«Das Trois Rois sollte in Basler Händen bleiben»

Der ehemalige Direktor Ruedi Schiesser begleitet das Grandhotel seit 20 – zum Teil bewegten – Jahren. Dass kein Basler Investor um das zum Verkauf stehende Haus buhlt, enttäuscht ihn.

Manager im Hintergrund: Ruedi Schiesser ist beim Airport Hotel wie beim Hotel Les Trois Rois Präsident des Verwaltungsrates.

Manager im Hintergrund: Ruedi Schiesser ist beim Airport Hotel wie beim Hotel Les Trois Rois Präsident des Verwaltungsrates. Bild: Moira Mangione

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Ruedi Schiesser ist nicht jemand, der sich selber gerne in Szene setzt. Schon als Direktor im Grandhotel Les Trois Rois hat er sich lieber um die vielen Details im Hintergrund gekümmert, als stolz durch sein Hotel zu marschieren und Smalltalk mit den Gästen zu machen. 20 Jahre ist es nun her, dass der Basler Schiesser Direktor des ältesten und bekanntesten Basler Hotels wurde. Seitdem ist er immer wieder in neue Projekte involviert gewesen, doch auch dies weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit.

So hat er vor zehn Jahren massgeblich mitgeholfen, dass das Grand Casino beim Flughafen realisiert werden konnte, und beim Airport Hotel präsidiert Schiesser den Verwaltungsrat. «Es müssen nicht alle Leute wissen, was ich genau mache. Manche meinen sogar, ich würde seit meiner Zeit im Les Trois Rois privatisieren», sagt Schiesser.

Grosser Coup beim Casino

Der grösste Coup ist ihm zweifellos gelungen, als er für die französische Groupe Tranchant – mit der er verwandtschaftlich verbunden ist – den Zuschlag für die Bewilligung eines Spielcasinos in Basel ergattern konnte. Im Rennen war auch die Messe Basel, und «alle gingen davon aus, dass sie gewinnt», erinnert sich Schiesser. Doch der Bundesrat vergab die Bewilligung der Gruppe, die bereits über ein Dutzend Casinos in Frankreich betreibt.

In diesem Herbst feiert das Grand Casino Basel sein zehnjähriges Bestehen. «Sechs Millionen Eintritte haben wir seitdem verzeichnet und über 495 Millionen Franken an Steuern abgeliefert», sagt Ruedi Schiesser. Vor sechs Jahren kam noch das Airport Hotel hinzu. Schiesser ist heute Verwaltungsratspräsident des Les Trois Rois, des Grand Casino und des Airport Hotels und er sitzt im Verwaltungsrat der Prodoba Hotelservice AG und der Confiserie Schiesser. In Neuchâtel und La Chaux-de-Fonds besitzt er zudem zwei Hotels.

Hoteleröffnung in Afrika

Das Hotelbusiness steht Ruedi Schiesser am nächsten. Bereits als 26-Jähriger eröffnete er ein Hotel in Kamerun und seither hat er für verschiedene Betriebe gearbeitet. Einschneidend war sicherlich seine Rückkehr nach Basel vor 20 Jahren. Damals gehörte das Haus der Comtesse Albina du Boisrouvray und es hatte seine aller­besten Zeiten hinter sich. Ruedi Schiesser bekam alle Hände voll zu tun, um die Zugehörigkeit zu den «Leading Hotels of the World» weiterhin zu rechtfertigen.

Eine Modernisierung des Hauses schien sich im Jahr 2000 mit der Übernahme durch die Genfer Richemond-­Heritage-Gruppe anzukündigen. Die angrenzende Liegenschaft an der Schifflände, wo der Verkehrsverein ­seine Büros hatte, konnte dank den Bemühungen des damaligen Finanzdirektors Ueli Vischer und des Leiters der staatlichen Liegenschaftsverwaltung, Werner Strösslin, als Anbau zum Hotel erworben werden.

Zusammenarbeit mit Straumann

Doch als das Par­lament diesen Deal bewilligt hatte und es an die Umsetzung der Baubewil­ligung ging, setzten die Besitzer ­plötzlich andere Prioritäten und schoben die Sanierung und Erweiterung des Grandhotels auf unbestimmte Zeit hinaus. «Die Baubewilligung drohte auszulaufen, und damit wäre eine einmalige Chance für dieses Hotel vertan gewesen», sagt Ruedi Schiesser. Er fragte bei den Besitzern nach, wie hoch denn der Verkaufspreis sei und suchte mit dieser Vorgabe einen neuen Besitzer. «Das war sehr schwierig, denn die Leute hatten Angst, in ihrer eigenen Stadt in ein Luxus­hotel zu investieren.»

Über den Architekten Christian Lang, der im Les Trois Rois Zimmer renovierte und der auch für Thomas Straumann arbeitete, fand er Zugang zum Implantatehersteller. «Wir haben sofort gemerkt, dass wir das Heu auf der gleichen Bühne haben», sagt Schiesser. Innerhalb von nur zwei Wochen beschloss Straumann das Les Trois Rois zu kaufen. «Für mich war das einer der schönsten Tage, als ich wusste, dass das Hotel eine Zukunft hat», meint Ruedi Schiesser.

Den Verkauf verhindern

Straumann, Lang und Schiesser verhalfen dem altehrwürdigen Luxushotel wieder zu neuem Glanz. Ruedi Schiesser sah sich jedoch in der Situation, das Les Trois Rois umzubauen und gleichzeitig das Casino aufzubauen. Deshalb einigte er sich mit Thomas Straumann darauf, den Umbau zu begleiten, aber gleichzeitig nach einem neuen Direktor zu suchen. Schiesser fand schliesslich in Tanja Wegmann eine Direktorin, die das Haus ab 2007 führte. Heute ist Reto Kocher General Manager des Grand­hotels Les Trois Rois.

«Dass das Hotel jetzt verkauft werden soll, ist für mich nicht ganz einfach», sagt Ruedi Schiesser. «Wir haben in Basel ein Riesenglück, überhaupt ein solches Luxushotel zu haben. Das Haus hätte es schon lange verdient, Hotel des Jahres zu werden.» Als Verwaltungs­rats­präsident und -delegierter möchte Schiesser das Les Trois Rois weiterhin in Basler Händen wissen. Doch die Verkaufsverhandlungen ziehen sich dahin. «Es ist schon enttäuschend, dass niemand aus der Region Interesse an diesem Hotel zeigt.»

Am liebsten würde er Thomas Straumann überzeugen, das Hotel zu behalten. «Er, seine Frau und ich haben so viel Herzblut in dieses Hotel gesteckt, dass es einfach schade wäre, wenn jetzt irgendeine Kette das Haus übernimmt», meint Ruedi Schiesser und wird auch etwas wehmütig: «Ich habe 20 Jahre in und mit diesem Hotel verbracht und es waren ganz tolle Jahre.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.10.2013, 13:32 Uhr

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