Die zehn nervigsten Fehler in Restaurants

Zahlreiche Wirte in Basel wissen genau, was es braucht, damit sich die Gäste bei ihnen wohlfühlen – aber viel zu viele wissen es noch immer nicht oder wollen es nicht wahrhaben.

Wenn die Gäste sich wohlfühlen, kommen sie wieder. Diese banale Weisheit ist vielen Wirten nicht klar.

Wenn die Gäste sich wohlfühlen, kommen sie wieder. Diese banale Weisheit ist vielen Wirten nicht klar. Bild: Keystone

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Das schlimmste Restaurant in Basel hat einen Monat nach unserem Besuch dichtgemacht. Eine Überraschung war das nicht. Wir schauten für die BaZ-Rubrik «Einkehren» dort vorbei, daraus hätte ein Tipp entstehen sollen. Das Lokal lockte mit einer speziellen Aktion: Der Gast durfte am Ende den Preis für das Essen selber festlegen. Wir gaben anstandshalber 20 Franken pro Person, obwohl alles – vom verkochten Ratatouille bis zum zur Unkenntlichkeit filetierten Fisch – eine Katastrophe war. Auf unsere Bemerkung, dass es viel zu kühl im Restaurant sei, sagte der Chef: «Wir haben die Heizung vor zwei Tagen abgestellt. Da konnten wir noch nicht wissen, dass es wieder ­kälter wird. Wegen nur zwei Personen stellen wir sie aber nicht extra wieder an.»

Wir haben dann auf einen Tipp verzichtet. Das «Einkehren» soll ja eine Empfehlung sein, dass man dorthin geht. Es war aber nicht das einzige Negative­rlebnis dieser Art. Ich finde das unglaublich, denn eigentlich dürfen sich die Restaurant­betreiber solche Fehler nicht erlauben. Dafür ist die Konkurrenz zu gross. Zahlreiche Wirte in Basel wissen genau, was es braucht, damit sich die Gäste bei ihnen wohlfühlen – aber viel zu viele wissen es noch immer nicht oder wollen es nicht wahrhaben. Ihnen helfen wir auf die Sprünge, mit unserer Top Ten der grössten Ärgernisse:

1. Unfreundliches Personal. Wer ein Restaurant betritt, möchte gerne freundlich begrüsst werden – auch wenn es gerade zur Rushhour ist. Klingt selbstverständlich, ist aber leider nicht immer der Fall. Es gibt nun einfach mal Jobs, bei denen Freundlichkeit und ein Mindestmass an Kommunikation zwingend vonnöten sind – der Beruf der Kellnerin und des Kellners zählt sicherlich dazu. Der Wirt sollte, wenn er in der Beiz zugegen ist, Vorbild sein. Was aber ebenfalls oft nicht der Fall ist. In besonderer Erinnerung bleibt der Besuch in einem Lokal mit offener Küche. Nach dem ersten Gang wollten wir dem Chef aus gebührender Entfernung kurz zusehen, wie kunstvoll er dort kocht. Stattdessen sahen wir nur noch, wie er die Türe eines Nebenraumes zuknallte. Die Kellnerin sagte spitz: «Er hat es halt nicht gerne, wenn er beim Kochen gestört wird!»

2. Zu lange Wartezeiten. Eines der häufigsten Probleme, die man antrifft. Dabei wissen wir durchaus, dass es seine Zeit braucht, bis eine frisch zubereitete Mahlzeit fertig hergerichtet ist. Trotzdem möchte ich auf den kleinen Menüsalat nicht 40 Minuten warten müssen und auf das Cordon bleu nicht geschlagene zwei Stunden. Es gibt viele Restaurants, die in Spitzenzeiten auch wahnsinnig viel zu tun haben und das Essen trotzdem innert vertretbarer Frist servieren können. Noch schneller muss es bei den Getränken gehen. Schaut man sich die Empfehlungen der Experten an, soll die zumutbare Grenze bei Getränken 20 Minuten betragen – was ich aber schon ziemlich lange finde. Am allernervigsten ist es jedoch, wenn man nur schon eine halbe Stunde warten muss, bis man überhaupt bestellen kann.

3. Zu früher Küchenschluss. Haben wir kürzlich in einer Kleinbasler Quartierbeiz erlebt, das für sein Cordon bleu bekannt ist. Als wir ein solches um halb zehn bestellen wollten, beschied uns die Kellnerin: «Das ist jetzt zu spät. Der Koch ist depressiv, weil er heute so viele Plätzchen für das Cordon bleu klopfen muss.» Das Lokal war im Garten gerammelt voll – wie lange noch?

4. Unaufmerksame Bedienung. Auch Gäste haben sich zu benehmen. Was aber, wenn die Bedienung partout nicht registrieren will, dass man noch etwas bestellen oder bezahlen will? Pfeifen oder schnippen geht nicht, weil unanständig. Der Verband Gastrosuisse hält übrigens fest: «Wird nach mehreren erfolglosen Aufforderungen immer noch nicht einkassiert, kann der Gast seine Visitenkarte oder seine Adresse hinterlassen.» Dafür aber muss man erst einmal auf sich aufmerksam machen können. Ein guter Kellner ist wie ein Helikopter: Er schwebt sozusagen über allen und bewahrt stets den Überblick. Eine ­Kontaktaufnahme des Gastes empfindet er nicht als Belästigung.

5. Schlechtes Essen. So selbstverständlich, dass man es eigentlich gar nicht erwähnen muss. Leider verzichteten wir schon mehrmals auf einen Restauranttipp, weil das Essen unter jeder Kanone war. Es ist nicht nötig, dass jedes Restaurant eine Gourmetküche anbietet. Umgekehrt muss man sich auch nicht alles bieten lassen. Eben erst aufgetischt bekommen: eine pickelharte, übermässig kompakte Rösti, die problemlos als Frisbee hätte verwendet werden können.

6. Mangelnde Flexibilität. Ein Wirt kann einen Spezialwunsch als Ärgernis abtun. Oder aber er kann ihn als Chance annehmen, damit der Gast noch zufriedener nach Hause geht. Wenn also jemand statt der im Menü vorgesehenen Pommes frites ausnahmsweise eine Rösti möchte, sollte das doch machbar sein. Es ist ja erfahrungsgemäss nicht so, dass bei 30 Bestellungen 30-mal Spezialwünsche angebracht werden.

7. Zu hohe Preise. Natürlich sind die Fixkosten in der Schweiz hoch. Trotzdem sind gewisse Preise überteuert. Eine Vorspeise, die in einer normalen Beiz über 20 Franken kostet, ist grenzwertig. Ein Schweins-Wiener-Schnitzel für fast 50 Franken übertrieben. Und ein halber Liter Leitungswasser für sieben Franken eine Frechheit. Leider schon alles erlebt.

8. Vertrocknetes Brot. Frisches, knuspriges Brot zu einer Suppe oder zu einem Salat ist einfach etwas Herrliches. Das pure Gegenteil davon sind latschige Brotscheiben, die im Plastikbeutel auf dem Tisch serviert werden. Oder gänzlich vertrocknetes Brot.

9. Keine Kindermenüs. Oder: Eine fantasielose Kinderkarte mit den ewigen Chicken Nuggets oder den üblichen Fischstäbchen. Dafür muss man nicht auswärts essen. Unterschätzt die Kinder nicht, die freuen sich genauso über ein Gericht, das sie nicht jeden Tag essen können. Am tollsten finde ich jene Lokale, die fragen, was sie für die Kleinen zubereiten sollen – oder gleich Vorschläge machen, die das Gegenteil von 08/15 sind.

10. Offengetränke ohne Sprutz. Wie oft habe ich es in den vergangenen Monaten erlebt, dass ich ein offenes Getränk bestellt habe und null Kohlensäure drin war? Viel zu oft! Ärgerlich finde ich auch ungefragt mit Eiswürfeln gefüllte Getränke.

Was nervt Sie am meisten? (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.09.2016, 09:38 Uhr

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