen ist.» Bereits heute Abend soll nichts mehr an die autonome Kommune erinnern. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.02.2013, 07:11 Uhr

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Das besetzte Haus wird nach einem Brand abgebrochen. Ehemalige Bewohner und Nutzer weinen ihm Tränen nach. Ist es richtig, dass die Villa Rosenau verschwindet?

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