Der alltägliche Behördenwahnsinn

Der Bau einer Lounge beim Club de Bâle zeigt eindrücklich, welche Hürden die Behörden Architekten und Bauherren in den Weg legen.

Bald belebt. Der Zigarrenladen soll unter dem Club de Bâle im ehemaligen Café Spillmann gebaut werden.

Bald belebt. Der Zigarrenladen soll unter dem Club de Bâle im ehemaligen Café Spillmann gebaut werden. Bild: Stefan Leimer

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Noch sind die Fenster im unteren Raum des ehemaligen Café Spillmann am Rhein bei der Mittleren Brücke verklebt: «Davidoff of Geneva – coming soon» steht da. Doch seit bald einem Jahr ist noch nichts geschehen. Eine Nachfrage ergibt Folgendes: «Wir haben schon vor über einem Jahr die Baubewilligung für den Umbau des Gebäudes für den Club de Bâle samt Ladengeschäft unten bekommen», sagt Christian Lang, Inhaber der Villa Nova Architekten AG. Als jedoch klar wurde, dass Davidoff den unteren Teil der Liegenschaft betreiben wird, mussten die Architekten ein Ergänzungsbaugesuch nachreichen. «Das ist die seit Jahren zunehmende Verkomplizierung in Basel. Alles muss separat bewilligt werden», sagt Lang.

Die Architekten taten es wie verlangt. Doch dieses Ergänzungsgesuch war wieder mit Auflagen verbunden. Nun forderten die Behörden, dass die Zigarrenluft nicht über den Rhein, sondern über das Dach abgeleitet wird. Auch dieser Aufforderung kamen die Architekten nach und zeichneten die Pläne beflissen um. Doch die Behörden stellten fest, dass klimatisierte Humidore eingesetzt werden. Die Aufbewahrung von qualitativ hochwertigen Zigarren erfordert solche. Eine Klimatisierung jedoch ist nur erlaubt, wenn das Sonnenlicht durch Storen gemildert wird. Diese wiederum unterliegen einer denkmalpflegerischen Begutachtung und sind nur sehr beschränkt möglich. Mit dem Geplänkel von Storen, Klima und Abluft verstrichen also einige Monate.

Türe soll zugemauert werden

Als alles zur Zufriedenheit der Behörden erledigt war, wollten sich Architekten, Liegenschaftsbesitzer und Davidoff schon die Schweissperlen von der Stirn streichen und aufatmen. Da kam der nächste Hammer. Das Gast­gewerbeinspektorat verlangte überraschend eine einschneidende Massnahme. Man bewillige das Davidoff-Geschäft samt Lounge nur, wenn die Türe zwischen Club und Laden zugemauert wird. Eine Türe notabene, die im ersten Baugesuch bereits bewilligt worden war.

Mit dieser Massnahme ist jedoch eines der Hauptanliegen von Daniela Spillmann, Vizepräsidentin des Club-de-Bâle-Verwaltungsrates, dahin. Sie hätte sich gewünscht, dass zwischen Clubmitgliedern und Volk ein Austausch stattfindet. Das hätte in dieser Davidoff-Lounge geschehen können. «Der Club ist jetzt wieder mehr abgeschottet», sagt Lang. Ein Schleichweg bleibt den Clubmitgliedern: Sie können oben aus dem Haus gehen, aussen die paar Meter den Rheinsprung runterlaufen und unten wieder in die Davidoff-­Lounge rein – sofern sie den Laden finden. Denn das Reklamebegehren seitens Davidoff wurde als nicht bewilligungsfähig zurückgewiesen.

«Das zeigt, wie unglaublich schwer es einem in dieser Stadt immer wieder gemacht wird, etwas aufzubauen und Arbeitsplätze zu generieren», sagt Gewerbedirektor Gabriel Barell. Der Regierungsrat sage zwar, er sei ein Ermöglicher, doch das hier sehe nach Verhinderer aus. Ein solches Verhalten der Behörden sei so frustrierend, dass viele Unternehmer keine Lust mehr hätten, etwas anzupacken. Störend sei auch, dass nur zwei Kilometer weiter im deutschen Raum viel mehr möglich sei. «Da sollte man doch mit gleichen Ellen messen», sagt Barell.

Umbau beginnt trotzdem

Davidoff wird trotzdem in den kommenden Tagen mit den Umbauarbeiten für die Zigarrenlounge und den Laden beginnen. Wie Pressesprecherin Paloma Szathmáry sagt, sei zwar ein Rekurs gegen die Verweigerung für den direkten Zugang vom Club de Bâle in den Laden hängig. Den Entscheid der Baurekurskommission erwarte man für den Mai. «Wir sind jedoch befugt, mit den Bauarbeiten zu beginnen, bevor wir den Entscheid der Rekurskommission vorliegen haben», sagt Szathmáry.

Anscheinend hat das Gastgewerbeinspektorat die Bewilligung für den Zugang verweigert, weil es davon ausgeht, dass die Zigarrenlounge als Fumoir des Club de Bâle dienen wird. Ein solches Gesuch müsse daher vom Club de Bâle eingereicht werden.

Kein Restaurant in der Lounge

Paloma Szathmáry betont jedoch, dass die Zigarrenlounge nicht das Fumoir des Club de Bâle sei. Sie stehe allen Interessierten offen, unabhängig von der Mitgliedschaft im Club de Bâle. Sie werde auch von der Oettinger David­off AG betrieben. Der Club de Bâle habe weder betrieblich noch finanziell etwas damit zu tun.

Die Zigarrenlounge sei auch kein Restaurant, teilt Szathmáry weiter mit. Man könne im Laden lediglich die Zigarren kaufen und sie bei Bedarf in der Lounge auch gleich konsumieren. Man halte jedoch an der Idee fest, dass der Laden und die Zigarrenlounge zusätzlich zum Strasseneingang Eisengasse 1 während der Laden­öffnungszeiten auch einen internen Zugang vom benachbarten Club de Bâle erhalten.

Erschwerend bei der Beurteilung eines Baugesuchs kommt hinzu, dass meist verschiedene Ämter involviert sind. So war in diesem Fall beispielsweise die Energiefachstelle des Amtes für Umwelt und Energie für die Auflagen bezüglich der Klimaanlage zuständig. «Wenn man einen Raum kühlen will, so muss man ihn beschatten», sagt Marcus Diacon vom Amt für Umwelt und Energie. Das sei durch die SIA-Norm vorgegeben. Und da die Storen aussen angebracht werden müssten, komme bei einer denkmalgeschützten Liegenschaft automatisch auch die Denkmalpflege ins Spiel.

Beim Rauchabzug war das Luft­hygieneamt beider Basel involviert. «Gemäss den gesetzlichen Vorgaben muss gewerbliche Abluft über das Dach geführt werden, damit keine unangenehmen Gerüche entstehen», sagt Amtsleiter Andrea von Känel. Richtung Rhein könne sie nicht geführt werden, da Abluft, die nicht frei ausgestossen wird, Turbulenzen verursachen, ums Haus ziehen und eventuell wieder in die Gassen drücken könne. «Mit einem korrekten Verfahren werden Reklamationen und eine Ungleichbehandlung vermieden», sagt von Känel. Und letztlich könne so aufwendigen Beschwerdeverfahren vorgebeugt werden.

Das Gastgewerbeinspektorat kann aufgrund des laufenden Verfahrens nichts zur Sache mit dem Zumauern der Türe sagen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.03.2015, 07:48 Uhr

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