«Die wollen mich mundtot machen»

Dunkle Mächte beherrschen den Planeten. Ein investigativer Journalist aus Basel kämpft mit seinem Internet-Radio seit einem Jahr dagegen an. Doch nun hat das Imperium zurückgeschlagen.

Der Basler Radiomacher Detlev Hegeler durfte sich diese Woche auf dem TV-Sender Schweiz5 ausführlich erklären.


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Detlev Hegeler ist empört. Letzte Woche erhielt der Deutsche in seiner Basler Wohnung Besuch von der Polizei. «Ein ganzes SWAT-Team ist bei mir eingedrungen», beschreibt Hegeler den «Überfall», wie er es nennt. Die 15 bis 20 bewaffneten Beamten hätten bei der anschliessend Hausdurchsuchung sämtliche Computer, Kameras und Datenträger mitgenommen. «Und ich durfte die Aktion nicht einmal filmen», ärgert sich der Mitvierziger. Die Höchststrafe für einen investigativen Journalisten wie ihn. Hegeler betreibt nämlich seit März 2011 in Basel das Internet-Radio «Wake News», eine deutschsprachige «Alternative zu den Matrix-Massenmedien», zu denen wohl auch die BaZ zählt, und die im Besitz der «dominanten irrsinnigen Minorität» sind. Genau weiss man das allerdings (noch) nicht.

Sie sind verwirrt? Wir sind es auch. Und Detlev Hegeler erst recht. «Alles ist sehr merkwürdig», murmelt er, als er von der Razzia in seiner Wohnung erzählt. Üble Nachrede wirft ihm ein deutscher Staatsanwalt vor, auf dessen Rechtshilfebegehren hin die Basler Polizei nun sein Equipment konfisziert hat. Ein Begehren, das niemals rechtens sein könne, da die BRD gar kein souveräner Staat sei. Und somit gelten auch die Staatsverträge mit Deutschland nicht. Das werde aber stets vertuscht, obwohl sich der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble erst kürzlich verraten habe, behauptet der Radiomann.

Kein Glück als Selbständiger

Doch lassen wir die Aussenpolitik kurz beiseite und wenden uns wieder der Razzia in Hegelers Wohnung zu: Der Basler Polizeisprecher Klaus Mannhart, der in einer «Wake News»-Sendung auch schon als «Basler Polizeichef» bezeichnet wurde, bestätigt, dass Hegeler von der Polizei besucht wurde. Mehr will er aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht sagen. Umso redseliger ist hingegen Hegeler selbst. «Ich bin wohl in einer meiner Sendungen jemandem zu sehr auf den Schlips getreten», vermutet er. «Wahrscheinlich in jener Sendung, in der ich die ungerechte Behandlung von Hartz-IV-Empfängern in einem Lörracher Job-Center anprangerte.»

Das Thema ist ihm aus eigener Erfahrung vertraut, lebt er doch in Basel seit einiger Zeit selbst von der Sozialhilfe. Der diplomierte Betriebswirtschafter ist vor 18 Jahren als Angestellter eines Grosskonzerns in die Schweiz gekommen. Später hat er sich als Wirtschaftsberater selbständig gemacht. Dummerweise seien seine wichtigsten Kunden «aufgrund der Finanzkrise» nach und nach Konkurs gegangen. Mit ihnen ging dann auch Hegelers Consulting-Unternehmen unter.

Die Armee der Irrsinnigen

«Diese Zeit hat mir die Augen geöffnet», beschreibt Hegeler sein Erwachen. Immer mehr seien ihm die Zusammenhänge bewusst geworden. «Nicht durch Leistung entsteht Wertschöpfung, sondern einzig und alleine durch Schuldaufnahme». Und hinter dem weltweiten Finanzsystem stehe eine Gruppe von rund 5000 bis 6000 Menschen, die alles kontrolliert. Eben jene «dominante irrsinnige Minorität», oder kurz DIM. Es sei allerdings wenig bekannt über diese Personen. Noch nicht. Hegeler hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Welt von den ungeheuerlichen Vorgängen auf diesem Planeten zu berichten. Von den DIMs. Aber auch von den CRAPs, was ausgeschrieben «Criminals Run All Politics» bedeutet. Oder frei übersetzt: Kriminelle, die alle politischen Entscheidungen beherrschen. Letztere sind die Handlanger der DIMs. Die Lobbyisten, die Regierungen schmieren und Revolutionen anzetteln. «Zum Beispiel Henry Kissinger oder George Soros».

Der Zufall will es, dass die Fäden des internationalen Finanzsystems in Basel zusammenlaufen. In der Stadt, in der Hegeler gestrandet ist. Und in der er nun seinen Radiosender betreibt, der nach eigenen Angaben mittlerweile einiges an Beachtung findet. «Die täglichen Besucherzahlen der Webseite liegen im sechsstelligen Bereich», freut sich der «Journalist». Ein immer grösseres Publikum will von ihm hören, wie er die DIMs und die CRAPs an den Pranger stellt. Wie er erklärt, dass die DIMs sogar über eine eigene Armee verfügen («die Nato!»), mit der jene Mächte weggebombt werden, die sich mit den DIMs nicht arrangieren wollen («Irak!, Afghanistan! Bald auch Syrien!»).

Lebensversicherung per Impressum

Dass seine Art der Berichterstattung auch gefährlich sein kann, ist ihm bewusst. Deshalb hat er sich mit einem Vermerk auf seiner Webseite abgesichert: «Keiner bei uns plant irgendwelche Selbstmorde! Sollte einem von uns etwas geschehen, dann kann sicher von Fremdverschulden ausgegangen werden!» Angst habe er keine, gibt sich Hegeler kämpferisch. Die dunklen Mächte haben nun aber ihm gegenüber die Muskeln spielen lassen, in dem sie sein gesamtes Equipment eingesammelt haben. «Die wollen mich mundtot machen», ist sich der Radiomann sicher. Das gelingt ihnen aber nicht: Bis er seine Ausrüstung zurückhat, erhält er auf einem befreundeten Internet-Radio Sendezeit. Ein richtiger Journalist lässt sich eben von einigen Rückschlägen nicht aufhalten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.05.2012, 16:12 Uhr

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