Der Kampf gegen den Buchsbaumzünsler scheint verloren

Statt stolzer Zierde wird Buchs immer öfter zum unheilbaren Patienten: Nur drei Jahre nach dem Auftauchen des Buchsbaumzünslers ist er mit Spritzen nicht wegzubekommen, wie die Stadtgärtnerei Basel festhält.

Mit Insektiziden ist dem Buchsbaumzünsler nicht beizukommen.

Mischa Hauswirth

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Ein Jahrtausend nach der Einführung durch die Römer droht das Ende des Buchsbaumes als Zierstrauch in Schweizer Gärten, von Basel bis ins Mittelland und Zürich. Der unscheinbare Falter Buchsbaumzünsler tritt teils schon in solchen Massen auf, dass die ganzjährig grüne Pflanze dem Stress nicht gewachsen ist und abstirbt.

Die ersten heurigen Raupen zeigten Vertreter der Stadtgärtnerei Basel am Donnerstag den Medien beim grossen Friedhof am Hörnli. An unbehandelten Buchs-Hecken sind die Raupen schon zentimeterlang. Mit etwa fünf Zentimetern verpuppen sie sich. Der Falter lebt rund acht Tage, legt viele Eier und stirbt. Kleine Raupen überwintern.

Fressfeinde fehlen

Einheimische Vögel und andere potenzielle Fressfeinde haben diesen Zünsler mit seinen bis zu vier Generationen im Jahr noch nicht für sich entdeckt, sagte Yvonne Aellen, Leiterin Grünflächenunterhalt der Stadtgärtnerei. Das könne Jahre dauern. Jüngste Hoffnung der Forschenden ist eine Raubspinnenart, doch Erkenntnisse sind noch rar.

Gemäss Beobachtungen hätten schon Meisen und Rotschwänze Raupen gepickt, sie dann aber wieder ausgespuckt, sagte die Biologin Florine Leuthardt, die an der Uni Basel dem Buchsbaumzünsler ihre Dissertation widmet. Noch sei offen, ob das daran liegt, dass der Buchs als Pflanze giftig ist.

So bleiben zur Bekämpfung Handarbeit oder zwei legale Spritzmittel: Man kann die Raupen an kleineren Büschen regelmässig alle ablesen, abklopfen oder mit Wasserstrahl abstreifen; sie sind verschlossen zu entsorgen. Bei grösseren Büschen kann man scharfe Bio-Präparate mit Schutzkleidung und Atemmasken spritzen, respektive Profis spritzen lassen.

Pflanzengrosshandel als Zünsler-Schleuder

Weil Spritzen heikel und teuer ist, stellt sich die Stadtgärtnerei Basel darauf ein, dass diverse Buchsbestände nicht zu retten sind. Sie will nur noch gezielt historisch wertvolle Büsche in Parks oder auf Friedhöfen schützen. Heute müssten sich Gartenbesitzer fragen, ob sie nicht gleich besser etwas anderes pflanzen, sagt Aellen.

Inzwischen frisst sich der Buchsbaumzünsler auch an der Zürcher Goldküste, mancherorts am Jurasüdfüss, Bodensee, bei Chur und in der Ajoie durch die Ziersträucher. Angesichts eines Eigenradius' von geschätzten fünf Kilometern im Jahr nimmt man an, dass er sich via Pflanzenhandel ausbreitet. So dürfe er auch aus Asien angereist sein.

Im Gegensatz zu Fachgärtnereien fehle bei Baucentern wohl dem Personal die Sachkompetenz, rechtzeitig die winzigen Zünslereier und unscheinbaren Jungraupen zu erkennen, schätzt Leuthardt. Bei drei von sechs Test-Ladenbesuchen 2009 hatten jedenfalls befallene Buchsbüsche in den Regalen gestanden.

Dem Buchs droht übrigens nicht nur von asiatischen Faltern Ungemach, sondern auch von einem Pflanzenpilz: Dieser dezimiert allerdings vor allem natürliche Buchsbestände in Wäldern, die vom Zünsler bisher in Ruhe gelassen werden. (amu/sda)

Erstellt: 08.04.2010, 23:31 Uhr

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