Ein Verkehrspolitiker lenkt das Parlament

Der neue Grossratspräsident Christian Egeler legte einen souveränen Einstand hin. Die Erwartungen an ihn sind hoch.

Er hat die Zügel in der Hand: Christian Egeler

Er hat die Zügel in der Hand: Christian Egeler Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Grosse Rat weiss, was er an Christian Egeler hat. Man weiss, wie er denkt und tickt, was er macht, wie er politisiert und welche Interessen er vertritt. Er ist ein umgänglicher, fröhlicher, gut gelaunter und anständiger Mensch, er ist zielstrebig und kann seine Anliegen sehr pointiert und bestimmt vertreten. Und er hat auch Humor. Kein Wunder, hat ihn der Grosse Rat einstimmig zu seinem Präsidenten gewählt. Auf 91 von 92 gültigen Wahlzetteln stand sein Name – der einzige leere Zettel dürfte von ihm selbst gestammt haben. Die Erwartungen an ihn sind natürlich hoch, aber quer durch die Parteien traut man ihm das Amt auch zu. Der Einstand am letzten Mittwoch jedenfalls ist ihm vollauf gelungen.

Christian Egeler (Jahrgang 1970) stammt aus eine Bauunternehmerfamilie und ist im St.-Johann-Quartier aufgewachsen. Seit 2004 lebt er mit seiner Familie auf dem Bruderholz; die junge Familie zügelte, als die Kinder kamen. Im neuen Quartier sind sie unterdessen heimisch geworden. Nach den Schulen in Basel absolvierte er an der ETH in Zürich ein Bauingenieur-Studium und spezialisierte sich auf die Verkehrsfächer – heute ist er als Bau- und Verkehrsingenieur bei der Firma Rapp Trans tätig. Verkehrsplanungen sind sein tägliches Business, und die Verkehrspolitik ist das zentrale Gebiet des Politikers Christian Egeler. Weitere Schwerpunkte sind Umwelt und Ressourcen, die Zusammenarbeit in der Region, aber natürlich auch Steuern und Wirtschaft.

Der grüne Freisinnige

Auf die Idee, in die Politik zu gehen, kam er seinerzeit dank der Fernsehsendung «Arena»: Aus beruflichem Interesse schaute er sich eine Sendung an, in der über die Umsetzung der LSVA (Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe) diskutiert wurde und merkte, dass er da wohl auch mithalten konnte. Die für ihn richtige Partei war die FDP – obwohl er dies eigentlich schon wusste, studierte er auch noch andere Parteiprogramme und entschied sich definitiv für die Freisinnigen. Das hatte auch mit Daniel Stolz zu tun, dem heutigen Parteipräsidenten der Basler FDP, mit dem er damals in Kontakt kam und mit dem er heute eng befreundet ist. Am 1. Juli 2004 war es dann so weit – er zog als Nachrückender in den Grossen Rat ein.

Im Parlament betätigte er sich sieben Jahre in der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek). Er wirkte zwei Jahre im Verwaltungsrat der BVB und vier Jahre in der Werkkommission der IWB, bis diese jeweils aus der Verwaltung ausgegliedert wurden. In den Dienst der Partei stellte er sich ebenfalls, er ist Vizefraktionspräsident der FDP und Geschäftsleitungsmitglied er Basler Freisinnigen.

Innerhalb der Freisinnigen nimmt er sich den eher grünen Themen an. In der Uvek hat er einen massgeblichen Beitrag geleistet, als es darum ging, die verkehrsfreie Innenstadt aufzugleisen. Zum parteiübergreifenden Kompromiss gehörte, die Mittlere Brücke verkehrsfrei zu machen und dafür am Rand der Innenstadt ein weiteres Parkhaus zuzulassen. Diese Lösung hat er mitorches­triert. «Wir schafften es, eine gemein­same Position zu finden», stellt er mit Genugtuung fest.

Mit dem Velo zum FCB

Der 43-jährige Christian Egeler ist ein geselliger Mensch. Zuoberst steht bei ihm die Familie, mit den Kindern und seiner Frau unternimmt er so viel wie möglich. Schon in seiner Jugendzeit hat er sich als Organisator von Partys und Festen profiliert. So hat er im Jahr 1989 das Äntlig-Fescht erfunden und durchgeführt: Ein Fest für die Maturanden aller Basler Schulhäuser – das fand im Innern der alten Joggeli-Tribüne statt. Bekannt ist sein 1.-August-Fest (seit 1991), und schliesslich wurde er auch bekannt als Organisator des Velo-Extrazuges an FCB-Spiele. Den ersten Velo-Extrazug organisierte er zusammen mit Florian Mathys 2005 – rund 300 FCB-Fans radelten per Velo nach Zürich an das Spiel GC–Basel: Das war eine humorvolle Protestaktion, nachdem im Dezember 2004 in Zürich, vor einem Match FCZ–FCB, mehrere Hundert Basler Fans willkürlich verhaftet worden waren. Den Velo-Extrazug gab es später noch zweimal. Mit dem Velo ist Egeler aber immer noch unterwegs – im Stadtverkehr komme man mit dem Velo am besten vorwärts.

An solche Dinge denkt er jetzt, im Präsidialjahr, eher weniger, sein Hauptaugenmerk legt er auf die Sitzungsführung. Er will möglichst angenehme und speditive Grossratssitzungen abhalten – der Anfang dazu ist gemacht. Als geselliger Mensch sind für ihn die Repräsentationspflichten zudem keine lästige Pflicht, sondern er freut sich auch auf diese zeitaufwendige Aufgabe. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.02.2014, 17:20 Uhr

Artikel zum Thema

Redeschlacht um Innerstadtkonzept ohne Sachentscheide

Das künftige Basler Innerstadt-Verkehrsregime hat am Mittwoch im Grossen Rat eine veritable Redeschlacht ausgelöst. Mehr...

Nachbesserung für Verkehrskonzept

Das neue Verkehrskonzept bedroht das Gewerbe in der Innenstadt. Nun wollen gleich fünf Vorstösse im Grossen Rat die Zufahrt zur Innenstadt wieder erleichtern. Mehr...

Heftige Kritik am ÖV-Programm

Der Grosse Rat kann das Papier, welches den ÖV der nächsten vier Jahre lenkt, nur zur Kenntnis nehmen – und tut dies ziemlich lustlos. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Paid Post

Casual Dating ist besser als Tinder

Noëlle war acht Monate auf Tinder. Jetzt hat sie genug. Hier verrät sie, weshalb sie die Suche nach Sex-Dates jetzt lieber professionell über TheCasualLounge angeht.

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

In luftiger Höhe: Ein Paraglider schwebt bei traumhaftem Wetter im Oberallgäu am Mond vorbei. (16. Februar 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...