Ehemalige Aussteller bemängeln Preise und Gleichgültigkeit

Der Abbau bei der Baselworld ist neben äusseren auch auf innere Faktoren bei der Messe Schweiz zurückzuführen.

2018 wird die Zahl der Aussteller an der Baselworld auf 600 bis 700 reduziert.

2018 wird die Zahl der Aussteller an der Baselworld auf 600 bis 700 reduziert. Bild: Nicole Pont

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Einen Tag nach der Kahlschlagmeldung bei der Baselworld, anstatt 1300 Aussteller im 2017 sollen 2018 noch 600 bis 700 Uhren- und Schmuckfirmen ihre Produkte präsentieren, reden ehemalige Aussteller Klartext.

Einer davon ist der Diamantenhändler Pluczenik aus Antwerpen. Derek R. Palmer, Marketingverantwortlicher, sagt auf Anfrage, dass sich die Messe Schweiz nicht mehr für sein Unternehmen interessiert habe. «Sie hat unseren Standort von der einen Halle in die andere verschoben, bis wir am Schluss hinter der Uhrenshow platziert waren, wo die Besucherströme gering waren.» Damit habe die Baselworld, ohne es explizit zu kommunizieren, signalisiert, dass sie kein Interesse mehr an der Firma und ihren Produkten habe. Gemäss Palmer sei dies in den 90er- und Nullerjahren noch anders gewesen. «Wir hatten einen guten Standort und gaben viel Geld aus. Es war eine Win-win-Situation für uns und die Messe.»

Zu diesem Vorwurf sagt Christian Jecker, Sprecher der Messe Schweiz: «Das hören wir immer wieder. Wenn es tatsächlich solche Fälle gegeben hat, so ist das bedauerlich. Es ist nicht unsere Art, so mit Kunden umzugehen.»

Ein anderer Aussteller war während knapp 30 Jahren auf dem Platz Basel präsent, wird es aber 2018 nicht mehr sein. Der Schmuckhersteller, er möchte namentlich nicht genannt werden, habe zu Beginn seines Engagements für 80 Quadratmeter 30'000 Franken bezahlt. 2017 seien es für 20 Quadratmeter rund 120'000 Franken gewesen.

«Wir haben einen eigenen Stand zum Preis eines Einfamilienhauses gebaut. Die Messeleitung hat uns die Nutzung dann aber untersagt und wir mussten Standardstände benutzen.» Da deren Auskleidungen in den Vitrinen allerdings weiss waren, die Schmuckfirma sie aber in Schwarz wollte, hätte sie der Baselworld für die Umlackierung 5000 Franken hinblättern müssen.

Gemäss Aussteller wäre dies zu einem viel günstigeren Preis zu haben gewesen. Da die Auskleidungen im nächsten Jahr ausgebessert werden mussten, habe die Baselworld diese Arbeiten mit Stift und Klebeband vorgenommen. «Bezahlt habe ich trotzdem wieder 5000 Franken.»

Standortwechsel nicht ermöglicht

Auch einen Standortwechsel innerhalb der Baselworld sei von der Messeleitung nicht ermöglicht worden. «Wir wollten in den letzten Jahren eigentlich vergrössern und einen Platz mit mehr Besucherfrequenz einnehmen. Seitens der Messe hiess es allerdings, dass dafür kein Raum sei.» Als der Schmuckhersteller gestern vernommen habe, dass die Zahl der Aussteller auf 600 bis 700 reduziert und die Fläche für die Stände um einen Drittel verkleinert werde, habe er schmunzeln müssen.

Der Fabrikant berichtet zudem, dass die Messe für Aussteller, die sich in letzter Minute für eine Teilnahme entschieden hätten, Dumpingpreise für die Flächen geboten hätte. «Anstatt der 120'000 Franken, die ich für meinen Stand bezahlt habe, wollte die Messe 15'000 Franken.» Jecker sagt, dass ihm ein solcher Umstand nicht bekannt sei.

Der Aussteller kritisiert auch, dass die Messeleitung um René Kamm für ihn nicht zu sprechen gewesen und nicht auf seine Bedürfnisse eingegangen sei. «Die Kommunikation war gleich null. Für die hohen Preise, die wir bezahlt haben, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht. An der Schmuckmesse in Hongkong, wo wir auch vertreten sind, ist dies nicht der Fall. Dort gehen die Verantwortlichen auf unsere Bedürfnisse ein.»

Die Entwicklung in Basel tue ihm aber auch leid. «Die Baselworld war eine Veranstaltung, die einen guten Qualitätsruf hatte.» Allerdings sei sie wegen falscher Managemententscheide kaputt gemacht worden.

Christian Jecker verteidigt die Baselworld gegen diese Anschuldigung. «Wir müssen die Interessen vieler Aussteller unter einen Hut bringen und diese zufriedenstellen. Das ist schwierig und wir haben bei der Behandlung unserer Kunden auch eine gewisse Hierarchie.»

Auch die Luxusuhrenfirma Eberhard wird an der Baselworld 2018 nicht mehr vertreten sein. Markenchef Mario Peserico: «Die Messe ist zu teuer und hat keine Vision, wie sie sich positionieren könnte.» Sein Unternehmen könnte das Geld besser investieren als an der Baselworld. Die Einnahmen würden die Ausgaben nicht mehr decken.

Preissprung im 2013

Die hohen Preise für die Mieten bemängelt auch Marcel Weder. Er ist Redaktor bei Gold’Or, einer Fachzeitschrift für die Schmuck- und Uhrenbranche. Die Messe habe die Preise für die Ausstellungsflächen Jahr für Jahr hinaufgeschraubt. Eine signifikante Erhöhung für den Quadratmeterpreis sei dann mit der Eröffnung der neuen Messe 2013 erfolgt.

Jecker sagt zur Preispolitik der Baselworld: «Mit der Inbetriebnahme des Messeneubaus von 2013 sind die Preise für die Standmieten um 20 Prozent erhöht worden.» Zuvor seien sie während fünf Jahren gleich geblieben, ebenso nach dem Aufschlag.

Diesen erachtet Jecker wegen des Neubaus als gerechtfertigt. Er führt die Wahrnehmung der Aussteller, dass die Preise extrem hoch seien, allerdings nicht alleine auf diese Erhöhung zurück. «Diese hängt auch mit den Kosten für den Auf- und Abbau der Stände zusammen und mit den Personalkosten. Auch der starke Schweizer Franken trägt dazu bei.» Mit der Preisreduktion bei den Flächen um zehn Prozent im 2018 ist die Messe den Ausstellern entgegengekommen. «Höhere Reduktionen können wir aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber nicht gewähren.»

Branchenkenner Weder bemängelt auch, dass die Händler obligatorisch im Ausstellerverzeichnis einen kostenpflichtigen Eintrag haben machen müssen. Für diesen hat die Messe rund 10'000 Franken verlangt. «Dieses Brandbook ist auf 2018 hin abgeschafft worden. Das gibt eine kleine Preisreduktion für die Aussteller. Auch die kürzere Dauer von sechs anstatt acht Tagen dürfte etwas Entspannung bei den Kosten bringen. Generell müsste die Messe ihre Preispolitik allerdings überdenken», sagt Weder.

Jecker bestätigt, dass Print-Publikationen wie Aussteller-Katalog und Brandbook 2018 nicht mehr erscheinen. Dass ein Aussteller für den Eintrag 10'000 Franken bezahlen musste und dieser obligatorisch war, kann Jecker weder dementieren noch bestätigen, da diese Dienstleistungen nicht für alle Sektoren gleich gewesen seien.

Die Verkleinerung der Baselworld hat ihre Ursache laut Jecker in der Krise des Zwischenhandels, auf den die Uhren- und Schmuckmesse ausgerichtet sei. «Dieser bricht mehr und mehr weg. Grosse Produzenten suchen ihre Endkunden mehr und mehr über digitale Plattformen. Es stellt sich daher die grundsätzliche Frage, wie lange es die Baselworld in der bisherigen Form einer klassischen Fachhandelsmesse noch braucht.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.11.2017, 10:42 Uhr

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